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Residenzschloss Mergentheim

Herzog Paul Wilhelm von Württemberg - Forscher und Entdecker

Schloss Mergentheim

Deutschordensmuseum GmbH, Jens Hackmann

Das eindrucksvolle Residenzschloss liegt im idyllischen Taubertal.

Die Suche nach Neuem und Exotischem führte ihn an den oberen Nil, nach Nord- und Südamerika und Australien: Herzog Paul Wilhelm von Württemberg, geboren am 25. Juni 1797, unternahm insgesamt fünf Forschungsreisen, von denen er zahlreiche Exponate nach Mergentheim mitbrachte. Legendär war sein ehemaliges „Raritätenkabinett“: Es umfasste 20 Räume. Von seinem Erbe hat sich nur wenig erhalten. Mit dem Themenjahr „Exotik. Faszination und Fantasie“ beleuchten die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg das Außergewöhnliche in den Monumenten.

Seine Liebe galt der Forschung

Herzog Paul Wilhelm (1797‒1860) war der jüngste Sohn von Herzog Eugen Friedrich Heinrich von Württemberg und Herzogin Luise, geborene Prinzessin zu Stolberg-Gedern. Zugleich war er ein Neffe von Friedrich I., dem ersten württembergischen König. In seiner Jugend besuchte der junge Adelige zwar das Kadetteninstitut in Stuttgart und begann zunächst eine militärische Karriere in Preußen. Doch er interessierte sich nicht für Politik und hoffte zeitlebens, dass er nicht die württembergische Thronfolge anzutreten hatte. Der junge, wissensdurstige Herzog war Zeit seines Lebens ein leidenschaftlicher Naturforscher und Entdecker: Er verschrieb sich den Naturwissenschaften und der Länder- und Völkerkunde. Mehr als die Schlachtfelder seiner Zeit interessierten Paul Wilhelm von Württemberg die weißen Flecken auf der Weltkarte.

Kein Kontinent war dem Herzog zu weit

Seine Expeditionen führten Herzog Paul Wilhelm nach Nord- und Südamerika, nach Afrika, Asien und Australien. Gleich viermal bereiste er den amerikanischen Kontinent und besuchte dabei unter anderem Kuba, Brasilien, Chile, aber auch den Mississippi, Nebraska, New Orleans und New York. Im Jahr 1829 entdeckte er die Quellen des Missouri River. Im September 1839 schloss er sich einer militärischen Expedition Ägyptens unter Vizekönig Mehemed Ali an, die in noch unbekannte Regionen entlang des Nils führte, wie in den Sudan. Über seine Reisen veröffentlichte Paul Wilhelm von Württemberg wenig. 1835 erschien das Tagebuch zu seiner Reise durch Amerika, zu der er 1822 aufgebrochen war.

Residenzschloss Mergentheim

Deutschordensmuseum / Elfriede Rein

Herzog Paul von Württemberg am „blauen Fluss“ mit Wa-kan-ze-re, dem Häuptling der Kansa, im Jahr 1825

Die Sammlung des Herzogs

Als Forschungsreisender studierte der Herzog gleichermaßen die Tier- und Pflanzenwelt seiner Zielorte und zeigte sich den dortigen einheimischen Kulturen aufgeschlossen. Zu einer erfolgreichen Expedition zählte damals, ausgewählte und möglichst exotische Stücke mit in die Heimat zu bringen. Die auf seinen Reisen gesammelten zoologischen, botanischen und ethnografischen Objekte zeigte Herzog Paul Wilhelm von Württemberg später in einem „Raritätenkabinett“ im Residenzschloss Mergentheim: Die Ausstellung umfasste 20 Räume ‒ und zählte damals wohl zu den größten naturwissenschaftlichen und ethnografischen Privatsammlungen Deutschlands. Zu den Kuriositäten zählten Bärenpfoten und präparierte Tierkörper. Die herzogliche Sammlung war für die Öffentlichkeit zugänglich. So besuchte der Dichter Eduard Mörike das „Raritätenkabinett“ im Mai 1846. Eine erhaltene Skizze Mörikes vermittelt einen Eindruck davon, wie die Sammlung angeordnet war.

Ein anerkannter Naturforscher

Im Zweiten Weltkrieg wurde ein Großteil der Sammlung und des Nachlasses des Herzogs zerstört. Sein Wunsch, dass die Sammlung nach seinem Tod als Ganzes verkauft würde, blieb unerfüllt. Schlimmer noch: Von den verkauften Stücken verschwanden viele oder wurden gar zerstört. Die wenigen erhaltenen Objekte befinden sich heute im Besitz des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart und des Linden-Museums Stuttgart. Im Residenzschloss Mergentheim thematisiert eine Ausstellung die Reisen des Herzogs Paul Wilhelm von Württemberg. Als eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse seiner Expeditionen ist dort ein Aquarell von einer Nordamerika-Reise zu sehen: Es zeigt den Herzog am „blauen Fluss“ mit Wa-kan-ze-re, dem Häuptling der Kansa, im Jahr 1825. Da er wenig publizierte und der größte Teil seines Nachlasses unausgewertet zerstört wurde, konnten die Leistungen des reiselustigen Adeligen nie angemessen gewürdigt werden. Dennoch zählt Herzog Paul Wilhelm von Württemberg heute zu den bedeutenden Naturforschern des 19. Jahrhunderts.

Themenjahr „Exotik. Faszination und Fantasie“

Mit dem Themenjahr „Exotik. Faszination und Fantasie“ erkunden die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg in diesem Jahr die Wege von duftenden Gewürzen, kostbar gearbeitetem Kunsthandwerk und außergewöhnlichen Pflanzen nach Europa. Die Sucht und Sehnsucht nach Exotik bereicherte die höfische Inszenierung um viele Glanzpunkte. Auch die Kehrseite der Medaille wird beleuchtet: Die europäische Neugier und Besitzgier, der Wissens- und Expansionsdrang führten überall auf der Welt zu Gewalt und Ausbeutung von Mensch und Natur.