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Kloster und Schloss Bebenhausen

Kirchweih in Kloster Bebenhausen am 6. Mai 1228

Kloster Bebenhausen

Christoph Hermann / SSG

Kloster Bebenhausen

Am 6. Mai 1228 weihte der Bischof von Konstanz feierlich die Kirche von Kloster Bebenhausen ‒ ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Zisterzienserabtei. Geweiht wurde sie der Ordenspatronin Maria. Wenig später begann die Blütezeit von Kloster Bebenhausen.

Die Weihe der Klosterkirche

Der 6. Mai 1228 war ein Meilenstein für die Zisterziensermönche von Kloster Bebenhausen. An diesem Tag weihte der Konstanzer Bischof in einer feierlichen Zeremonie ihre Klosterkirche. Die dreischiffige Pfeilerbasilika konnte damit nach fast 30 Jahren Bauzeit für Gottesdienste genutzt werden. Wenig später begann die Blütezeit des Klosters: Im späten 13. Jahrhundert arbeiteten, lebten und beteten bis zu 80 Mönche und 130 Laienbrüder am Schönbuchrand. Sie begründeten eines der geschichtsträchtigsten Klöster Baden-Württembergs – und eines der wichtigsten Baudenkmale: Es spiegelt die Baugeschichte von der Gründung bis zum Ende der Klostergemeinschaft wider. Im Innern hat sich die großbürgerliche Wohnkultur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts erhalten.

Die Besiedelung durch Zisterzienser

Pfalzgraf Rudolf von Tübingen stiftete um 1185 dem Prämonstatenserorden den heutigen Standort des Klosters, wenige Kilometer nördlich von Tübingen. Das Kloster wird urkundlich erstmals 1187 erwähnt. Die Mönche erhielten das Recht, im Schönbuch Holz zu schlagen für den Auf- und Ausbau des Klosters. Wenig später verließen die Prämonstratenser Bebenhausen „certa de causa“ – „aus gewissen Gründen“, wie es in einer historischen Urkunde heißt. Um 1190 siedelten die Zisterzienser und begannen mit dem Bau ihrer Kirche auf dem Fundament der Prämonstatenser – an der höchsten Stelle des Areals. Rund drei Jahrzehnte dauerte der Bau der Klosterkirche.

Die Baugeschichte der Klosterkirche

In sieben Etappen errichteten die Mönche von Ost nach West eine schlichte Anlage mit Rechteckchor und wenig betonten Querhausarmen; die Joche waren in allen Teilen flachgedeckt. Die Kirche wurde am 6. Mai 1228 der Ordenspatronin Maria geweiht. Den nüchternen Kirchenraum gestaltete man rund hundert Jahre später. Das Chorfenster und die ehemalige Grabkapelle am Nordquerschiff gab Abt Konrad von Lustnau zwischen 1320 und 1335 in Auftrag. Den markanten Vierungsturm der Klosterkirche errichtete der Salemer Baumeister Georg zu Beginn des 15. Jahrhunderts unter Abt Peter von Gomaringen. An die Südseite der Kirche schließt sich die Klausur mit dem gotischen Kreuzgang und seinen eindrucksvollen Stern- und Netzgewölben an: Sie wurden zwischen 1466 und 1522 gestaltet. Im 17. und 18. Jahrhundert erhielt die Klosterkirche eine dezente barocke Ausstattung mit Blockgestühl, Emporen mit Gemälden und den Hochaltar.

Das Kloster nach der Reformation

Mit der Einführung der Reformation im Herzogtum Württemberg mussten die Mönche das Kloster verlassen; die Kirche wurde in Teilen abgebrochen. Die Quader des Kirchenschiffs verwendete man für den Ausbau von Schloss Hohentübingen. 1556 erließ Herzog Christoph von Württemberg seine Klosterordnung: Aus Kloster Bebenhausen wurde eine protestantische Klosterschule. Jungen zwischen 12 und 14 Jahren erhielten in Bebenhausen Unterricht, der sie auf das Theologiestudium in Tübingen vorbereitete. Die Schule bestand bis 1806. Im 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert ließ Friedrich I., der erste König von Württemberg einen Teil der Klosteranlage zum Jagdschloss umbauen. Wilhelm II., der letzte König von Württemberg, und seine Frau Charlotte machten das Schloss nach dem Ende der Monarchie 1918 zu ihrem Wohnsitz. Nach dem Zweiten Weltkrieg, von 1946 bis 1952, tagte der Landtag von Württemberg-Hohenzollern in Bebenhausen.