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Residenzschloss Urach

Ein Schloss voller Palmen

Urach

Janna Almeida / ssg

Palmensaal im Residenzschloss Urach

Eberhard im Bart war einer der wichtigsten Herrscher Württembergs. Am 12. Juli 1468 wurde er in Jerusalem zum Ritter vom Heiligen Grab geschlagen – ein Ereignis, das den jungen Grafen nachhaltig prägte. Im Residenzschloss Urach erinnern zahlreiche Palmendarstellungen an die Pilgerreise des Grafen. Mit dem Themenjahr „Exotik. Faszination und Fantasie“ beleuchten die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg das Außergewöhnliche in den Monumenten – in all seinen Facetten.

Glaube und Abenteuer

Die Wallfahrt nach Jerusalem erlebte im 15. Jahrhundert ihre Blüte. Zahlreiche Adlige wollten dort die heiligen Stätten der Christenheit sehen. Doch das Heilige Land bot noch mehr: Die Reisenden mussten Abenteuer bestehen, konnten fremde Länder und Menschen kennenlernen und dabei Mut und Tapferkeit beweisen. Einer der Höhepunkte war es, sich in der Grabeskirche zum Ritter vom Heiligen Grab schlagen zu lassen. Den ersehnten Ritterschlag erhielt Graf Eberhard am 12. Juli 1468. Auf seiner Pilgerreise soll er versprochen haben, seinen Bart zukünftig nicht mehr zu schneiden – daher der Beiname „im Bart“. Zusätzlich sollte ein Wahlspruch den weiteren Lebensweg des frischgebackenen Ritters vom Heiligen Grab begleiten. Graf Eberhard wählte die lateinische Devise „Attempto“, „Ich wag’s“. Etwas später als der berühmte Wahlspruch taucht die Palme, das persönliche Zeichen von Graf Eberhard, in Bad Urach auf.

Die Palme kommt ins Schwabenland

Das Residenzschloss Urach zieren bis heute ‒ innen wie außen ‒ zahlreiche Palmendarstellungen und versprühen exotisches Flair. Die älteste nachgewiesene Darstellung befindet sich an der Decke des Torturms beim Residenzschloss – zusammen mit der bedeutungsvollen Jahreszahl 1474, dem Jahr der Heirat des Grafen. Vermutlich war es seine italienische Ehefrau Barbara Gonzaga, die ihm den Brauch ihrer Landsleute näherbrachte, eine sogenannte „Imprese“ zu führen. Eine Imprese ist ein symbolisches Bild, das – anders als ein Wappen – nur einer bestimmten Person zugeordnet wird. Graf Eberhards Wahl fiel auf die exotische Palme: Sie steht für Kraft, Stärke, ewiges Leben und Fruchtbarkeit. Auf seiner Reise nach Jerusalem konnte der Graf nicht nur echte Palmen bewundern; das Zeichen der Jerusalempilger ist – entsprechend der Jakobsmuschel für Santiago de Compostela – die Palme! Die Eberhard-Karls-Universität Tübingen, die 1477 von ihm und seiner Mutter Mechthild gegründet wurde, führt die Palme bis heute in ihrem Logo.

Attempto – Ich wag’s

Graf Eberhard verwendete die Imprese meist in Verbindung mit seinem Wahlspruch „Attempto“ ‒ Ich wag’s ‒ und kennzeichnete so Gebäude oder wertvolle Bücher aus seinem Besitz. Der selbstsichere Aufruf wird mit den zahlreichen Errungenschaften des beliebten Fürsten in Verbindung gebracht: seine Heirat mit der reichen Markgrafentochter Barbara Gonzaga von Mantua, die Wiedervereinigung der geteilten Grafschaft und natürlich die Erhebung zum ersten württembergischen Herzog im Jahr 1495. In Bad Urach hat sich ein früher Nachweis seines Wahlspruchs erhalten: auf dem 1472 entstandenen Betstuhl des Grafen, der in der Amanduskirche zu sehen ist.

Ein Schloss voller Palmen

Im Uracher Schloss ist nicht nur die älteste Darstellung von Graf Eberhards Palme zu finden. Das Gebäude selbst beherbergt rund 50 Stück der exotischen Gewächse – in Form von Malereien an Wänden und Türen. Im Palmensaal präsentieren sich die namensgebenden Pflanzen am eindrucksvollsten: Acht monumentale Palmen „wachsen“ an den Wänden empor und tragen die Wappen der Urgroßeltern Graf Eberhards. Hier steht die Palme mit ihren ausgreifenden Wedeln gleichsam für die sich umarmenden Ehepaare. Im Goldenen Saal, der zu Zeiten Eberhards noch den Namen „Gläserne Stube“ trug, zieren die Palmen neben den Wänden sogar die Prunkportale und einen Ofen. Doch die Palme ist nicht das einzige Außergewöhnliche im Residenzschloss Urach. Die Sonderführung „Exotik im Wandel der Zeit“ geht auf Spurensuche durch die Epochen und fördert ein buntes Potpourri an Exotika im Uracher Schloss zutage.