Merken

Landeserlebnis e.V. feierte Ochsenfest

Die Rückendeckung aus der Bevölkerung

Weinheim Ochsenfest

cs

Vor sechs Jahren stand der Bürgerentscheid zu den Breitwiesen bevor. In diesem Jahr ging es unter Veranstaltern des Vereins „Landerlebnis“ und Besuchern wieder um ein Gewerbegebiet: Die kürzlich getroffene Entscheidung zur „Hinteren Mult“ war Gesprächsgegenstand.
2013 hätte es nicht so viele Rückmeldungen gegeben, sagt Iris Großhans. Sie und ihre Familie sind in diesem Jahr einmal mehr Gastgeber des Ochsenfests. Und sie führt seit dem Morgen Gespräche – auch und vor allem über die Situation mit Blick auf das nunmehr beschlossene Gewerbegebiet „Hintere Mult“. „Die Menschen wünschen uns, dass wir durchhalten“, sagt sie mit Verweis auf die Normenkontrollklage. Von den Besuchern erhält Großhans den Rückhalt, den sie als Unternehmerin in anderen Reihen vermisst. Noch ist die Klage nicht eingereicht, aber „wir stehen in den Startlöchern“. Sobald der Satzungsbeschluss durch amtliche Bekanntmachung öffentlich gemacht wird, kommt die nächste rechtliche Auseinandersetzung ins Rollen. Es ist der früheste Zeitpunkt, der möglich ist. Während die Menschen Ochsenfleisch essen, sich den Hof bei einer Führung erläutern lassen und Kinder in Stall Kühe streicheln, sitzt Großhans im Schatten und erzählt von der bereits laufenden Klage gegen das Umlegungsverfahren, die sie als Betroffene eingereicht haben. Eine zweite Klage ist anhängig, ob noch mehr laufen, weiß die Landwirtin nicht. Aber sie weiß, dass das Verfahren abgekoppelt ist von dem einzuleitenden Normenkontrollverfahren. Wenn allerdings der Satzungsbeschluss fällt, fällt auch das Umlegungsverfahren. Iris Großhans hat mittlerweile mehr juristisches Wissen angehäuft, als ihr lieb ist. „Bis dato hatte ich nicht mal mit einem Anwalt zu tun.“

Weinheim Ochsenfest

cs

Auf Tuchfühlung mit den Kühen ging es beim diesjährigen Ochsenfest des Vereins Landerlebnis auf dem Hof der Familie Großhans.

Bodenersatz nur in der Fläche

Sie sieht für sich keine andere Möglichkeit. „Wir verlieren immer wieder Flächen.“ Die Fläche ist ihre Existenz. Je weniger ein Landwirt hat, desto intensiver muss er sie nutzen. Zwar bekommt Großhans den Verlust des gepachteten Bodens in der „Hinteren Mult“ 1:1 ersetzt. Doch kann sich das nur auf die Fläche selbst beziehen. Die jetzt im Raum stehenden Böden hinter der Freudenberg-Kläranlage und in der Weschnitz, die fast an Hemsbacher Gemarkung grenzen, haben eine andere Beschaffenheit. 
Für Großhans bedeutet das zeit- und kostenintensivere Arbeit. Mal ganz davon abgesehen, dass sie quer durch die Stadt zu ihren Böden muss. „Das ist die Ungerechtigkeit: B&S kriegt Gelände vor der Tür, damit sie ihre Hallen nah errichten können und wir müssen weite Wege in Kauf nehmen.“ Immerhin sind die jetzt angebotenen Flächen weder in den Breitwiesen noch in einem Wasserschutzgebiet, wie es die ersten waren.

Rechtsweg als einzige Möglichkeit

Iris Großhans bemängelt weiterhin, dass der Beschluss vom noch alten Gemeinderat gefasst worden ist. Mit dem neuen Gremium, da ist sie sich sicher, wäre die Entscheidung zumindest knapper gewesen. Ob am Ende dennoch ein anderer Weg gestanden hätte, ist nicht klar. Die Frage danach, ob man auf Seiten der Landwirtschaft nach weiteren Gesprächen, der Einbindung des Themas „Hintere Mult“ in die Zukunftswerkstatt und einem dann dennoch gefällten Aufstellungsbeschluss auf eine Klage verzichtet hätte, bleibt unbeantwortet. Es wäre auch nur Spekulation, denn die Entscheidungen sind auf beiden Seiten getroffen. „Der Rechtsweg ist eingeschlagen. Und der wird auch durchgezogen“, verdeutlicht Iris Großhans ihre Position. Und schiebt nach: „Es ist die einzige Möglichkeit für uns.“ Sie weiß aber auch: Keines der Verfahren hat eine aufschiebende Wirkung. So kann sich eine rechtliche Klärung hinziehen, die Umlegung und in der Folge der Verlust ihrer Pachtflächen in der „Hinteren Mult“ kann in dieser Zeit der Auseinandersetzung dennoch erfolgen.