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Corona-Testcenter in der Wollfabrik

In mehrfacher Hinsicht ein Glücksgriff für Schwetzingen

Das Team vom Schwetzinger Wollfabrik-Testcenter bei der Eröffnung

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Das Testcenter-Team mit den Leitern Dr. Jochen Hüter (l.), Thomas Bassemir (Mitte) und Joachim Schulz (2. v .r.) mit OB Dr. René Pöltl

„Sie war gründlich“, lacht Dr. René Pöltl mit einem Tränchen im Auge. Sie – das ist die Dame im Ganzkörper-Schutzanzug, die gerade einen Testabstrich bei Schwetzingens Oberbürgermeister gemacht hat. Das Tränchen im OB-Auge rührt von der kurzen Begegnung des langen Wattestäbchens mit der hinteren Rachenwand, könnte aber durchaus auch ein Freudentränchen sein. Nämlich darüber, dass Schwetzingen jetzt auch ein Corona-Testzentrum hat.

Rekordverdächtig

Und zwar in Rekordzeit: In nur neun Tagen vom Konzept bis zur Eröffnung, das „Go“ kam von allen Beteiligten von der Stadtspitze über das Ordnungsamt bis hin zum Gesundheitsamt des Kreises binnen 24 Stunden, so dass nun am Samstag in der Wollfabrik der Betrieb im wohl am schnellsten entstandenen Schnelltestcenter Deutschlands starten konnte. „Das zeigt, dass die Verwaltung auch mal schnell sein kann“, meint Joachim Schulz, dem das Center auch zu verdanken ist.

Hoher Anspruch

Ursprünglich habe der Wollfabrik-Chef nur überlegt, perspektivisch bei der Wiedereröffnung seinen Gästen die Testung vor Ort anzubieten. Doch das kann sich noch ziehen und in der Wollfabrik ist genügend Platz. Der Anspruch, den der Kulturmacher auch sonst an sein Programm hat, gilt auch hier: „Wir müssen das alles auf dem Level der Wollfabrik machen“.

Am Limit

„Am 18. März vor einem Jahr sind wir in den Lockdown gegangen“, blickt Schulz zurück. Bis auf drei Wochen im September blieben die Türen der Eventlocation geschlossen. „Das hat unser Leben auf den Kopf gestellt“, so der Veranstalter. „Die Auswirklugen sind immer stärker zu spüren, sowohl finanziell als auch psychisch – wir sind am Limit, keiner will‘s mehr, keiner kann‘s mehr hören. Wir müssen jetzt impfen und wir müssen jetzt testen“, ist Schulz überzeugt. Umso mehr sei dies heute für ihn ein „historischer Moment“.

Schwetzingens Oberbürgermeister Dr. René Pöltl checkt zum Corona-Schnelltest in der Wollfabrik ein

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Patient Zero: Exemplarisch ging OB Dr. René Pöltl am Samstag als erster Kunde alle Schritte der Testung durch: Hier beim Check in

Know-How

Mit Dr. Jochen Hüter hat sich der Wollfabrik-Macher tatkräftige Hilfe geholt. Der Facharzt für Labormedizin aus Neuss ist seit vielen Jahren in der Branche tätig und bringt mit seinem Team von invitaGo die entsprechende Kompetenz mit. Rund 250.000 Covid-Tests hat sein Labor inzwischen schon durchgeführt- inzwischen im 24-Stunden-Betrieb sieben Tage die Woche. Know-How ist also genug vorhanden, ebenso wie bei der Logistik, für die Thomas Bassemir zuständig ist.

Teamwork

Kennengelernt haben sich Bassemir, Hüter und Schulz in Weinheim. Vor seiner Zeit als Veranstalter war Schulz unter anderem als ausgebildeter Rettungssanitäter tätig. Während einer Veranstaltung der Talk-Reihe in der Wollfabrik im vergangenen Jahr kam er mit dem stellvertretenden Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Andreas Welker ins Gespräch, dem er seine Bereitschaft signalisierte, aktiv bei der Krisenbewältigung mit anzupacken. Und so kam eines zum anderen – erst er Einsatz im Weinheimer Impfzentrum, wo Schulz seit Beginn der Impfkampagne mithilft, inzwischen sogar als Schichtleiter. Nun also der nächste Schritt: Das Testzentrum in der Wollfabrik.

Schwetzingens Oberbürgermeister Dr. René Pöltl beim Corona-Virus-Test in der Wollfabrik

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Als erster Kunde ließ sich Schwetzingens Oberbürgermeister Dr. René Pöltl auf das Corona-Virus testen.

