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Bewässerungsaktion im Exotenwald

Durstlöschende Hilfe für die Baumriesen

Auch die alte Zeder wird bis Ende August (wenn nötig) weiterhin mit 2.000 Liter Wasser wöchentlich versorgt.

Stadt Weinheim

Auch die alte Zeder wird bis Ende August (wenn nötig) weiterhin mit 2.000 Liter Wasser wöchentlich versorgt.

Wer sich derzeit vom Bodelschwingh-Heim aufmacht zu einem Besuch des Exotenwalds, der sieht entlang der Strecke Schläuche liegen. Auf einer Strecke von 600 Metern säumen sie den Weg, hin zu den Mammutbäumen. Und vor den 110 Baumriesen rieselt das Wasser aus Löchern des Schlauchs.
In einer gemeinsamen Aktion von Forstamt, Stadtwerken und eben Feuerwehr will man Dürreschäden an den Baumriesen vorbeugen. „Wenn sie erstmal zeigen, dass es ihnen nicht gut geht, dann is` rum“, macht Revierförster Markus Stähle deutlich. Sein Blick geht in die Wipfel der hohen Nadelbäume. Noch zeigen sie diese Anzeichen nicht. Daher ist die Aktion eine Prävention. „Ob wir es verhindern können, wissen wir aber jetzt noch nicht.“ Das, so sagt Stähle, werde sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Nach der Bewässerungsaktion 2003 – damals durch Tanklöschfahrzeuge der Feuerwehr -, seien in den Folgejahren einige Bäume gestorben. „Es wäre schade um diese Wahrzeichen der Stadt“, sagt er.
Das ist auch die Meinung von Peter Krämer, Geschäftsführer der Stadtwerke Weinheim: „Es wäre eine Schande diese Naturdenkmäler aufzugeben.“ Daher hat er auch kein Problem damit, dass der Verbrauch zur Wässerung der Bäume, zu Lasten der Stadtwerke geht: „Das nehmen wir auf unsere Kappe.“ Wie viel dabei zusammenkommt, weiß man heute noch nicht. Das Wasser müsse nun erstmal einige Stunden laufen, meint Krämer. Stähle spricht von einigen Tagen. „Und nach Möglichkeit rund um die Uhr.“

120 Meter Sprenkleranlage

Die zur Aktion genutzten Schläuche sind die gleichen, die auch bereits 2004 (da war man von den Tanklöschfahrzeugen auf eine andere Möglichkeit umgestiegen) zum Einsatz kamen. Das Wasser dringt auf einer Distanz von ca. 120 Metern durch kleine Löcher aus ihnen heraus. So ist es kein Schwall, der aus den Rohren kommt, sondern ein sanftes Rieseln. Damit ist gewährleistet, dass der ausgetrocknete Boden das Wasser aufnehmen kann.
Nun könnte man davon ausgehen, dass Mammutbäume aufgrund ihres natürlichen Verbreitungsgebiets trockene Sommer aushalten können. „Das können sie auch. Weil sie in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet aber auch sehr schneereiche Winter haben, in denen das Wasserreservoir aufgefüllt wird“, räumt Markus Stähle mit der Idee auf. Zudem ist es nicht unerheblich, wo die Bäume wachsen und welche Beschaffenheit der Boden dort hat. „In einem Tal kann er mit seinen tiefen Wurzeln wesentlich besser Wasser erreichen als in einem felsigen Untergrund.“ Und die Hanglage im Exotenwald – sie ist auch nicht optimal.

Stabile Wasserpegel

800 Kubikmeter wurden 2003 für die Wässerungsaktion benötigt, sagt der Revierförster. Peter Krämer geht in diesem Jahr von einer ähnlichen Menge aus. „Das wären dann 1.600 Euro. Das sind uns die Bäume wert“, rechnet er. Gibt es eine Schmerzgrenze? Krämer grinst. Man werde das schon vernünftig steuern. Das Wasser selbst kommt aus der Trinkwasserleitung. Das sei kein Problem, da der Pegel stabil sei, sagt Krämer. Auch Ralf Mittelbach, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Abteilung Stadt, ist entspannt. Im Fall von Löscheinsätzen sei genügend Wasser da. Zudem gebe es Angebote von Privatleuten zur Nutzung ihrer privaten Wasservorräte im Fall der Fälle. Sollte es dennoch knapp werden, so Mittelbach, „habe ich auch kein Problem damit, den Waidsee leerzupumpen“.

„Gut wäre übertrieben“

Wie viel Wasser nun im Exotenwald tatsächlich benötigt wird, muss aber letztlich das Wetter zeigen. Bleibt es heiß und trocken, werden Spaziergänger entlang der Mammutbäume wohl noch länger erfrischende Tropfen auf der Haut spüren. Und auch an anderen Stellen könnte man hier und da noch Bewässerungsaktionen sehen: Neben den Mammutbäumen werden derzeit die Jungpflanzen zusätzlich versorgt. Weiterhin gewässert wird auch die alte Zeder hinter dem Schloss. 2.000 Liter Wasser werden ihr wöchentlich - verteilt auf mehrere Tage - durch die Feuerwehr zugeführt. Insgesamt, so sagt Markus Stähle, habe man Glück, dass ein großer Bereich des Exotenwalds gen Norden ausgerichtet ist. Trotzdem habe die Hitze der Natur auch hier zugesetzt. Gefragt nach dem Zustand der grünen Lunge insgesamt, sagt er: „Es ist noch erträglich, gut wäre übertrieben.“ Und auch wenn die Bäume hier und da anfangen, Blätter fallen zu lassen, ist das nicht unbedingt ein Alarm-Zeichen. „Sie gehen teils in den Herbst-Modus“, erklärt der Revierförster. Das sei eine Schutzfunktion der Pflanze, wenn die Versorgung der Blätter nicht mehr möglich ist.

Die Feuerwehr legte auf 600 Meter Schläuche zur Bewässerung der Mammutbäume im Exotenwald.

cs

Die Feuerwehr legte auf 600 Meter Schläuche zur Bewässerung der Mammutbäume im Exotenwald.