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Schloss ob Ellwangen

Die Messinstrumente des Fürstprobstes Johann Christoph IV.

Johann Christoph IV.

Touristinfo Ellwangen

Fürstprobst Johann Christoph IV.

Rund 13 Jahre regierte Fürstpropst Johann Christoph IV. von Schloss Ellwangen aus sein Herrschaftsgebiet. Der fromme Mann ließ nicht nur die Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg errichten, er war auch von Mathematik und Astronomie fasziniert. Johann Christoph Adelmann von Adelmannsfelden wurde in Hohenstadt bei Abtsgmünd am 23. Juni 1640 geboren.

Domherr mit 15 Jahren

Johann Christoph Freiherr Adelmann von Adelmannsfelden kam am 23. Juni 1640 zur Welt. Sein Vater, Wilhelm Christoph Adelmann, war Herr zu Hohenstadt, Schechingen und Leinweiler, seine Mutter, Maria Magdalena, eine geborene Freiin von Rechberg zu Hohenrechberg. Der älteste Sohn des adeligen Paares besuchte zwischen 1651 und 1657 das Jesuitengymnasium Dillingen, das er mit einer Arbeit „Über die Seele“ abschloss. Es folgte ein weiteres Studienjahr bei den Jesuiten in Ingolstadt. Johann Christoph verinnerlichte die tiefe Frömmigkeit der Jesuiten – seiner Devise „Fromm und tapfer“ blieb er Zeit seines Lebens treu. Mit nur 15 Jahren wurde der junge Adelige Domherr in Augsburg und 1667, zwei Jahre später, zum Priester geweiht. Der Höhepunkt seiner Karriere war die Wahl zum Fürstprobst von Ellwangen am 18. April 1674. Gut sechs Jahre später erhob man ihn in den Reichsfreiherrenstand.

Der Fürstprobst als Bauherr

Als 14. Fürstpropst nutzte Johann Christoph IV. seine Macht in Ellwangen klug. Die Stadt verdankt ihm eines ihrer drei Wahrzeichen, die Wallfahrtskirche „Zu Unserer Lieben Frau“ auf dem Schönenberg. Sie gilt als der erste große Kirchenbau in Schwaben nach dem Dreißigjährigen Krieg. Die Wallfahrtskirche wurde maßgeblich von den örtlichen Jesuiten geplant und war 1687, im Todesjahr des Fürstpropsts, in weiten Teilen fertiggestellt. Fürstprobst Johann Christoph IV. wurde nach seinem Tod am 26. August 1687 in der Kirche begraben ‒ hinter dem Hochaltar, in der Loretokapelle.

Eine eigene Kapelle im Ellwanger Schloss

Dort, wo sich heute der sogenannte Klausenturm des Ellwanger Schlosses erhebt, ließ der Fürstpropst 1677 eine kleine private Kapelle einrichten. Sie ergänzte die Schlosskapelle, die das religiösen Zentrum der Residenz bildete. Der Fürstpropst und die Mitglieder des Hofs feierten in ihr den täglichen Gottesdienst. Die Schlosskapelle war somit ein Ort der Öffentlichkeit. Hier wurde Johann Christoph IV. beobachtet und musste sich streng an das vorgeschriebene Zeremoniell halten. Ganz anders als in seiner Privatkapelle: Hier fand der fromme Mann Ruhe und Möglichkeit zur privaten Andacht. Oft meditierte er bis tief in die Nacht. Sogar eine Schlafmöglichkeit ließ sich Fürstprobst Johann Christoph IV. neben dem Andachtsraum einrichten. Nach eigener Aussage soll er dort „recht vergnügt“ geschlafen haben. Die Privatkapelle wurde 1843 abgerissen. Der Name des umliegenden Gartens, des Klausengartens, erinnert noch heute an die Kapelle.

Schloss in Ellwangen

Achim Mende / ssg

Schloss ob Ellwangen

Mathematik und Astronomie faszinierten

Durch seine Ausbildung und seine engen Kontakte zu den Jesuiten interessierte sich Johann Christophs für die Naturwissenschaften, allen voran für Mathematik und Astronomie. Daher gab er viele Messinstrumente und Beobachtungsgeräte bei Augsburger Werkstätten in Auftrag, die sich zum Teil bis heute erhalten haben. Auch besaß er eine umfassende Bibliothek mit über 6.000 Büchern. Durch die Säkularisation 1803 wurde die wertvolle Bibliothek und die kostbaren wissenschaftlichen Instrumente entweder verkauft oder abtransportiert. Einzelne Messinstrumente sind noch heute in der Dauerausstellung des Württembergischen Landesmuseums in Stuttgart zu sehen. Im Keller des Peutinger-Gymnasiums Ellwangen entdeckte man 1989 zudem insgesamt 47 Instrumente und vier Stative. Der Großteil der Sammlung stammte aus der Zeit Johann Christophs IV. Nach und nach scheint sie in den Besitz des Ellwanger Gymnasiums gelangt zu sein. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden die naturwissenschaftliche Instrumente für den Unterricht der Schüler genutzt.

Residenzschloss ob Ellwangen

Das Schloss ob Ellwangen war für Jahrhunderte die Residenz der Fürstpröpste von Ellwangen. Im 12. Jahrhundert ließ Abt Kuno I. vom Benediktinerkloster in Ellwangen auf dem heutigen Schlossberg eine Burg errichten. Der Papst wandelte das Benediktinerkloster 1460 in ein Chorherrenstift um – ein Fürstpropst trat nun an die Stelle des Abts. Im 17. Jahrhundert wurde aus der mittelalterlichen Burg ein zeitgemäßes Schloss. Aus dieser Zeit stammen im Wesentlichen die prägnante Vierflügelanlage und der dekorative Hof mit offenen Arkadengängen. Nach der Säkularisation 1803 ging das Schloss ob Ellwangen in den Besitz Württembergs über. Kurfürst Friedrich I. brachte sein Wappen am Schloss an und ließ einen prächtigen Thron aufstellen. Für eine kurze Zeit bezog seine Tochter Katharina von Württemberg zusammen mit Napoleons Bruder Jérôme hier Residenz. Heute befinden sich Verwaltungsräume, Wohnungen und das Schlossmuseum des Geschichts- und Altertumsvereins Ellwangen in der herrlichen Anlage.