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Holzwurm-Theater begeistert

Mitmachtheater für die Kleinen

Das Holzwurm-Theater zeigte „Frau Holle“

df

Im Reich von Frau Holle treffen die Schwestern auf allerhand Magie.

Die Spannung im vollbesetzten Saal ist am Premierentag deutlich spürbar. Auf den kleinen Stühlen rutschen ungeduldig die Kinder hin und her und immer wieder ertönt ein lautes „Wann fängt es endlich an“, durch den Raum. Dann öffnet sich der Vorhang - und eines der bekanntesten Märchen der Gebrüder Grimm beginnt. Zu Beginn des Stückes landet man aber zunächst nicht im magischen Reich von Frau Holle, sondern im Garten der bösen Stiefmutter. Kleine und große Märchenkenner wissen, die eigentliche Geschichte von Frau Holle, handelt im Grunde von zwei sehr ungleichen Schwestern: Maria und Mariechen.

F wie Faulheit und Fleiß

Und dieses Mariechen ist schon ein Fall für sich, denn Tugenden wie Fleiß und Reinlichkeit wurden ihr nicht gerade in die Wiege gelegt. „Essen“ ist für sie „schon Arbeit genug“. Arbeiten soll lieber ihre fleißige, fröhliche Stiefschwester Maria, die stets adrett gekleidet mit weißem Häubchen und singend die Szenerie betritt. Rückendeckung erhält Mariechen von ihrer Mutter, die kein gutes Haar an ihrer Stieftochter Maria lässt, obgleich sie im Hinblick auf ihr eigenes Kind schon auch feststellen muss: „Alle Tage wirst du fauler und waschen könntest du dich auch einmal.“ Den örtlichen Schornsteinfeger, der, warum auch immer, tatsächlich ein Auge auf Mariechen geworfen hat, verschmäht die Mutter.
Denn just ist der fesche Hans im Anmarsch und den hat sich die Stiefmutter als neuen Schwiegersohn ausgesucht. Doch Hans möchte mitnichten Gatte des stinkenden und faulen Mariechens werden, lieber möchte er die schöne und fleißige Maria heiraten. Das wiederum passt der gehässigen Stiefmutter gar nicht. Als Maria eine Spindel in den Brunnen fallen lässt, sieht sie eine Chance sich der Stieftochter zu entledigen und drängt sie dazu hinterherzuspringen. Maria landet jedoch im Reich von Frau Holle. Dort trifft sie nicht nur auf magische Backöfen und Apfelbäume, sondern auch auf den „Burschen“, einen skurrilen Gehilfen Frau Holles und schließlich natürlich auf Frau Holle selbst. Weil sie so fleißig ist, kehrt sie mit viel Gold belohnt nach Hause zurück. Doch auf Betreiben der Stiefmutter landet auch Mariechen in Frau Holles Reich. Wie wird es ihr dort ergehen?

Wunderbares Mitmachtheater

Mit der Inszenierung des Märchenklassikers der Gebrüder Grimm begeistert das Holzwurm-Theater vergangenen Samstag zur Premiere im vollbesetzten Rolf-Engelbrecht-Haus. Inszeniert als klassisches Kindertheater bringt das Ensemble um Katja Hoger und Nele Neumann (Regie) die uralte Geschichte um Gerechtigkeit, in der die Fleißigen belohnt werden, phantasievoll und kindgerecht auf die Bühne. Viele Gags dürften dabei zwar schon dem einen oder anderen Elternteil noch aus der eigenen Kindheit bekannt vorkommen, sie funktionieren aber wunderbarerweise auch im Zeitalter von IPad, Netflix und Co. immer noch. Doch vor allem geht es um das Mitmachen. Da wird mit diebischer Begeisterung mitgeholfen, wenn Hans und der Schornsteinfeger die böse Stiefmutter veräppeln, lauthals mitgesungen, wenn das Lied „Es schneit“ ertönt oder eifrig mitgezählt, wenn die einfältige Pechmarie nicht einmal bis sieben zählen kann. Wunderbares Mitmachtheater für die Kleinen also. Dazwischen begeistert die Inszenierung das junge Publikum mit liebevoll, teils derben Einfällen, die den Saal mit herzhaftem Kinderlachen erfüllen, etwa wenn Hans in Hundehinterlassenschaften tritt oder dem ewig niesenden Schornsteinfeger grüner Riesenschleim aus der Nase kommt.

Spielfreudiges Ensemble

Dabei wandeln die Figuren im phantasievollen Bühnenbild von Dieter Korsch, für Kostüme und Maske zeigten sich Veronika Stapf und Nina Jalowiky verantwortlich. Ein großes Lob muss man dem Ensemble aussprechen, das mit viel Spielfreude die unterschiedlichen Charaktere verkörpert. Rainer Stefan und Dirk Jalowiky spielen mit viel Komik die beiden verliebten Verehrer, Katja Hoger brilliert als überdrehte Stiefmutter, während Cornelia Casper Frau Holle mit geradezu stoischer Ruhe verkörpert. Besonders gelungen: Die Figur des mit einem kuriosen Sprachfehler ausgestatteten „Burschen“, den Anne Plewik mit Bravour mimt. Und dann wäre da noch der junge Emil Neumann als täuschend echter „Hahn“, der mit seinem „Kikeriki, die goldene Jungfrau ist wieder hie“ natürlich in keiner Frau Holle-Inszenierung fehlen darf. In den Hauptrollen überzeugen Nele Neumann und Barbara Schäfer als gegensätzliche Schwestern, die eine sanft und freundlich, die andere kindlich überdreht.
Ob die Darstellung der allzu tugendhaften, alles ertragenden Maria aus heutiger (Frauen-)Sicht noch zeitgemäß ist, darf ausnahmsweise dahingestellt bleiben, denn nicht immer muss Theater auch einen erzieherischen Zweck erfüllen. Manchmal darf es einfach nur Spaß machen. Und dass dies an diesem Premierentag gelungen ist, dazu reicht der Blick in Dutzende strahlende Kindergesichter.