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CDU und SPD sind die Verlierer der Wahl

Die Fragen nach Ursache und Konsequenz

Weinheim Wahlergebnis Kommunalwahl

cs

Beide sehen sich dem Bundestrend ausgesetzt – aber weil Kommunalwahl Personenwahl ist, muss die Erklärung auch in den Parteien vor Ort gesucht werden. Die Vorsitzenden haben sich geäußert zu Fehlern, Generationenwechsel und möglichen personellen Konsequenzen.
Es habe im Wahlkampf gewisse Dissonanzen gegeben, die sich nicht förderlich bemerkbar gemacht hätten, versuchte es CDU-Vorsitzender Holger Haring mit einem Scherz. Doch er wusste selber: Der Nominierungseklat und die Verwicklungen um Rolf Schmidlin haben ihren Teil zum Abschneiden im Rahmen der Kommunalwahl beigetragen. „Aber wir haben auch dem Thema Klimaschutz nicht die Bedeutung beigemessen, wie etwa die GAL“, blickt er auf das omnipräsente Thema. Den Trend, der sich darüber durchsetzte, verstehe er dennoch nicht, so der CDU-Vorsitzende weiter.
Nicht durchsetzen konnten sich hingegen die Jungkandidaten – Lena Meyer schaffte es in Oberflockenbach immerhin auf den Ersatzplatz im Ortschaftsrat. Doch ansonsten bleibt es bei eher gesetzterem Alter, sieht man von Mirko Winz (Jahrgang 1983) ab, der den Einzug in den Gemeinderat schaffte. Holger Haring sieht zwei Gründe: Die jungen Kandidaten hätten sich nicht so eingebracht, wie er es erhofft hatte – „vielleicht hat man ihnen auch nicht die Möglichkeit gegeben, sich zu entfalten“, blickt er kritisch auf die Partei. Klar ist, dass die Verjüngung eine Aufgabe der kommenden Jahre sein wird. „Ob wir das so schnell schaffen, weiß ich nicht“, blickt er in Richtung der noch in diesem Jahr stattfindenen Vorstandswahlen im Stadtverband. Ziel ist die Einbindung junger Menschen, auch um sie perspektivisch für die Kommunalwahl 2024 aufzubauen. Für die CDU muss sich zudem die Frage nach personellen Konsequenzen stellen – denn die innerparteilichen Streitereien reißen nicht ab. „Wir gehen da jetzt dran, das wird auch eine Aufarbeitung sein“, so Haring. Das gilt neben dem Stadtverband auch für den Ortsverband Weinheim. Zwischen den Mitgliedern von Mitte rechts bis Mitte links den richtigen Verantwortungsträger zu finden beschreibt Haring als schwierig. „Dafür braucht man ein breites Kreuz.“ Man müsse zudem Abstand vom Eigenen nehmen und Kompromisse finden. Das wäre als Vorsitzender des Stadtverbands auch seine Rolle gewesen – gelungen ist es ihm nicht. Sieht er sich selber angekratzt in seinem Amt? Haring lächelt: „Sie können nur Kompromisse finden, wenn die andere Seite bereit ist.“

Weinheim Wahlergebnis Kommunalwahl

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Stella Kirgiane-Efremidou und Prof. Dr. Rudolf Large hatten die Stimmverluste erwartet. Enttäuschung blieb.

SPD sucht Antworten

„Wir werden uns nächste Woche zusammensetzen. Die Frage ist, inwieweit Fehler vor Ort gemacht wurden.“ Stella Kirgiane-Efremidou ist enttäuscht. Die SPD-Vorsitzende verdaut noch den Verlust von zwei Gemeinderatssitzen. Besonders bitter: Von den vier Mandaten der Ortsteile bleibt der SPD nur Lützelsachsen erhalten – nach dem Rückzug von Rolf Emenlauer hat sich Eleni Efremidou-Hartmann hier durchgesetzt. Oberflockenbach, Rippenweier und Sulzbach musste die Partei abgeben.
Die SPD hat zudem unter dem Rückzug weiterer Wählerfavoriten gelitten: Neben Emenlauer sind auch Hans Mazur und Wolfgang Metzeltin nicht mehr angetreten. Ihre acht jungen Kandidaten unter 30 Jahren konnten die Genossen – mit Ausnahme von Efremidou-Hartmann – nicht in die Gremien bringen. Svenja zur Brügge (23 Jahre) ist allerdings erste Ersatzkandidatin für den Gemeinderat. „Wir müssen sehen, dass wir die Jungen nicht verlieren in den nächsten Jahren“, sagt Kirgiane-Efremidou mit Blick auf den eingeleiteten Verjüngungsprozess der Partei. Man müsse sich zudem überlegen, wie die Partei ihren Nachwuchs bei der kommenden Kommunalwahl platzieren will. Geht es nach der Parteivorsitzenden, werden die jungen Kräfte noch mehr Vorstandsverantwortung übernehmen. Sie bringt mit Blick auf die nun kleinere Gemeinderatsfraktion eine junge Vorsitzende oder einen jungen Vorsitzenden ins Spiel, um Arbeit zu verteilen. Es wäre ihr eigener Abschied. 
Das jetzige Abschneiden der SPD, dazu ihr eigenes bei der OB-Wahl 2018, bei der Kirgiane-Efremidou hinter Amtsinhaber Manuel Just und Dr. Carsten Labudda (LINKE) nur den dritten Platz erreicht hat – es sind herbe Enttäuschungen und durchaus Gründe für personelle Konsequenzen. Bereits nach der OB-Wahl habe sie einen Rückzug vom Vorsitz in Erwägung gezogen, sei aber gebeten worden zu bleiben: „Die Partei war vor wie nach der OB-Wahl bei mir“, sagt die Parteivorsitzende Weinheims. Wie die SPD sich zukünftig ausrichtet, scheint allerdings offen. Stella Kirgiane-Efremidou will in den kommenden Gesprächen nochmals ihren Rückzug ins Spiel bringen.