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Kloster Alpirsbach

Der heilige Nikolaus und die gefüllten Stiefel

Marienaltar in Alpirsbach

ssg-Pressebild

Marienaltar im Kloster Alpirsbach

Bischof und Nothelfer

Nur wenige Tatsachen sind über das Leben des heiligen Nikolaus bekannt. Fest steht, dass er im 4. Jahrhundert als Bischof in Myra tätig war, dem heutigen Demre in der Türkei. Hier vollbrachte er der Überlieferung nach viele Wunder und setzte sich für die Armen und Bedrängten ein. Die bekannteste Legende berichtet, dass Bischof Nikolaus drei arme Mädchen vor einem Schicksal als Prostituierte bewahrte: Er warf in drei aufeinanderfolgenden Nächten goldene Kugeln durch ihr Schlafzimmerfenster und machte die Mädchen damit zu reichen Bräuten. Außerdem werden mit dem Bischof ein Kornwunder und die Errettung von Seefahrern verbunden: Daher ist er auch der Patron der Seeleute und der Bäcker. Und weil er einen toten Betrüger wieder zum Leben erweckt hat, wurde er auch der Patron der Diebe.

Vom fürsorglichen Bischof zum Stiefelfüller

Viele der Nikolausbräuche reichen bis weit ins Mittelalter zurück. Dass in der Nacht zum 6. Dezember Stiefel mit Geschenken gefüllt werden, hat seinen Ursprung in der Legende mit den goldenen Kugeln. Spätestens seit dem 17. Jahrhundert werden dem gütigen Bischof, der die Kinder beschenkt, garstige Begleiter zur Seite gestellt. Der bekannteste ist Knecht Ruprecht, der mit seiner Rute zu Anstand und Frömmigkeit mahnt. Bis zur Reformation war der Nikolaustag der Tag, an dem die Gaben in der Weihnachtszeit verteilt wurden. In den evangelischen Regionen verlegte man die Bescherung auf Heiligabend, da die protestantische Kirche keine Heiligentage feiert.

Goldene Mitra statt rote Zipfelmütze

Dass ein amerikanischer Limonadenhersteller den heutigen Weihnachtsmann erfunden hat, ist höchstens die halbe Wahrheit. Der fröhliche alte Mann mit Rauschebart und Zipfelmütze entsteht, als im 19. Jahrhundert der Nikolaus mit seinem Gehilfen Knecht Ruprecht verschmilzt und Stiefel, Sack und Rute übernimmt. Aber traditionell wird der Nikolaus immer noch als Bischof mit Krummstab, Mitra und Messkleidung dargestellt. Genauso ist er auch im Marienaltar der Klosterkirche in Alpirsbach zu sehen. Der Kirchenpatron steht auf der rechten Seite der Mitteltafel des Schnitzaltars, als junger Bischof mit hoher goldener Mitra. Erkennbar ist er auch an seinen Heiligenattributen: dem Buch, auf dem drei goldene Kugeln liegen. Der spätgotische Flügelalter wurde um 1520 bis 1525 von dem Ulmer Bildhauer Nikolaus Weckmann und seiner berühmten Werkstatt geschaffen. Heute steht er im nördlichen Querhaus der Klosterkirche.