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Ausstellung in Bad Mergentheim

Entenhausener Prominenz im Residenzschloss zu Gast

Carl Barks am Zeichentisch © Walt Disney Company / Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann

© Walt Disney Company / Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann

Entenpapa: Carl Barks war der eigentliche Vater von Donald Duck. Der Zeichner hauchte der berühmten Ente und ihrer Familie in Hunderten von Stories Leben ein.

Kaum bekannt: Hinter den Klassikern der Disney-Welt von Micky und Donald standen gleich drei Künstler, die über Jahrzehnte die Figuren und ihre Geschichten schufen. Ab sofort zeigt die Ausstellung „Micky Maus & Donald Duck. Gezeichnet von Barks, Gottfredson, Taliaferro“ den ganzen Kosmos von Entenhausen – und bietet vor allem auch den Blick in seine Entstehung.

Wer hat's erschaffen?

Micky Maus und Donald Duck – alle kennen die Figuren aus der Welt des Comics so gut, als wären sie Freunde, die einen schon ein Leben lang begleiten. Hinter dem Kinderspaß und den lustigen Geschichten verbirgt sich eine komplexe Welt. Die pfiffigen Comicwesen haben ihre eigenen Charaktere und führen ihr ganz eigenes Leben. Und hinter den Geschichten und Beziehungen, Abenteuern und Fantasien steht der schöpferische Erfindergeist von großen Zeichnern und Geschichtenerzählern. Ihnen widmet sich die aktuelle Ausstellung im Residenzschloss Mergentheim: „Micky Maus & Donald Duck. Gezeichnet von Barks, Gottfredson, Taliaferro“. Zu sehen sind rund 250 Stücke aus der Privatsammlung Reichelt und Brockmann.

Bilderwelten über Generationen

„Es gibt nur wenige Bereiche, in denen künstlerische Kreativität zugleich so ernsthaft und so populär wirksam ist, nah an den Menschen und die Generationen übergreifend wie in den Bildern, die uns die Comics mit Micky und Donald liefern“, erklärt Michael Hörrmann, der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. „Es ist ein tolles Erlebnis, dass wir nun – wenn auch mit Corona-Einschränkungen – mit dieser Ausstellung einen Blick auch in die Werkstatt bekommen und die Künstler zu sehen, die hinter den vertrauten Figuren stehen.“

Al Taliaferro, Tagesstreifen Donald Duck (1965) © Walt Disney Company / Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann

© Walt Disney Company / Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann

Al Taliaferro zeichnete die berühmten Donald Comic-Strips (Tagsesstreifen Donald Duck, 1965)

Die Künstler hinter dem Namen

Lange galt die Comicwelt von Micky und Donald als eigenhändiges Werk von Walt Disney, der dem heutigen Medienkonzern den Namen gab. Die wahre Identität der Künstler hinter den Figuren wurde erst Jahre nach dem Tod von Disney bekannt. Was an den Zeichentischen der Comic-Zeichner Carl Barks, Floyd Gottfredson und Al Taliaferro entstand, wurde bis 1966 durchweg mit „Walt Disney“ signiert. Aber selbst dieser Schriftzug stammte von Floyd Gottfredson! Die Anfänge liegen in den frühen 1930er-Jahren; Barks, Gottfredson und Taliaferro entwickelten und prägten das Genre der Comics im Disney-Konzern ganz entscheidend. Weit über die Trickfilme hinaus wurden die Figuren und Motive der Bildergeschichten zum wirtschaftlich erfolgreichen Lizenz-Produkt des Unternehmens.