Glücksfall

Die sei, so Dr. René Pöltl, inzwischen „ein drei- bis vierfacher Glücksfall für Schwetzingen“. Dass die Spargelstadt nun so ein professionelles Center bekomme, sei in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich, so der OB. „Dass ihr aus der Not eine Tugend gemacht habt, ist genau das, was wir uns wünschen, dass die Gesellschaft solidarisch ist.“ Denn, so das Stadtoberhaupt: „Sieben Tage die Woche ein Testcenter zu betreiben, wäre für uns als Stadt schwierig bis unmöglich. Schon gar nicht mit der Professionalität, die hier drinsteckt.“

Professionell

Diese spiegelt sich nun auch im Angebot wider: Denn das Wollfabrik-Testcenter ist nicht irgendein Testcenter – von der Anmelde-Software über die professionelle Überwachung durch Ärzte und ausgebildete medizinische Fachkräfte bis hin zur Möglichkeit, neben Schnell- auch Antikörper- und PCR-Tests durchzuführen, ist hier alles hochprofessionell. Bis zu 12 Mitarbeiter*innen sorgen für den reibungslosen Ablauf – an sieben Tagen der Woche.

Mehrere Optionen

Logistiker Thomas Bassemir erläutert das Vorgehen. Mit der Online-Anmeldung erhalten die zu Testenden einen Termin und einen QR-Code, den sie bei der Anmeldung ausgedruckt oder via Handy vorlegen. Sind die Daten abgeglichen und der Papierteil erledigt, bekommen sie einen weiteren QR-Code und der (Nasen/Rachen-)Abstrich wird durchgeführt. Der Code findet seinen Weg auf das Reagenzglas mit der Abstrichprobe und dient der Zuordnung, später kann der Kunde damit via Handy auch sein Ergebnis aufrufen. Das kann auf drei verschiedene Arten ausfallen: Entweder der*die Proband*in ist negativ, dann passt alles. Ist der Test invalide – denn auch das kann vorkommen – dann kann relativ kurzfristig ein zweiter Abstrich erfolgen. Und bei der dritten Möglichkeit – die natürlich keiner will – einem positiven Test, besteht für den Getesteten die Möglichkeit, aus derselben Probe den – dann verpflichtenden - PCR-Test zu generieren. Der wird dann im Labor gemacht und das Ergebnis liegt binnen 12 bis 24 Stunden vor. Der Vorteil: Der Getestete kann sich sofort in Quarantäne begeben und die bürokratischen Prozesse nehmen ihren Lauf.

Schwetzingens Oberbürgermeister Dr. René Pöltl präsentierte sein negatives Corona-Testergebnis

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Zum Glück negativ: Schwetzingens OB Dr. Pöltl konnte sich über sein Testergebnis freuen.

Testung ab sofort

Am Wochenende nahmen laut Schulz bereits 180 Menschen das Angebot in Anspruch, Tendenz steigend. Das Testcenter bietet Platz für 15 Kunden parallel, die Slots werden im 15 Minuten-Takt vergeben  – pro Minute ein Kunde. Neben den Bürgertests, die jeder Bürger – nicht zwangsweise aus Schwetzingen – einmal pro Woche kostenfrei in Anspruch nehmen darf, bietet das Center auch Testungen für Reisende in Selbstzahlung. Auch Kinder können getestet werden. „Ich bitte um Verständnis, dass die Dinge sehr komplex sind, und auch mal was haken kann“, ergänzt Dr. Hüter. Man sei aber zuversichtlich, dass der Anspruch auf höchstmögliche Professionalität gehalten werden könne und das Angebot ausgebaut werden kann.

Noch viel vor

Denn auch perspektivisch hat Joachim Schulz noch einiges vor. So kann sich der Wollfabrik-Chef vorstellen, zu einem späteren Zeitpunkt hier Impfungen anzubieten. Ebenfalls eine Möglichkeit: Ein Drive Through-Center. Dies haben Dr. Hüter und Basemir bereits im hessischen Dietzenbach umgesetzt, wo inzwischen täglich 800 Menschen getestet werden können, mit Luft nach oben. Auch in den Kitas und Schulen will das Team mit Mobilen Testteams künftig der Stadt unter die Arme greifen. Und wenn irgendwann mal wieder ein Stück Normalität zurückgekehrt ist, können sich die Wollfabrik-Gäste natürlich testen lassen, bevor sie wieder in den gewohnten Kulturgenuss kommen.

Negativ

Und der OB? Eine Viertelstunde später hält der den QR-Code vor seine Handykamera, gibt den dazugehörigen PIN ein und erhält auch prompt das Ergebnis: Negativ! Na dann, alles im grünen Bereich!

Info

Corona-Testcenter in der Wollfabrik, Mannheimer Str. 35 (Eingang Wildemannstraße am Parkhaus)

Öffnungszeiten:
Mo., - Fr., 8 - 19 Uhr,
Sa., So./Feiertag 9 - 16 Uhr


Anmeldung und Details:
https://testzentrum.wollfabrik.com