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Bodo Bach überzeugt

Helikoptereltern und Weinwanderern ins Leben geschaut

Bodo Bach in der „Alten Druckerei“ Weinheim

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Selbst den Altherrenwitz verkaufte Bodo Bach seinem Publikum unnachahmlich gut und zeigte damit seine Qualität.

Vergangenen Donnerstag gastierte er mit seinem Bühnenprogramm „Pech gehabt“ vor ausverkauftem Haus in der „Alten Druckerei“. Ein Angriff auf die Lachmuskeln.
„Ich will gleich mal zur Erklärung eins vorneweg schicken. Zwischen Glück und Pech - da liegt das normale Leben. Wenn du einen Lottoschein kaufst und bei der Samstagsziehung net gewinnst, dann ist des kein Pech, dann ist des normal. Aber wenn du gewinnst und hast vergessen, den Lottoschein abzugeben. Das ist dann Pech“, macht Robert Treutel alias Bodo Bach zu Beginn seines Programmes „Pech gehabt“ in der „Alten Druckerei“ klar. Pech ist zudem, wenn die Gattin den passionierten Biertrinker auf eine Weinwanderung in die Pfalz mit „Lutz und Marianne“ verschleppt. „Isch muss beim Saufen nett laufen. Weinwandern macht nur Spaß, wenn man des Wandern weglässt“, spricht der Offenbacher mit dem charmanten hessischen Dialekt klare Worte und genehmigt sich statt dem guten Tropfen mit Waldboden-Note einen „Gimmeldinger Klötenschmeichler“.

Pech versus Glück

Pech ist es auch, wenn die Feng-Shui begeisterten Nachbarn einen zum „Channelling“ einladen oder die Ehefrau im Preisausschreiben ein vegetarisches Abendessen gewinnt. „Ich nehm‘ den Auberginenauflauf, aber schön blutig“, bestellt Bach, der zu Hause „zwar viel zu sagen, aber nix zu melden hat“.
Kein Pech, sondern einfach nur Dummheit ist hingegen im Spiel, als sich Bach und Ehefrau zur samstäglichen Einkaufstour im schwedischen Möbelhaus entscheiden. „Samstags im IKEA – da darfst du nicht die Schlange verlassen, sonst kommst du nie wieder zurück“, so drängeln sich die Bachs vorbei am „Staubfänger-Eldorado“ der Markthalle bis hin zum gewünschten „Küchen-Vik“, der anschließend zu Hause ohne Anleitung akribisch aufgebaut wird und sich dann als „Küchenschrank mit Charakter“ entpuppt.
Geschlagen ist Bodo aber auch mit dem dauerschlafenden Sohn Rüdiger, der mit knapp 30 immer noch zu Hause wohnt und irgendwie mit dem eigenen Leben nichts anzufangen weiß: „Ich würde ja gerne meine Enkelkinder auf den Knien schaukeln, so lang`s noch meine eigenen sind. Aber dem Rüdiger, dem fehlt’s ja an der Frau.“ Per analoger Frauensuche ist da nix zu machen, also schaut sich der „Babba“ selbst in der Welt der Partnerbörsen um, um für Rüdiger eine passende Gefährtin zu finden.

Plädoyer für Normalität

Ob Seitenhiebe auf die Jugend von heute – „man kann ja mittlerweile ein Justin-Bieber-Konzert mit einem Glas Milch und einer Erdnuss lahmlegen“ – oder auf die Generation der Helikoptereltern – „ich hab doch früher für den Rüdiger net den Helikopter gemacht. Isch war der U-Boot-Babba. Wenn der Bub kam, bin isch abgetaucht“ – mit zum Teils deftigen Zoten nimmt der Kabarettist das ganz normale Leben auf die Schippe und führt dem Publikum schräge gesellschaftliche Entwicklungen vor Augen. Bodo Bach ist dabei kein Verfechter des feinsinnigen Humors, so viel wird schon nach den ersten Minuten dieses gelungenen Abends klar. Verborgen unter einem rustikalen Wortschatz hält der Kabarettist dennoch ein heimliches Plädoyer für mehr Normalität und Gelassenheit.

Witzige Persönlichkeit

Dabei ist nicht alles neu, was die hessische „Schlappgosch“ unter die Lupe nimmt, aber derart amüsant und gut verpackt, dass das Publikum teilweise Tränen lacht. Bach punktet insbesondere mit zielgenauen Pointen und einer unglaublich witzigen Persönlichkeit, deren Qualitäten sich vor allem in der direkten Kommunikation mit den Zuschauern und mit „Hermann“ aus der ersten Reihe zeigen. Und wer auch abgedroschene „Altherrenwitze“ so verkaufen kann, dass das Publikum sich vor lauter Vergnügen auf die Schenkel haut, der zeigt vor allem eines: Am Ende macht nicht nur das Programm, sondern in erster Linie der Entertainer den Unterschied. Und genau den feierte das Publikum am Ende des Abends mit tosendem Applaus.