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Großherzogliche Grabkapelle Karlsruhe

Hofbaudirektor Hemberger plant für den Großherzog

Grabkapelle Karlsruhe

Günther Bayerl / ssg-Pressebild

Großherzogliche Grabkapelle in Karlsruhe

Am 7. Februar 1826, heute vor 195 Jahren, wurde der Architekt Jakob Friedrich Alois Hemberger geboren. Als badischer Hofbaudirektor plante er die Großherzogliche Grabkapelle im Karlsruher Fasanengarten – eines seiner letzten großen Projekte. Zahlreiche Bahngebäude in Südbaden, aber auch das Freiburger Landesgefängnis tragen seine Handschrift. Doch keiner seiner Entwürfe findet heute noch so viel Beachtung, wie die idyllisch im Wald gelegene Grabkapelle der badischen Herrscherfamilie.

Ein Architekt geht seinen Weg

Nach dem Architekturstudium am Karlsruher Polytechnikum übernahm Jakob F. A. Hemberger von 1854 bis 1856 die Bauleitung für das Empfangsgebäude am Badischen Bahnhof in Basel. Der Architekt des Bahngebäudes, Karl Joseph Berckmüller, war zugleich sein Mentor. Nach Stationen als Bauinspektor in Lörrach, Donaueschingen und Waldshut und als Bauleiter des Landesgefängnisses in Freiburg kehrte Hemberger auf Berckmüllers Empfehlung nach Karlsruhe zurück: als Vorstand des Hofbauamtes. 1884 wurde der ehrgeizige Architekt zum Oberbaurat, 1891 zum Hofbaudirektor ernannt. In dieser Funktion war Hemberger für den Erhalt, die Sanierung und den Neubau der großherzoglichen Gebäude verantwortlich – wie die Großherzogliche Grabkapelle Karlsruhe.

Ein Mausoleum entsteht

Als Großherzog Friedrich I. von Baden und seine Ehefrau Luise ihren jüngsten Sohn Ludwig Wilhelm im Jahr 1888 vollkommen unerwartet im Alter von 22 Jahren verloren, erhielt Hofbaudirektor Hemberger den Auftrag zum Bau der Grabkapelle. Den Standort im Karlsruher Hardtwald wählte das Paar, um hier ungestört um den Sohn trauern zu können. Zusammen mit seinem Sohn Hermann hatte Hemberger die Gesamtleitung für das Projekt inne und entwickelte die Grablege zu dem eindrucksvollen Gebäude in neogotischem Stil. Bei Gestaltungsfragen mischte sich aber auch der Großherzog ein – immer neue Wünsche und Ideen brachte er ein. Das beeinflusste die Bauarbeiten, die sich dadurch in die Länge zogen und von 1889 bis 1896 dauerten. Drei Jahre nach Fertigstellung der Grabkapelle ging Oberbaurat Jakob F. A. Hemberger 73-jährig auf eigenen Wunsch in den Ruhestand; er starb am 15. Juni 1906.

Vater und Sohn als Baumeister

Im Herbst 1889 übertrug Großherzog Friedrich I. die Gesamtleitung des Projektes dem Hofbaudirektor Jakob F. A. Hemberger und seinem Sohn. Während der siebenjährigen Bauzeit des Mausoleums hatte der in Waldshut geborene und in der Karlsruher Residenz aufgewachsene Hermann Hemberger (1862‒1945) die Bauleitung inne und prägte das Gebäude maßgeblich. Von ihm stammt auch der Entwurf für das Wächterhaus an der Grabkapelle, das heute als Besucherzentrum genutzt wird. Als Architekt und Oberbauinspektor setzte Hermann Hemberger außerdem Projekte wie das Rathaus in Bad Rotenfels um. Die Großherzogliche Grabkapelle Karlsruhe ist der bedeutendste Bau von Vater und Sohn Hemberger.

Grablege des Hauses Baden

In der Grablege des Hauses Baden sind 17 Mitglieder der Adelsfamilie bestattet, darunter alle seit 1830 verstorbenen Großherzöge. Nach dem Zweiten Weltkrieg überführte man die Särge weiterer Mitglieder aus der Familiengruft in der zerstörten Stadtkirche in das Mausoleum. Eindrucksvoll gestaltet sind die drei Kenotaphe aus Marmor für Ludwig Wilhelm und seine Eltern in der Kapelle: Die Grabdenkmäler sind als plastische Liegefiguren dargestellt. Die Verstorbenen erscheinen wie schlafend, als könnten sie im nächsten Moment erwachen. Der Bildhauer Hermann Volz, Professor an der Kunstakademie, gestaltete die drei Grabdenkmäler. In Baden-Württemberg sind die Kenotaphe einzigartig.