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Kabarett in der Orgelfabrik

So groß und breit kann die Welt sein - man muss sie nur begreifen.

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So groß und breit kann die Welt sein - man muss sie nur begreifen.

Tun Sie es auch: „Bissele denke beim Schaffe!“

 

Von Jennifer Warzecha

 

Ein Schwabe in Baden - das kann schon mal zu Diskussionen führen. Oder es kann zu Situationskomik und interessanten, neuen Denkanstößen kommen. So geschah das am Freitagabend der Vorwoche bei den Spiegelfechtern in der Orgelfabrik. Jakob Friedrich entführte das Publikum nicht nur in seine Berufswelt, sondern erläuterte auch politische und wirtschaftliche Zusammenhänge.

„Guten Abend, liebes Karlsruhe. Ich begrüße Euch beim Programm 'Bissele denke beim Schaffe'. Ich komme aus der Metall- und Elektroindustrie und aus dem Schwabenland. Mein Chef sagte das mit dem Denken bei der Arbeit, und ich schaffe wirklich sehr viel. Als mein Chef das sagte, dachte ich ‚Es ist gut, wenn das bedingungslose Grundeinkommen endlich kommt.“

Unterstützung

Jakob Friedrich stellt seine Kollegen Volker und Jürgen vor, die, besonders Volker, auch ihren Beitrag zum Abend leisten. Außerdem kommen seine Azubis zu Wort, die er vorstellt. Er stellt Vergleiche an, zum Beispiel, wie man mit dem Meterstab die Länge des Penis‘ abmisst, wenn er dies auch nur andeutet und nicht ausspricht. Friedrich imitiert auch seinen Chef, der immer, auf Schwäbisch natürlich, rummotzt und ihn kritisiert. Außerdem führt er vor, wie sich sein Chef im Alltag anstellt. Er solle seinen Zeitplan einhalten, wird Friedrich kritisiert. Der Chef sagt: „In fünf Minuten ist Mittag. Die können mich am Arsch lecken.“

Zeitgeschehen

Weiter macht der Kabarettist sich Gedanken über Vorstellungsgespräche und das Getue, dass man dabei so anstelle, wie das künstliche Interesse an einem oder mehreren einzelnen Aspekten der ausgeschriebenen Stelle. Auch über die Anerkennung von Berufen spricht Friedrich und stellt fest, dass manche besser angesehen seien als andere und man seinen als Mechatroniker höchstens belächele. Auch über die traditionelle Ehe bei Volker echauffiert er sich und darüber, dass dessen Frau ihn ständig mehrmals am Tag anrufe.

Familienleben

Mehr über Volkers Familienleben erfährt das Publikum durch die erzählte Begegnung mit der Hebamme und wie sie der Mutter, Volkers Frau, sagt, sie solle noch mehr pressen, dass das Kind kommt. Friedrich schildert, wie die Hebamme das Kind betrachtet und der Mutter zeigt. Sie schaut, ob es da ein „Schnäpperle“, einen Penis, gebe.

„Bissele nachdenke“

„Es ist heutzutage nicht mehr nötig, dass wir uns tot schaffe. Es gibt doch genug Regale mit den Dingen, die wir nur kaufen müssen. Es gibt jetzt wieder genug Klopapier.“ Doch die Sache mit dem Chef schien den Kabarettisten sehr zu bewegen. 

„Ich hatte mal einen Chef, der hat sich so hingestellt" – läuft langsam mit dem Fuß tappend hin und her - "(…) und hatte einen unangenehm durchdringenden Blick.“ Dann kommt wieder der ehemalige Chef, Volker, und sagt, man solle doch ihn nachfragen, was man machen solle und nicht einfach machen, wie man wolle. Da sagt der Kabarettist „Hey Chef, ich springe ja auch nicht aus dem Fenster, wenn Sie das sagen.“ 

Fußball

Nach der Pause kommt Jakob Friedrich frisch und munter zurück und sagt, dass das an den drei Traubenzuckern liege, die er in der Pause verspeist habe. Fußball wird zum nächsten Thema. So sei Uli Hoeneß angefragt worden, ob der den VfB Stuttgart trainieren könne. Dieser habe gesagt, dass er kein Fußball spielen könne. Ihm wird gesagt, das sei egal. Er sagt: „Dann geh‘ ich lieber schaffe.“

Unnütz

Auch über unnützes Arbeiten und Verpacken regt sich Friedrich auf. So wundert er sich, "(…) dass man eine Banane wieder verpackt, der man erst die Schale entfernt und die man dann klein geschnitten hat.“ So was sei schon sinnloses Arbeiten und diene doch dem Broterwerb. Was ist eigentlich Broterwerb? - Dies sei noch vorm Grundeinkommen passiert. Doch: „Wenn Du das machst, glaubst Du, dann geht noch irgendeiner schaffe?“ Er sagt, dass es schon gut tue, wenn man das Ergebnis der Arbeit unter seinen/ihren Händen sehe. Er imaginiert nochmal, wie albern es sei, dass man die Banane schäle und dann wieder verpacke. Die Arbeiter sagen, dass man doch dann Sinnvolleres tun könne als hier so etwas Sinnloses zu tun, zum Beispiel die Füße hochzulegen oder anderes. 

Pragmatisch

Der Kabarettist reflektiert weiter das Verhalten von Kindern. So stellt er fest, wie diese manchmal etwas recht einfach und pragmatisch behandeln. Ein Beispiel ist, wenn ein Kind eine Spinne entdeckt, der Vater überlegt, ob er sie wegsaugen will und das Kind es zum neuen Haustier macht. Schließlich sagt der Vater, dass das „Sandmännchen“ kommt und das Kind sagt, der Vater könne es wegsaugen. Möglicherweise ist dies nur ein Beispiel dafür, wie die Psychologie unter Menschen zustande kommt. Dafür interessiert sich Jakob Friedrich, hat auch überlegt, es zu studieren, es wohl vor lauter „Schaffe“ vernachlässigt. Eine wesentliche Erkenntnis ist es, Ich-Botschaften zusenden statt Hass und Beleidigungen zu verbreiten. Seine Ich-Botschaften als Kabarettstück sind an diesem Abend auf jeden Fall wieder gelungen und gut beim Publikum angekommen.

 

Unfassbar ist, was da in der Welt so passiert - das denkt sich der Kabarettist.

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Titel

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Aber das, ja das, muss überhaupt nicht sein.
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