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Landratsamt Neckar-Odenwaldkreis

Landwirte in großer Sorge

Frühjahrstrockenheit

Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis

Die Kulturpflanzen bräuchten dringend Regen. Obgleich der Raps in strahlendem Gelb erblüht, es ist überall staubtrocken.

Nahezu regelmäßig haben Land- und Forstwirtschaft mittlerweile mit außergewöhnlichen Witterungsverhältnissen zu kämpfen. Spätfröste und Trockenheit, aber auch Starkregenereignisse mit Überschwemmungen oder Stürme haben in den letzten Jahren auf den Feldern und in den Wäldern ihre Spuren hinterlassen und zu finanziellen Einbußen geführt. Daher schwindet bei den Land- und Forstwirten zunehmend die Gelassenheit, denn laut Wetterbericht ist bis in die erste Maiwoche hinein kein Regen zu erwarten.

Winter ohne Frostgare

Bereits die Herbstaussaat war aufgrund der Wetterkapriolen eine Herausforderung an Mensch und Technik. Damit das Saatgut von Wintergerste, Winterweizen, Roggen und Dinkel rechtzeitig in den Boden kam, war ein erheblicher Aufwand notwendig. Die unter widrigen Bedingungen etablierten Bestände haben es derzeit nach einem Winter ohne Frostgare besonders schwer, an Wasser und Nährstoffe aus tieferen Bodenschichten zu kommen. Die Pflanzen sitzen mit ihrem schwachen Wurzelsystem in einem von heftigen Winterniederschlägen verdichteten Boden und können sich kaum weiterentwickeln. Vor allem auf den schlechteren Standorten im Bauland findet man daher Getreidebestände, die ihre Seitentriebe reduzieren und somit einen überaus lichten Eindruck hinterlassen. Dadurch sind die Böden nicht ausreichend beschattet und es kommt zu einer weiteren Verdunstung und Austrocknung der Böden, die sich in den wachsenden Rissen im Boden widerspiegelt.

Pflänzchen drohen zu vertrocknen

Die Frühjahrssaaten wie Sommergerste, Hafer, Zuckerrüben und Mais, die in den letzten Wochen zur Aussaat kamen, konnten die Restfeuchte im Boden nur teilweise nutzen, um aufzulaufen. Auf etlichen Feldern sind die Samen nur lückig aufgegangen. Ohne Regen drohen die kleinen Pflänzchen in den oberen Bodenschichten zu vertrocknen.

Versuchsfeld

Bernhard Spies, der als Pflanzenbauberater beim Fachdienst Landwirtschaft tätig ist, teilt die Sorgen der Bauern, denn auf dem Versuchsfeld in Boxberg-Schwabhausen hat er mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Auch da war die Herbstaussaat schwierig. Die Getreidebestände stehen eher dünn, die Rapspflanzen sind im Wuchs um 20 bis 30 Zentimeter kürzer als in Durchschnittsjahren und die seitlichen Verzweigungen sind eher schwach.

Keine Höchsterträge mehr

Noch könnte einiges kompensiert werden, wenn es jetzt zeitnah regnen würde. Die Pflanzen machen ihren Ertrag ja nicht nur über die Bestandsdichte, sondern auch über die Anzahl der Körner pro Ähre und über das so genannte Tausendkorngewicht. „Höchsterträge wird es allerdings auch in diesem Jahr keine mehr geben“, prognostiziert Spies.

Grünlandstandorte

Besonders betroffen könnten wieder einmal die Grünlandstandorte und damit verbunden die tierhaltenden Betriebe sein. Anfang Mai erfolgt in der Regel der erste Grünlandschnitt, der insbesondere bei den Milchviehbetrieben in normalen Jahren über die Hälfte des Grünlandertrages in die Silos bringt. Gras wächst bei feuchter und kühler Witterung am besten. Fällt dieser erste Schnittschlecht aus, liegt die Hoffnung auf dem zweiten, der ohne Regen allerdings auch nicht besser ausfällt. Sollte dann auch noch der Mais als Hauptfutterpflanze schwächeln, wird es sehr schwer, die Tiere mit ausreichend Futter zu versorgen.

Im April kaum Niederschläge

Bundesweit gab es im April kaum Niederschläge. Laut Statistik sind in diesem Monat lediglich drei Prozent des langjährigen Niederschlags gefallen. In der Region hat es seit dem 21. März nicht mehr nennenswert geregnet. Die reichlichen Winterniederschläge, die bis Anfang März noch eine gute Wasserversorgung erwarten ließen, schwinden mit jedem Tag. Zwar konnten diese die Böden bis in tiefere Schichten auffüllen und den Grundwasserstand heben, bei der derzeitigen Wetterlage schwinden aber auch diese Reserven zusehends.

Spannender Sommer

Somit steht den Landwirten ein spannender Sommer bevor, der mitunter auch Folgen für die Verbraucher haben könnte. Letztendlich produzieren die Bauern unsere Nahrungsmittel von morgen. Die Landwirte selbst können solchen Trockenphasen nur begrenzt begegnen, indem sie auf eine gute Struktur ihrer Böden achten und diese ausreichend mit Humus versorgen. Dadurch kann im Boden mehr Wasser gespeichert werden, welches den Pflanzen für ihr Wachstum zur Verfügung steht.