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Nachholbedarf

Kerwezeit: Feiertage unter freiem Himmel

Das Gerberbachviertel – einer der schönsten Weinheimer Kerweorte: rappelvoll und mit Atmosphäre.

cs

Das Gerberbachviertel – einer der schönsten Weinheimer Kerweorte: rappelvoll und mit Atmosphäre.

Hotspot war einmal mehr das Gerberbachviertel, in dem es bereits am Freitagabend schnell hieß: Rien ne va plus – nichts geht mehr. Vorwärts kommen? Abbiegen? Es waren gewagte Manöver dort in den kleinen Gassen, die man als Besucher zu durchlaufen hatte. Sich den eigenen Weg zu bahnen im Massenschieben war schon schwierig. Und die kleinen Unwegbarkeiten wie auf die Straße gerollte Fässer und Stehtische galt es dabei auch noch zu umgehen. Nichts für Eilige also. Doch die Stolperfallen der Bewegung waren auch Ordnungsamt und Feuerwehr ein Dorn im Auge. „Da mussten wir dann hier und da dafür sorgen, dass der Besucherstrom wieder in den Fluss kam“, erzählte Ralf Mittelbach, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Abteilung Weinheim. Und tatsächlich war danach der „Flow“ ein ganzes Stück besser. Der des Feierns war es sowieso.

Der Freitagnachmittag war mit Eröffnung, Langem Tisch und Ratstrunk tief im Brauchtum verankert. Doch während die geladenen Gäste am Langen Tisch die ersten Biere vor sich stellten, herrschte nebenan in der Straußwirtschaft der Egoman schon Vorfreude. Die Riege der Jungs glühte schon mal vor für den Abend und verleibten sich ein, was später die Gäste nur gegen Bares bekamen. Und die kamen in Scharen, machten sich breit in Gerberbachviertel und rund um den Hutplatz, bevölkerten die Unterhaltungsmeile mit Riesenrad in der Roten Turmstraße und jene mit Autoscooter auf dem Amtshausplatz. Und irgendwann fand man das Partyvolk unter dem Zeltdach auf dem Marktplatz, wo die zu später Stunde nicht mehr ganz so fordernden Liedtexte à la „Johnny Däpp“ auch mit jeder Menge Flüssigkeit intus noch recht locker über die Lippen kamen.

Das Riesenrad ist Wahrzeichen der Kerwe und war an den Tagen äußerst beliebter Anlaufpunkt.

cs

Das Riesenrad ist Wahrzeichen der Kerwe und war an den Tagen äußerst beliebter Anlaufpunkt.

„Das war eine der besten Kerwen in den vergangenen zehn Jahren“, sagte Roland Kern, Pressesprecher der Stadt Weinheim, auf Anfrage. Das Wetter sei – im Gegensatz zum Dauerregen des vergangenen Jahres – optimal gewesen. Zudem war es (Stand zum Redaktionsschluss) eine friedliche Kerwe. „Das Rote Kreuz hatte das Übliche zu versorgen, aber keine besonderen Vorkommnisse“, so Kern. „Das Übliche“, das waren etwa diejenigen, die sich beim Trinken leicht überschätzt oder sich eine kleinere Schnittwunde zugezogen hatten. Auch seitens der anderen Ordnungskräfte gab es nach Aussage der Verwaltung keine größeren Einsätze auf Weinheims Kerwe. Es war übrigens die 61. der neuen Zeit – und die wohl erste, die nach 38 Stunden ohne einen OB auskommen musste.

Für Dr. Torsten Fetzner bedeutete die Kerwe indes seinen erstern Einsatz als Interims-OB, als er die Bürgermeisterrunde auf Einladung der Sparkasse zum obligatorischen Kerwerundgang begrüßte. Unter den Gästen: sein „Vorgänger“ Heiner Bernhard, der nun als Oberbürgermeister a.D. vor Ort war – und sein gewählter „Nachfolger“ Manuel Just. Eine Konstellation, die es so wahrscheinlich nicht wieder geben wird. Zumindest wenn es nach den Beteiligten geht. Die Kerwe aber, die gibt es wieder. Im kommenden Jahr. Zu ihrer dann 62. Auflage.

Gute Stimmung und strahlende Gesichter, wohin man auch schaute.

cs

Gute Stimmung und strahlende Gesichter, wohin man auch schaute.