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Timo Schwarzmeier im Circus Ballessa

Kinder dressieren begeistert Heidi und Seppel

Timo Schwarzmeier mit seinen Ziegen.

Ines Schmiedl

Timo Schwarzmeier kennt seine Ziegen auf der Wiese in Ochsenburg genau. Sie sind sehr neugierig und lassen sich von ihm gern mit Brotstückchen locken.

Betritt man das Gelände am Ortsrand von Ochsenburg, beginnt ein wildes Geschnatter. Drei Pommerngänse halten hier Wache und warnen ihre Gefährten vor Raubvögeln, aber auch vor Zweibeinern, die sie nicht kennen. Timo Schwarzmeier ist ihnen wohlbekannt, ihm rennen sie freudig entgegen.

Was man den Gänsen wie ihren Gefährten aus der Hühner-, Tauben- oder Ziegenfamilie nicht ansieht: Sie alle sind bekannte und beliebte Stars in der Manege. Seit mehr als 20 Jahren betreibt Schwarzmeier seinen Circus Ballessa. Das Besondere an seinem Projektzirkus mit nachhaltigem pädagogischem Konzept: Hier können Kinder und Jugendliche ihre Fähigkeiten ausprobieren, typische Zirkusnummern einstudieren und das alles mit Tieren, die keine Exoten sondern heimische Haustiere sind und artgerecht gehalten werden.

Natürlich gibt es Kaninchen für die Zaubernummern, doch gut zu dressieren sind auch Hühner, Tauben und Ziegen. „Ich beobachte meine Tiere. Sie haben in ihrem Gehege Stühle oder Stämme und andere Dinge liegen, damit sie sich nicht langweilen. Wenn mir ein Tier auffällt, das besonders gern über einen Stamm balanciert, lässt es sich dazu für den Zirkus leicht ermuntern“, weiß der Zirkusbesitzer. Ziegen findet Schwarzmeier ziemlich klug und gelehrig, sie lassen sich leicht dazu bringen, auf einen Hocker zu steigen und herunter zu springen, denn ein Stück trockenes Brot ist gar zu verlockend für die Paarhufer. Die Kunst für den Dresseur besteht darin, ihnen zu widerstehen, wenn sie immer wieder auf den Hocker steigen und um Brot betteln. „Sie sollen schließlich auf den Hocker steigen, wenn es der Dompteur will“, lächelt der Tierhalter über seine Vierbeiner, die er ziemlich genau kennt. Lotte ist das einzige Flaschenkind im Zirkus und besonders gern in der Nähe von Menschen. „Stanni hat ADS“, lacht sein Besitzer. Denn diese Ziege bettelt besonders um Aufmerksamkeit und macht nachdrücklich auf sich aufmerksam, wenn sie nicht ausgiebig genug gestreichelt wird. Die Älteste in der Ziegenherde ist Heidi, sie ist die Anführerin und wird auch vom größten Bock, ihrem Sohn Seppel, als Chefin akzeptiert. „Die Kinder lernen bei uns nicht nur den Umgang mit den Tieren, sondern auch Verantwortung zu übernehmen. Auf eine Taube muss man ganz anders aufpassen, als auf eine Ziege“, weiß der Zirkusdirektor.

„Für eine gekochte Nudel macht ein Huhn alles“, lacht Timo Schwarzmeier. Mit vier Jahren war er zum ersten Mal in einem Zirkus als Gast und wusste danach, das ist sein Metier. Nach dem Schulabschluss absolvierte er eine Ausbildung zum Tierpfleger im Karlsruher Zoo und hat danach bei verschiedenen Zirkussen gearbeitet. Vor gut 20 Jahren begann er, sein eigenes Unternehmen aufzubauen. Alle 50 Tiere im Circus Ballessa haben Namen. Die Zwergseidenhühner, deren Federn aussehen wie Fell, heißen Gabi und Püschel. Die Tauben haben pfauengleiche Schwänze und lieben Erdnüsse. Die Laufenten mögen gern auf der Wippe schaukeln.

Von Anfang an war Timo Schwarzmeier klar, dass er in seinem Zirkus von seiner Heimat aus Projekte mit Kindern umsetzen will. Er hat mit Schulen und Jugendhäusern zusammen gearbeitet und Ferienprogramme oder Projektwochen gestaltet. „Wir kommen mit unserem nagelneuen Zirkuszelt und Zirkuswagen vor Ort und bleiben eine Woche“, so Schwarzmeier. In Sternenfels oder Mühlacker ist er seit vielen Jahren im Sommer aktiv, er war im Eppinger Stadtteil Elsenz an der Förderschule und hat Station mit seinem Ferienprogramm in Lauffen, Sulzfeld und anderen Orten machen dürfen.

Die Kinder können bei Ballessa alle Zirkustätigkeiten selbst ausprobieren. Nach und nach zeige sich dabei, was ihnen besonders gut liege und daraus gestalten sie ihren späteren Auftritt. „Ein Kind, das in der Schule den Klassenclown gibt, merkt schnell, dass ein Clown im Zirkus ziemlich viel Arbeit hat, viele Texte auswendig kennen muss und der Job sehr vielschichtig ist“, weiß der passionierte Zirkusdirektor. Alle Kinder finden schließlich ihre Nummer, lernen die Grundlagen der Jonglage und wenn sie ein Jahr später zur nächsten Ferienaktion wieder kommen, können sie immer noch jonglieren. Wenn es gewünscht wird, kommt der Zirkus auch ohne Tiere, dann geht es eher um Akrobatik, Clownerie oder Jonglieren.

Der Circus Balessa ist hauptsächlich im Umkreis von 150 Kilometern um seinen Standort in Maulbronn im Einsatz. Zum vierköpfigen Team von Zirkusdirektor Timo Schwarzmeier gehören freiberufliche Zirkusartisten, Erzieher und Sporttrainer. Zum Abschluss einer Ferienwoche gibt es am letzten Tag immer eine Aufführung für Eltern und Familie der kleinen Zirkusartisten. Im Internet findet man den Projektzirkus unter www.circus-ballessa.de