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Die Bienenkönigin vom Schlossgarten

Ein Besuch bei Schlossgartenimkerin Alexandra Großhans

Schwetzingen: Schlossgartenimkrein Alexandra Großhans

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Die Arbeit mit Bienen erfordert Geduld und auch etwas Mut – trotz Schutzkleidung.

Dass es im Schwetzinger Schlossgarten im Sommer summt und brummt, ist nun nichts Neues – die Rabatten stehen in voller Blüte und eine unbeschreibliche Farbenpracht lockt Bienen, Wildbienen und andere Insekten an. Aber wo fliegen die emsigen Tierchen eigentlich hin mit ihren Pollen?

Im Bienengärtchen

Natürlich weiß man das nie so ganz genau, aber viele bleiben ganz einfach im Schlossgarten: Denn gut versteckt, hinten im Eck, unweit der römischen Wasserleitung und dem Tempel der Botanik, an der äußeren Gartengrenze zum Schlossgartenweg befindet sich – quasi mitten im Hoheitsgebiet von Carl Theodor – ein eigenes kleines Reich: Der Bienengarten.

Spannende Einblicke

Hier regiert Imkerin Alexandra Großhans, und zwar gleich über 13 Völker. 12 Bienenstöcke betreut sie in dem kleinen Gärtchen, dazu gibt es einen Schaukasten mit einem kleinen Volk, der spannende Einblicke ins Bienenleben erlaubt, und seit neustem auch ein großes Wildbienen-Refugium mit vielen Nistmöglichkeiten für die wilden Schwestern der Honigbiene. Schattige Bäume, die Nähe zum Wasser sowie die Nähe zu den Feldern machen den Standort optimal für die Bienenhaltung.

Aus Freude an der Natur

Wie sie zur Bienenzucht gekommen ist? „Aus Freude an der Natur“, meint Großhans. Als Kind durfte sie einmal in einen Bienenstock schauen, und da war es um sie geschehen. Doch bis zum eigenen Bienenvolk war es noch ein langer Weg. Erst einmal ging sie lange Jahre ihrer anderen großen Leidenschaft nach: Der Barockgeschichte. Als Schlossführerin schlüpfte sie fast 20 Jahre in verschiedene Rollen und Kostüme und brachte den Besucher*innen die Geschichte der kurfürstlichen Sommerresidenz anschaulich nahe. „Ich war so eine richtige Barocktante“, lacht sie.

Irgendwann kam dann der Entschluss, sich der Imkerei zu widmen. Nach einem Kurs in der Badischen Imkerschule in Heidelberg und einem lehrreichen Sommer bei ihrem Ketscher Imkerpaten, der ihr viel Praktisches über die Bienenhaltung beibrachte, bekam Alexandra Großhans ihr erstes eigenes Bienenvolk, rasch wurden, dank der Leidenschaft für das Hobby, mehr daraus. Als sie Sandra Moritz, die Schlossgarten-Chefin einmal fragte, ob sie ihre Stöcke im Schlossgarten abstellen dürfe, zögerte die nicht lange und sagte zu. Eine Win-Win-Situation, denn seitdem gibt es an der Kasse nicht nur „Landesgold“ zu kaufen, so heißt der Schlossgartenhonig made in Schwetzingen, sondern auch ein erweitertes Führungsangebot: Denn Alexandra Großhans hat das Barockkostüm gegen die Imkerjacke getauscht und gibt Erwachsenen und Kindern ab fünf in ihren Imkerführungen regelmäßig die Möglichkeit ihr Reich und seine Bewohner kennenzulernen.

Alexandra Großhans präsentiert den Schaukasten, der spannende Einblicke ins Bienenleben gibt

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Alexandra Großhans präsentiert den Schaukasten, der spannende Einblicke ins Bienenleben gibt.

