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Internationale Sommerkademie eröffnet

Epstein und Brandt lieferten musikalische Sonderkost

kob

Joshua Epstein an der Violine und Uwe Brandt am Klavier sorgten für einen traditionell-tongewaltigen Auftakt der diesjährigen Sommerakademie Schwetzingen - Worms.

Man sollte ja eigentlich ein Pferd nicht vom Schwanz her aufzäumen, aber der Komponist Ernest Bloch, der am Schluss des Eröffungskonzerts der 14. Internationalen Sommerakademie Schwetzingen - Worms stand, ist es wert, im Rang erhoben zu werden. Er ist einer, der die besorgniserregenden Zeichen seiner Zeit früh erkannte, in die USA emigrierte, 1924 dortiger Staatsbürger wurde und eine Musik komponierte, die u. a. geprägt ist von religiösen und rhapsodischen Motiven, besonderer Metrik und Rhythmik, aber auch von formaler Strenge und seriellen Einflüssen. Das fügte sich am Samstagabend bestens in die Programmfolge Bach – Bartok – Debussy – Bloch.

Auswahl für alle

Angesichts der markanten Verschiedenheit dieses Angebots gespielt von den beiden Interpreten und Akademie-Dozenten Joshua Epstein (Violine) und Uwe Brandt (Klavier) konnte sich jeder der Zuhörerinnen und Zuhörer seinen individuellen Schwerpunkt aussuchen. Das war hilfreich angesichts einer Saalklimatik, die vor allem den Interpreten einiges an Durchstehvermögen abverlangte. Und dies bei der Partita Nr. 2 d-moll BWV 1004 für Violine solo, an deren Ende die sich zum Schluss hin entwicklungsmäßig steigernde Chaconne steht, die fast genau so umfangreich ist wie die vorhergehenden Sätze zusammen. Sie gibt als Phänomen in unserer diesbezüglich kurzlebigeren Zeit Rätsel auf. Aber jenseits der Rätselkette stand der langerprobte Interpret Joshua Epstein und spielte dieses „unbegreiflichste Musikstück“ voll von „tiefsten Gedanken und gewaltigen Empfindungen“ (Schumann) im Tonumfang bis g3 inklusive der alle Saiten oft gleichberechtigt erfassenden Passagen mit eindringlicher Überzeugungskraft.

Flüssiger Vortrag

Epstein benötigte danach keine Umstellpause. Er fand sich ebenso schnell bei Béla Bartóks Sonate für Violinsolo ein, die jener ein Jahr vor seinem Tod für Yehudi Menuhin komponiert hat und in die neben den alten Formtypen der Tanzformen auch Bachs Kontrapunkt sowie die Durchführungstechnik von Beethoven eingeflossen sind. Da Musik und Musikerwirken kaum am Phänomen des Verblassens leiden, sei nur am Rande erwähnt, dass Claude Debussy seine Sonate für Violine und Klavier als letztes großes Werk vor seinem Tod komponiert hat. Man hört jedenfalls einen Debussy mit neu wirkenden zusätzlichen Komponenten. Am Ende stand dann als Zugabe für den reichen Applaus des Publikums Ernest Blochs kurzes Stück „Wie Du“ für alle gerade eine Zweisamkeit feiernden Hörerinnen und Hörer. Trotz allen Einsatzes blieben die beiden Interpreten, insbesondere der Pianist Brandt, bis zum Ende cool und verließen gar mit einem Scherz den Saal.