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Kloster Maulbronn

Mariä Himmelfahrt - ein Fest zu Ehren des Muttergottes

Maulbronner Madonna

Altenkirch / ssg

Maulbronner Madonna

Am 15. August wird Mariä Himmelfahrt gefeiert – ein Fest, das auf eine jahrhundertelange Tradition zurückgeht: In Rom erstmals im 5. Jahrhundert begangen, ist es in Deutschland seit dem 8. Jahrhundert belegt. Der Festtag verweist auf die große Marienverehrung, die insbesondere in den Zisterzienserklöstern üblich war. Von den vielen Altären, die der Muttergottes geweiht waren, hat die Reformation nur wenige Reste in den Kirchen übriggelassen. In der Klosterkirche von Maulbronn hat sich wie durch ein Wunder die grandiose Skulptur der Maulbronner Madonna erhalten, ein einst hoch verehrtes Bildnis der Muttergottes.

Jahrhundertealtes Marienfest

Im 5. Jahrhundert nach Christus bestimmte Bischof Kyrill von Alexandria den 15. August als Feiertag für die Himmelfahrt Marias. Doch erst einige Jahrhunderte später wurde die körperliche Aufnahme Mariä in den Himmel im Konzil von Trient (1545 - 1563) zum festen Bestandteil der kirchlichen Lehre erklärt und 1950 dann zum Dogma erhoben. Dem Fest liegt der Glaube zugrunde, dass an diesem Tag nicht nur die seelische, sondern auch auf leibliche Aufnahme Marias in den Himmel stattgefunden haben soll. Damit ist dieser Festtag das älteste bekannte Marienfest.

Kunstwerke in den Klöstern

Die Marienverehrung gehört zu den Traditionen des christlichen Glaubens, die für die Kunst sehr inspirierend war. Die Figur der Gottesmutter, an sich schon von menschlichen Zügen geprägt, wurde durch die mit ihrem Leben verbundenen Geschichten für alle Gläubigen, aber auch für die Auftraggeber, wichtig: als Fürbitterin und als den Menschen nahe Vermittlerin zur göttlichen Sphäre. In den Zisterzienserklöstern war die Marienverehrung besonders hoch: So waren etwa die großen Klosterkirchen alle der Maria geweiht. Von den vielen Altären und religiösen Bildern hat die Reformation wenig übriggelassen. Kein Wunder, denn gerade die Verehrung der Muttergottes als Vermittlerin stand in strengem Widerspruch zur Lehre der Reformatoren, dass alle Christen im Glauben direkt mit ihrem Gott verbunden waren – ohne die Zwischenstufen und Fürbitten der Priester und der Heiligen. So leerte man im 16. Jahrhundert die Kirchen. Der enorme Reichtum an Altären verschwand – und mit ihm auch viele Marienbilder.

Die Maulbronner Madonna

In Kloster Maulbronn hat sich wie durch ein Wunder noch eine Madonna aus dem frühen 14. Jahrhundert erhalten. Die Skulptur entstand zwischen 1307 und 1317 vermutlich in Köln. Wie die kostbare Marienfigur mit Kind und Reliquienkammer nach Maulbronn kam, ist unbekannt. Allein durch ihre Größe von 170 Zentimetern tritt die Maulbronner Madonna aus der Reihe der Marienskulpturen des frühen 14. Jahrhunderts hervor. Die Figur ist aus einem Walnussstamm geschnitzt und hat eine Reliquienkammer auf der hohlen Rückseite: Das deutet daraufhin, dass die Muttergottes ein verehrtes Andachtsbild war. Sie beindruckt zudem durch ihre Eleganz, sichtbar in den fließenden Gewandfalten und der leichten Bewegung. Seit dem Abschluss der Restaurierungsarbeiten im Jahr 2013 sieht man wieder, dass die Figur ursprünglich eine reich verzierte Farbfassung mit Vergoldungen am Kleid, Mantel und Haar besaß. Das blau gefärbte Mantelfutter imitierte durch Verzierungen den Pelz eines Eichhörnchens. Auf den Vergoldungen und Mantelsäumen waren Ornamente und Glassteine angebracht. Heute ist die Figur wieder im Chor der Maulbronner Klosterkirche zu besichtigen.