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Literarischer Ausflug in die Unterwelt

Mythos Orpheus von gestern bis heute

Nach der gelungenen Vorstellung: v.l.n.r.: Oliver Wille, Udo Samel, Markus Becker

aw

Nach der gelungenen Vorstellung: v.l.n.r.: Oliver Wille, Udo Samel, Markus Becker

Die „Sonette an Orpheus“, von Rainer Maria Rilke 1923 verfasst, gaben dem ersten Samstagabend der diesjährigen SWR-Festspiele den Namen. Der poetische Text beschreibt den Gemütszustand des Liebspaares aus der griechischen Mythologie bei ihrem Weg aus der Unterwelt. Im Todesjahr von Rilke wurde Ingeborg Bachmann geboren. Und auch ihre Texte gehen mit dem Tod um. „Man liebt nicht was tot ist“, so Cesare Pavese in seinen Gedanken zurück an die Zeitspanne des Lebens von Orpheus. Bringt denn das Zurückholen der Vergangenheit nicht nur Schmerz? Ist es da nicht besser, sich auf sich selbst zurückzuziehen?

Interaktion

Mystisch gezupfte Töne mischten sich in die letzten Worte des Gedichtes, einfühlsam gesprochen, wie auch die vorigen und nachfolgenden des Abends von Schauspieler Udo Samel. Sie setzten sich auf der Violine von Oliver Wille fort, kaum hörbare Töne mit moderner Bogentechnik verlangen die ganze Aufmerksamkeit der Zuhörer, es herrschte absolute Stille. Die anschließenden Klavierimpressionen passten sich dann erst einmal dem Stimmungsbild an, steigerten sich dann in der Lautstärke und mit tief versunkenem Kopf erzeugte Pianist Markus Becker ein Grollen in den tiefen Tönen, das schließlich friedlich endete.

Augenzwinkern

„Die Gestorbenen sind niemals fort“ - sie sind in den Elementen, die uns umgeben: Das ist die Erkenntnis aus „Der Hauch der Ahnen“ von Birago Diop. Versöhnlich erklang dazu „Weep you no more, sad fountains“ von John Downland. Der Übergang zu Maurice Ravels Sonate für Violine und Klavier G-Dur war ebenso stimmig, diese erklingt unkonventionell und sehnsuchtsvoll, mit Tönen und Rhythmik eines Blues, endet dann mit einem zwinkernden Auge.

Im Einklang

„Es kommen härtere Tage“, erneut von Ingeborg Bachmann war die Vorbereitung zur Sonate von Leos Janacék. Interessant hier die Bogentechnik und das Umstimmen mit dem verschobenen Steg. Klavier und Violine arbeiten in großer Übereinstimmung und beenden das Adagio. Ein fein abgestimmtes Programm rund um den Mythos Orpheus - da darf nun die „Sonette an Orpheus, Sechs Adagios“ von Manfred Trojahn (geb. 1949) nicht fehlen. Eine Mischung von Stimme und Instrumenten zeigte,  wie man Stimme auch als solche einsetzen kann. Sie lebt in Rhythmik, Tempo, Lautstärke und Intonation mit den Instrumenten im Einklang, Worte und Töne verschwimmen. Eine höchst eindrucksvolle Darbietung, die mit dem naiv dargebotenen Lied „Der Mond ist aufgegangen“ aus den drei Männerkehlen humorvoll endete.