Faszination Biene

Was fasziniert sie an den Bienen? Zum Beispiel die Komplexität eines Bienenvolkes. Neun Monate geht das Bienenjahr, vom Frühjahr, wenn die Natur erst erwacht, um dann zu explodieren, bis in den Herbst hinein, wenn die großen Bäume blühen. 33 Tage lebt eine Honigbiene im Schnitt – dabei macht sie eine beachtliche Karriere: Von der Putzfrau zum Kindermädchen, von der Konstrukteurin über die Klimaforscherin, Bestatterin hin zur Wächterin über den Staat. Und nur die letzten drei Tage, erklärt Alexandra Großhans, geht es für die Biene raus in die weite Natur. Bis zu 2000 Blüten am Tag fliegt sie dann an, sammelt die Pollen und trägt ganz nebenbei dazu bei, dass wir Menschen uns keine Sorgen um unsere Ernährung machen müssen: Denn auch Obst und Gemüse, Kräuter und vieles was Mutter Natur sonst so bietet, wachsen nur, wenn die Biene die Bestäubung erledigt.

Herunterkommen

Das Herunterkommen vom manchmal hektischen Alltag ist für Großhans ebenfalls ein wichtiger Aspekt, den die Imkerarbeit bietet. „Manchmal setze ich mich einfach mal eine Stunde vor ein Flugloch, um die Bienen bei der Arbeit zu beobachten. Das ist wichtig, um den Überblick zu haben, aber auch Entschleunigung.“ Ihr Partner Thomas greift ihr bei der Arbeit unter die Arme und auch Töchterchen Camie machte die ersten Schritte im Bienengarten.

Nachhaltigkeit

Den Umgang mit den Bienen gestalten sie so ökologisch und nachhaltig wie möglich. So sind die Beuten selbst gebaut, Lasten werden mit dem Lastenrad transportiert und den Stöcken nur so viel Honig entnommen, wie die Bienen entbehren können. Das letzte Jahr war ein gutes Bienenjahr, wie Großhans rückblickend feststellt, die Ernte entsprechend gut. In diesem Jahr war der Frühling dagegen nass und kalt – nicht gut für die Bienen.

 

Schwetzingen: Schlossgartenimkrein Alexandra Großhans

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Die Arbeit mit den Bienen erfordert Geduld und sichere Hände.
Schwetzingen: Schlossgartenimkerin Alexandra Großhans

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Ein Bienenstock setzt sich aus mehreren Rahmen zusammen, in die die Bienen ihre Waben bauen.
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Nachwuchs auf dem Vormarsch

Mit Freude beobachtet Großhans, dass sich ihr Handwerk inzwischen auch bei jungen Leuten wieder großer Beliebtheit erfreut. Menschen, die sich für Imkerei interessieren, rät sie nicht nur einen entsprechenden Kurs zu besuchen und sich einen Imkerpaten oder -patin zu suchen. „Man sollte in einen Imkerverein gehen.“ Als Frau war sie in der Männerdomäne Imkerei zwar erst einmal etwas besonderes, aber das Eis war rasch gebrochen und die männlichen Kollegen haben immer den einen oder anderen wichtigen Tipp parat. Und wenn eine Biene mal sticht? Dann ist das eben so. „Das gehört halt dazu“, meint Großhans mit einem Lächeln, „Bienenzucht ist eben keine Kaninchenzucht.“ Das stimmt wohl.

Kann Spuren von Spargel enthalten

Aber was ist denn nun im Schlossgartenhonig alles drin? „Alles, was im Schlossgarten so wächst“, meint Alexandra Großhans. Eine Analyse habe sogar Genaueres ergeben, so finden sich neben Blütenpollen von den typischen Schlossgartenbäumen wie Robinie, Linde, Akazie und Kastanie sogar Spargelpollen – passend zur Spargelstadt!

Info

Derzeit ist das „Landesgold“ vergriffen, wir informieren, wenn der neue Jahrgang im Schloss-Shop erhältlich ist.