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Kloster und Schloss Bebenhausen

Eduard Mörike und das Kloster Bebenhausen

Kloster Bebenhausen

ssg

Kapitelsaal

Der 4. Juni 1875 ist der Todestag von Eduard Mörike. Der schwäbische Dichter und Pfarrer besuchte Kloster Bebenhausen insgesamt dreimal. Mit dem Gedichtzyklus „Bilder aus Bebenhausen“ setzte er dem ehemaligen Zisterzienserkloster ein lyrisches Denkmal.

Bilder aus Bebenhausen

Zum ersten Mal besuchte Eduard Mörike das ehemalige Zisterzienserkloster Bebenhausen 1825 als Student. Gut vierzig Jahre später verbrachte er hier in der Nähe von Tübingen mehrere erholsame Wochen: Der schwäbische Dichter, Lehrer und Pfarrer kurierte eine Lungenentzündung aus. Die sechs Wochen in Bebenhausen zählten zu den erfülltesten in Mörikes Leben; sein Aufenthalt inspirierte und beeindruckte ihn nachhaltig. Zu dem altehrwürdigen Kloster verfasste er mehrere Gedichte. Die „Bilder aus Bebenhausen“ zeigen Mörikes Gespür für Sprache: Die elf Gedichte sind Momentaufnahmen und verströmen eine gewisse Leichtigkeit. In den einzelnen Bildern fing er die idyllische Atmosphäre des Klosters, seiner Räume und der umgebenen Natur ein, die heute noch genauso erlebbar ist. Ein Jahr vor seinem Tod besuchte der Dichter Kloster Bebenhausen ein weiteres Mal. Im Jahr darauf, am 4. Juni 1875, verstarb Eduard Mörike in Stuttgart.

Kapitelsaal

Wieder und wieder bestaun ich die Pracht der romanischen Halle,
Herrliche Bogen, auf kurzstämmige Säulen gestellt.
Rauh von Korn ist der Stein, doch nahm er willig die Zierde
Auch zu der Großheit auf, welche die Massen beseelt.
Nur ein düsteres Halblicht sendet der Tag durch die schmalen
Fenster herein und streift dort ein vergessenes Grab.
Rudolf dem Stifter, und ihr, Mechthildis, der frommen, vergönnte
Dankbar das Kloster, im Port seiner Geweihten zu ruhn.

Bebenhausen

Arnim Weicher / ssg

Sommerrefektorium

Sommer-Refektorium

Sommerlich hell empfängt dich ein Saal; man glaubt sich in einem
Dom; doch ein heiterer Geist spricht im Erhabnen dich an.
Ha, wie entzückt aufsteiget das Aug im Flug mit den schlanken
Pfeilern! Der Palme vergleicht fast sich ihr luftiger Bau.
Denn vielstrahlig umher aus dem Büschel verlaufen die Rippen
Oben und knüpfen, geschweift, jenes unendliche Netz,
Dessen Felder phantastisch mit grünenden Ranken der Maler
Leicht ausfüllte; da lebt was nur im Walde sich nährt:
Frei in der Luft ein springender Eber, der Hirsch und das Eichhorn;
Habicht und Kauz und Fasan schaukeln sich auf dem Gezweig.
- Wenn von der Jagd herkommend als Gast hier speiste der Pfalzgraf,
Sah er beim Becher mit Lust über sich sein Paradies.

Die bewegte Geschichte des Klosters

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde Kloster Bebenhausen als Prämonstratenserkloster gestiftet; später übernahm es der Zisterzienserorden. Nach der Reformation verließen die Mönche das Kloster, das seit 1556 eine protestantische Klosterschule beherbergte. Nach 1806 fiel die Anlage an den württembergischen Staat. Die Monarchen nutzten es als Jagdschloss. Wilhelm II., der letzte König von Württemberg, und seine Frau Charlotte machten Bebenhausen nach dem Ende der Monarchie 1918 zu ihrem Wohnsitz. Von 1946 bis 1952 tagte dort der Landtag von Württemberg-Hohenzollern.