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Alle Infos zur Austellung gibt's hier im Download

Drei Zeichner gemeinsam zu sehen

Die Ausstellung zeigt Werke von Carl Barks, Floyd Gottfredson und Al Taliaferro in einer Schau vereint. Das ist der Sammelleidenschaft der drei Künstler selbst und den Menschen zu verdanken, die in den Druckereien und Verlagen gearbeitet haben. Die Sammler Peter Reichelt und Ina Brockmann berichten: „Anfang der 1950er-Jahre vernichtete der Disney-Konzern die Originalzeichnungen, da sie nur als platzverbrauchender Grundstoff angesehen wurden. Nur Druckbögen oder Filme von erfolgreichen Serien wurden archiviert. Das gedruckte Produkt galt – wie im Prinzip auch heute noch – als das Original.“

Entenhausen lebt weiter

Das Erbe der Comic-Zeichner Carl Barks, Floyd Gottfredson und Al Taliaferro traten die deutschen Künstler Jan Gulbransson und Ulrich Schröder an. Als Zeichner und Autoren führen sie die Tradition rund um Familie Duck und Entenhausen bis heute weiter. Individuell im Strich und mit weltweiter Popularität lassen sie den Kosmos weiterleben, der bis heute als Teil des kollektiven Bildgedächtnisses funktioniert.

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Die ganze Bandbreite

„In der Ausstellung in Mergentheim erlebt man die ganze Bandbreite des Genres“, sagt Maike Trentin-Meyer, die Konservatorin der Staatlichen Schlösser und Gärten. Eindrucksvoll zeigen ganze historische Zeitungsseiten und Comic-Tagesstreifen, wofür das Medium eigentlich erfunden wurde. Den Schaffensprozess machen Vorzeichnungen sichtbar, Trickfilmzeichnungen, Zeichnungen aus Storyboards oder ein Aquarell. Dazu kommen einzelne Cartoons, Modelsheets, Kinderbücher und Serigraphien von Donald Duck und Micky Maus. Die Bandbreite ist groß und die Privatsammlung voller Überraschungen. Zu den rund 250 Exponaten gehören auch zeitgenössische Fotos und ein Arbeitsvertrag, Briefe, Scribbles und Hefte, Gemälde und Skizzenbücher, einzelne Comicheft-Seiten und Coverentwürfe. Ebenfalls zu sehen: ein Arbeitskittel des Zeichners Carl Barks.

Die Sammlung Reichelt Brockmann

Die Stücke stammen aus einer der größten privaten Disney-Sammlungen, zusammengetragen von Peter Reichelt und Ina Brockmann seit den frühen 1990er-Jahren. Peter Reichelts Lieblingslektüre waren schon in frühen Kindertagen Barks-Comics. Das Sammler-Duo arbeitet für Museen im In- und Ausland und verschiedene Künstlerinnen und Künstler. Die beiden haben Carl Barks mehrfach in Grants Pass besucht und bei einem der Besuche sogar ein schwaches Erdbeben im ehemaligen Atelier von Al Taliaferro in Glendale erlebt.

An Corona-Bedingungen angepasst

Die Ausstellung feiert einen runden Anlass: Carl Barks wurde vor 120 Jahren geboren, am 27. März 1901. Wegen der Einschränkungen der Corona-Pandemie konnte die Ausstellung im Residenzschloss Mergentheim im März noch nicht zugänglich gemacht werden; nun öffnen die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg die Tore der in der Säulenhalle ab dem 22. Mai. Führungen finden statt, sobald es die Corona-Situation erlaubt: Das geplante Begleitprogramm wird entsprechend der Möglichkeiten Corona-Verordnung durchgeführt. Die einzelnen Veranstaltungen werden jeweils auf der Internetseite und in der Presse angekündigt.

Floyd Gottfredson, Sonntagsseite Micky Maus, Ausschnitt (1934) © Walt Disney Company / Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann

© Walt Disney Company / Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann

Floyd Gottfredson verschaffte Micky Maus ihr charakteristisches Aussehen.

Infos

„Micky Maus & Donald Duck. Gezeichnet von Barks, Gottfredson, Taliaferro“

Ausstellung im Residenzschloss Mergentheim

Samstag, 22. Mai, bis Sonntag, 19. September 2021

Infos zu Öffnungszeiten und Preisen hier.