Merken

Residenzschloss Mergentheim

Franz Anton Bagnato - Baumeister des Deutschen Ordens

Schloss in Bad Mergentheim

Steffen Hauswirth / ssg

1782 wurde der elegante klassizistische Kapitelsaal nach einem Entwurf von Franz Anton Bagnato errichtet.

Am 15. Juni 1731, vor genau 290 Jahren, wurde Baumeister Franz Anton Bagnato geboren. Hochmeister Carl Alexander von Lothringen beauftragte ihn mit der Gestaltung des herrschaftlichen Kapitelsaals im Residenzschloss Mergentheim. Der Versammlungsraum spiegelt bis heute den Herrschaftsanspruch des Deutschen Ordens: An den Wänden zeigen Stuckaturen die vier Kontinente, umgeben von osmanischen Kriegstrophäen und Waffen, ebenfalls aus Stuck gefertigt. Mit dem Themenjahr „Exotik. Faszination und Fantasie“ beleuchten die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg das Außergewöhnliche in den Monumenten.

Auf den Spuren des Vaters

Franz Anton Bagnato wurde am 15. Juni 1731 geboren. Als Heranwachsender lernte er von seinem Vater, dem Deutsch-Ordens-Baumeister Johann Caspar Bagnato. Dieser zählte zu den begehrtesten Architekten im Bodenseeraum: Er war für das Kloster Salem und für die Reichsstadt Lindau tätig. Mit nur 26 Jahren trat der Sohn in die Fußstapfen seines Vaters – als Johann Caspar starb, wurde Franz Anton sein Nachfolger. Vielerorts knüpfte der junge Architekt nahtlos und geschickt an die Arbeit seines Vaters an. Nicht nur der Deutsche Orden, sondern auch das Fürstbistum Basel und das Hochstift Konstanz beschäftigten den talentierten Baumeister. 1761 stieg er schließlich zum Baudirektor des Deutschen Ordens auf.

Der Kapitelsaal von Residenzschloss Mergentheim

Ende 1776 erhielt Franz Anton Bagnato von Hochmeister Carl Alexander von Lothringen den Auftrag, den dritten Stock des Residenzschlosses Mergentheim neu einzurichten. Fast die ganze Etage der stattlichen Anlage sollte zu Gästezimmern umgebaut werden. Zudem sollte der Kapitelsaal, der Audienz- und Versammlungssaal des Deutschen Ordens im Residenzschloss, modernisiert werden. Franz Anton Bagnato reichte den ersten Entwurf für den Saal noch vor Jahresende am 26. Dezember 1776 ein. Der Vertrag wurde jedoch erst vier Jahre später unterschrieben, kurz darauf begannen die Arbeiten im Südwestflügel.

Stuckdekoration mit klarer Botschaft

Das Bildprogramm des prächtigen Kapitelsaals stammt von Stuckateur Augustin Bossi. Es spricht eine deutliche Sprache: Es betont den Machtanspruch des bereits geschwächten Ordens. Pauken und Trompeten stehen für die Verkündigung der Macht des Ordens. Jeder Schild verkörpert einen Kontinent: ein Elefant für Asien, ein Kamel für Afrika, ein Krokodil für Amerika und das Medusenhaupt für Europa. Erbeutete Waffen, Lanzen, Keulen und Pfeilköcher sollen vom Kampf und Sieg über die Ungläubigen zeugen. Doch um 1780 war der Deutsche Orden längst kein politisches Schwergewicht mehr: Die Zeit der Kreuzzüge lag weit zurück, ihre trutzigen Burgen im Heiligen Land waren längst geschliffen. Selbst der Ruhm, den sich der Deutsche Orden in den Kriegen gegen die Osmanen im 17. und 18. Jahrhundert erworben hatte, war bereits verblasst.

Das Ende des Deutschordens in Mergentheim

Die Ausgestaltung des Kapitelsaals war eine der letzten großen Baumaßnahmen vor der Säkularisation. 1809 wurde die Aufhebung des Deutschen Ordens in den Rheinbundstaaten durch Napoleon beschlossen; das Generalkapitel, das höchste beschlussfassende Organ des Deutschen Ordens, tagte ein letztes Mal im prunkvollen Versammlungsraum. Gut ein Jahr später, am 17. Juni 1810 verstarb Baudirektor Franz Anton Bagnato. Mergentheim wurde dem Königreich Württemberg eingegliedert; das Schloss erhielt Herzog Paul Wilhelm anlässlich seiner Vermählung mit Prinzessin Maria Sophia Dorothea von Thurn und Taxis im Jahr 1827 als Residenz. Über die 800-jährige Geschichte des Ritterordens und die Zeit der Hochmeister von 1527 bis 1809 in Mergentheim informiert heute das Deutschordensmuseum im 2. Obergeschoss des Schlossgebäudes. Die Funktion des Kapitelsaals als Tagungsraum des Generalkapitels wird in der nachgestellten Sitzordnung von 1791 anschaulich gemacht.