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Verabschiedung von OB Dieter Gummer

Mainzer Hofsänger umrahmen emotionale Feier

Abschied von OB Dieter Gummer

Dominic Manuel

Moderatorin Doris Steinbeißer im Gespräch mit Oberbürgermeister Dieter Gummer.

Es war einer von vielen Überraschungspunkten, mit denen man dem scheidenden Oberbürgermeister eine Freude machen wollte. Dieser zeigte sich an dem Abend sehr bewegt. Dass der Abend am vergangenen Freitag überhaupt stattfinden konnte, war nicht selbstverständlich. Der Angriff auf Gummer rund sechs Wochen zuvor, hatte Hockenheim erschüttert. Die Verletzungen, die Dieter Gummer dabei erlitten hatte, waren schwer und werden noch einen langen Genesungsprozess fordern.
Trotzdem wollte Gummer es sich nicht nehmen lassen, sich von den Hockenheimern gebührend zu verabschieden. Auch wenn er, wie er selbst anmerkte, nicht wie geplant, in einen intensiven Austausch mit den Menschen an dem Abend gehen konnte. Seinen Humor hatte Gummer trotz der schwierigen Situation nicht verloren. Als Beweis führte er bei seiner Rede vor, welche Übungen er zurzeit mit einer Logopädin durchführen muss, um wieder flüssig sprechen zu können. Er machte dabei mit dem Mund eine Art Pups-Geräusch und brachte den Saal zum Lachen.

Vier Gesprächsrunden

Vor seiner Rede war der Abend durch die vier Gesprächsrunden geprägt, welche von Moderatorin Doris Steinbeißer geführt wurden. Mit „Kommunalpolitik“, „Regional vernetzt“, „Soziales Hockenheim“ und „Konzern Stadt“ waren die Themen der Gesprächsrunden gesetzt. Teilnehmer der Gespräche waren zahlreiche Weggefährten aus Gummers Amtszeit. Darunter einige, die dem OB vorab nicht genannt worden waren und als Überraschungsgäste die Bühne betraten.
Zu ihnen gehörte beispielsweise Erich Homilius, Oberbürgermeister a.D. der Partnerstadt Hohenstein-Ernstthal. Er hatte mit einer Anekdote über Dieter Gummers Witz-Erzählkunst bei einem Besuch in seiner Stadt die Lacher auf seiner Seite. Überhaupt war die Stimmung bei den Gesprächsrunden ausgelassen und die Teilnehmer hatten viel über die Arbeitsweise von Gummer zu erzählen. Er wurde als Mensch beschrieben, „mit dem schwer zu streiten ist“ (Gunther Hoffmann, Bürgermeister Neulußheim), als „sachorientiert und zurückhaltend“ (Werner Zimmermann, Bürgermeister a.D. Hockenheim) und einer, der „die Ruhe weg hat“ (Marina Nottbohm, Vorsitzende SPD-Fraktion). Dieter Gummer hat weit über die Grenzen Hockenheims auch in der Metropolregion seine Spuren hinterlassen, wie Landrat Stefan Dallinger, Ralph Schlusche (Direktor des Verbands Rhein-Neckar) und Michael Kessler (Bürgermeister von Heddesheim und Kreisverbandsvorsitzender des Gemeindetages im Rhein-Neckar-Kreis) bestätigten. „Dieter Gummer hatte immer ein regionales Händchen“, wie Stefan Dallinger bescheinigte.

Metropolitaner

Ralph Schlusche bezeichnete ihn gar als „Metropolitaner“. Eine soziale Ader bescheinigte ihm Marcus Roth, Leiter der Hartmann-Baumann-Schule. „Dieter Gummer war stets sehr interessiert daran, dass die Schulen gut aufgestellt sind“, berichtete er. Auch wenn Dieter Gummer in seiner Amtszeit kein Geld aus der Region für den Ring lockermachen konnte, wie Georg Seiler, Geschäftsführer der Hockenheim-Ring GmbH, anmerkte, hätten er und Gummer „zusammen etwas erarbeitet“. Gummer habe stets um den Ring und um den Sport gekämpft.
Dass sich Dieter Gummer stets für eigenständige Stadtwerke stark gemacht hatte, betonte Martina Schleicher. Er sei ein großer Verfechter des kommunalen Eigenbetriebes gewesen. „Die Menschen in Hockenheim sind geradeheraus und haben ihr Herz auf dem richtigen Fleck“, sagte Dieter Gummer in seiner Ansprache. Die Gesprächsrunden hatten das durchaus unterhaltsam unterstrichen.

15 bewegende Jahre

Dieter Gummer blickte selbst auf 15 bewegende Jahre zurück. Der Angriff auf ihn ändere dabei nichts an seinem Empfinden, wie er betonte. Die Nächte seien gerade in seinen ersten Amtsjahren wegen des Hockenheimrings kurz gewesen. Die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft des Rings sehe er aber nun gestellt. Er freue sich, dass „s‘ Talhaus boomt“, wie manche nun sagen könnten. Mit der Schaffung sozialen Wohnraums, der Belebung der Innenstadt und der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund sowie die angemessene Unterbringung von obdachlosen Menschen nannte Gummer Beispiele für Aufgaben, die seine Amtszeit überschreiten. Dass seine Frau Tage nach dem Angriff den Ernst der Lage erkannt hatte und ihn in eine Fachklinik brachte, habe Schlimmeres verhindert und dazu geführt, dass die Freude auf den Neuanfang im Ruhestand eine neue Dimension habe.
Dieter Gummer wurde mit Standing Ovations von den rund 700 Gästen in der Stadthalle empfangen und ebenso am Ende des Abends verabschiedet.