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Sammlung Domnick

Paul Stohrer - der Architekt der Moderne

Haus Domnick

Vera Romeu / ssg

Haus der Sammlung Domnick

Seine Bauten prägen das Erscheinungsbild der Stadt Stuttgart. Zu seinen bekanntesten Werken zählt das Haus der Sammlung Domnick in Nürtingen.

Künstlerischer Werdegang

Paul Stohrer arbeitete bereits während seines Studiums bei einem Stuttgarter Architekten. 1935 eröffnete er ein eigenes Architekturbüro und baute viele Einfamilienhäuser. In der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders errichtete Stohrer vor allem Büro- und Geschäftshäuser. Dabei öffnete er sich neuen architektonischen Strömungen. Er verwendete die moderne Stahlbetonskelettbauweise und stellte das Material offen zur Schau. Zudem unterrichtete Stohrer an der Stuttgarter Staatsbauschule das Fachgebiet „Entwerfen und Innenraumgestaltung“.

Beeindruckende Bauten

Zunächst machte sich Stohrer mit dem Bau und der Modernisierung mehrerer Theater und Lichtspielhäuser einen Namen. Sein Schaffensschwerpunkt lag später vor allem auf dem Bau von exklusiven Wohn- und Geschäftshäusern. Stohrer entwarf Villen für Film- und Schauspielgrößen. Seine Geschäfts-, Verwaltungs- und Fabrikgebäude prägten besonders das Stadtbild Stuttgarts. Bekannt sind etwa die „Hemminger Himmelsleitern": Sie unterstreichen Stohrers eigenwillige und ausdrucksstarke Formensprache.

Auftrag zum Bau

In den frühen 1950er-Jahren begegneten sich Ottomar Domnick und Paul Stohrer im Umkreis des Künstlers Willi Baumeister. Aus einem privaten Briefwechsel geht hervor, dass sie über ihre Leidenschaft für exotische und rasante Autos schnell Kontakt fanden. Domnick kannte die Stuttgarter Architektenszene gut und schätzte das Zusammensein und die Gespräche über Baukunst. Er kannte auch Stohrers Bauten und fühlte sich von dessen Perfektionismus und hohen Ansprüchen an die Form sowie die kleinen Details angesprochen. Die Wahl des Architekten war daher schnell getroffen: Paul Stohrer erhielt 1967 den Auftrag zum Bau des Wohn- und Ausstellungsgebäudes der Domnicks.

Besondere Architektur

Die vollendete Verbindung von Wohnhaus und Galeriegebäude, von Lebensraum und musealer Nutzung war ungewöhnlich. Stohrer bewies ein feines Gespür für das Bauen in der Landschaft und für die überzeugende Balance zwischen offenen und geschlossenen Flächen, die nur an gezielt gesetzten Stellen Ausblicke erlaubt. Außerdem konnte Stohrer das Gebäude in kurzer Zeit qualitätvoll errichten, weil er eine ökonomische Bauweise mit Fertigteilen nutzte. In seiner Gesamtheit ist das Gebäude der klassischen Nachkriegsmoderne zuzurechnen. Am 30. Juni 1975 starb Paul Stohrer an den Folgen eines Herzinfarkts in Stuttgart.