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Bauen wie zu Ritters Zeiten

IG Burg Blankenhorn kümmert sich um die Ruine

Burgruine Blankenhorn Eibensbach

Ines Schmiedl

Zwischen 1220 und 1235 wurde die Blankenhorn errichtet.

Statt eines großen, zweitägigen Blankenhorn-Fests mit Mitmachspielen und leckerem Essen gab es in diesem Jahr just an dem Wochenende einen großen Arbeitseinsatz an der Ruine oberhalb von Eibensbach.

Mauer restauriert

Im Mittelpunkt stand dieses Jahr bei den rund 20 Aktiven eine Mauer, aus der viele Steine herausgebrochen sind. Die galt es neu zu verfugen – natürlich in Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt. In den Vorjahren wurde die Außenmauern von Efeu und anderen Grünpflanzen befreit, zudem das Gemäuer in Ordnung gebracht. „Löcher in den Mauern zu schließen ist wichtig, damit kein Wasser mehr eindringen kann, das im Winter gefriert und die Mauer weiter zerstört“, sagt Stefan Weber, der aus Eibensbach stammt und sich seit 20 Jahren mit der Geschichte der 1241 erstmals urkundlich erwähnten „blanchenhorn“ befasst.

Fleißige Helfer

„Die Buckelsteinmauer ist sehr interessant, außen sind auf beiden Seiten große Steine, die nach außen hin einen Buckel haben, so genannte Außenbuckelquader. Innen sind sie mit kleineren Steinen, zum Teil auch dem hier zu findenden Stubensandstein verfüllt“, so Weber. Seit acht Jahren hat er einige Mitstreiter gefunden, die sich regelmäßig um die Ruine kümmern. Aus der gemeinsamen Leidenschaft für das alte Gemäuer haben sich Freundschaften entwickelt. „Was uns wichtig ist, dass es nicht nur als schöne Grillstelle im Wald wahrgenommen wird. Wir wollen auch, dass die Besucher einiges über die Burg erfahren“, sagt René Lothmann, der mit seiner Familie zu den Aktiven gehört. Deshalb wird beim beliebten Blankenhornfest auch immer Programm geboten, das über das Leben und Arbeiten in alter Zeit informiert, etwa wie der Burgenbau zu jener Zeit funktioniert hat oder wie die Burgherren gefeiert haben. An Modellen wird gezeigt, wie die Handwerker gearbeitet haben.

Blick in die Historie der Burg

Im Vorjahr hat die Interessengemeinschaft eine Infotafel im ehemaligen Festsaal der Burg aufgestellt. Auf zwei Seiten findet sich übersichtlich alles Wissenswerte über die jetzige Ruine, die seit 1479 aufgegeben und damit dem Verfall preisgegeben wurde. Doch in den knapp 240 Jahren ihres Bestehens war auf der Burg, die an der alten Handelsstraße vom Zabergäu ins Kirbachtal vorbei führte, so einiges geboten. Die Neuffer hatten hier ihren Sitz, den Herren von Magenheim gehörte die Burg durch Heirat, auch Graf Eberhard I. von Württemberg hat die Burg gekauft und an das Bistum Mainz verpfändet. Als die Handelsstraße 1280 über Brackenheim umgeleitet wurde, verlor der Burgherr seine Einnahmequelle aus dem Wegegeld und die Burg mehr und mehr an Bedeutung. Inzwischen ist die Ruine nicht einmal mehr zu erkennen – früher war sie ein ähnlich gut sichtbares Zeichen im Zabergäu wie die Burgen oberhalb von Neipperg oder Stockheim. Inzwischen verbergen Bäume das Kleinod. Aus einem Teil der Steine ist übrigens wie in früheren Zeiten üblich neues entstanden: Die Kelter in Eibensbach wurde um 1666 aus Steinen der Ruine errichtet.

Facettenreiche Arbeit

Die IG-Mitglieder interessieren sich für verschiedene Aspekte der ehemaligen Burg. Nicht nur die Baugeschichte oder die Historie an sich ist wissenswert, auch verschiedene Aspekte werden beleuchtet. Hin und wieder werden Experten zu speziellen Themen eingeladen. So wurde einiges über die Steinmetzzeichen in den Steinen der Ruine herausgefunden. 47 verschiedene solcher Zeichen wurden in den Überresten der Blankenhorn entdeckt. Seinerzeit waren es Markierungen der Steinmetze, damit sie den Lohn für ihre Arbeit erhalten haben. Manche solcher Kreuze, Pilze und anderer Symbole finden sich nur auf wenigen Steinen, andere haben über Jahre und Jahrzehnte an der Burg mitgearbeitet, denn sie finden sich immer wieder. Zwischen 1220 und 1235 wurde die Blankenhorn errichtet, davon gehen die Experten aus. Insgesamt waren wohl um die 150 Gewerke am Burgenbau beteiligt.

Weitere Informationen

Die Interessengemeinschaft Burg Blankenhorn bietet auf Nachfrage Führungen in der Ruine an – auch zu einzelnen Themenkomplexen.

Kontakt ist möglich über Stefan Weber, Telefon 0172/7287062, und über die Homepage unter: https://ig-burg-blankenhorn.jimdo.com/