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Kloster Alpirsbach

Margarete Blarer erhält Homeschooling vor 500 Jahren

Alpirsbach

Markus Schwerer / ssg-Pressebild

Gang zu den Schlafzellen im Kloster Alpirsbach

Homeschooling als Herausforderung – das gilt heute für viele Familien. Vor 500 Jahren bot der Unterricht zuhause auch eine große Chance: Margarete Blarer, die Schwester des späteren Mönchs in Kloster Alpirsbach und Reformators, erhielt so die gleiche Ausbildung wie ihre Brüder.

Bildung in der Familie

Zugegeben, die Familie war vermögend: Familie Blarer waren Kaufleute in Konstanz. Ambrosius Blarer und seine fünf Geschwister wuchsen in einer wohlhabenden Umgebung auf – und obendrein war der Vater bildungsorientiert. Er interessierte sich für eine europäische Entwicklung, die damals der Wissenschaft den Weg in die Moderne eröffnete: den Humanismus. Das Wissen der Griechen und Römer, lange vergessen, faszinierte die fortschrittlichen Menschen, die Bedeutung der Bildung rückte wieder ins Bewusstsein.

Die Chance für ein kluges Mädchen

Die Kinder der Familie Blarer erhielten daher sorgfältigen Unterricht – im Haus der Eltern. Für das Mädchen Margarete, 1493 geboren, war das eine grandiose Chance, denn: Wären ihre Brüder auf eine Schule geschickt worden, hätte sie nichts von all der Bildung mitbekommen. Für Mädchen waren die Schulen nicht zugänglich. So aber lernte Margarete gemeinsam mit den Brüdern – Homeschooling als große Chance für ein Mädchen vor einem halben Jahrtausend.

Die Brüder Blarer beziehen Position

Die Brüder Ambrosius und Thomas verließen das Haus. Ambrosius trat in das Kloster Alpirsbach ein und wurde Benediktinermönch. Schon an der Tübinger Universität war ihm der Reformator Melanchthon begegnet – und sein Bruder Thomas versorgte ihn mit Schriften Martin Luthers. Die beiden Brüder schlossen sich der neuen Lehre an; Ambrosius Blarer verließ heimlich Kloster Alpirsbach und entwickelte sich zu einer der zentralen Figuren der süddeutschen Reformation.

Margarete und die Reformation

Margarete Blarer, gebildet und klug, kümmerte sich um das elterliche Geschäft und pflegte die Mutter. Sie interessierte sich ebenfalls sehr für das neue Gedankengut – wie stark, das zeigen die Briefe, die sie etwa mit dem Straßburger Reformator Martin Bucer wechselte oder mit Katharina Zell, einer elsässischen Pfarrfrau. Ihr Bruder Ambrosius versuchte, ihren theologischen Eifer zu bremsen und mahnte sie, sich mehr um soziale Aufgaben zu kümmern. Aber auch da war sie wohl höchst engagiert. 1541 starb Margarete Blarer, weil sie sich bei der Pflege von Pestkranken angesteckt hatte.