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Kloster Lorch

Pfarrer Albert Knapp dichtet über die Staufertumba

Kloster Lorch aus der Luft

Ulrich Rund / ssg

Grablege der Staufer mit viel Programm.

Die idyllische Landschaftskulisse, die andächtige Atmosphäre der ehrwürdigen Klosteranlage – und die tragische wie bedeutende Geschichte ihrer Erbauer: Besonders im 19. Jahrhundert inspirierte Kloster Lorch viele Dichter zu poetischen Werken über die Grablege der Staufer, wie Albert Knapp: Er verfasste ein Gedicht über das Hochgrab in der Klosterkirche, die Staufertumba. Am 28. Juni jährt sich Knapps Todestag zum 157. Mal. 

Geistliche Bildung

Am 25. Juli 1798 wurde Albert Knapp in Tübingen geboren. Sein Vater, Gottfried Gabriel Knapp, war Hofgerichtsadvokat und Verwaltungsbeamter, seine Mutter, Henriette, geborene Finckh, die Tochter eines Stuttgarter Hofkammerrats. Seine Kindheit und Jugend verbrachte Knapp in Alpirsbach, Rottweil und Tübingen. 1814 wurde er Schüler im evangelischen Seminar von Kloster Maulbronn. Zu dieser Zeit verfasste er bereits Gedichte und dramatische Texte. Zu seinen literarischen Vorbildern zählte er unter anderem William Shakespeare, Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Zwei Jahre später begann Knapp das Studium der evangelischen Theologie an der Universität Tübingen. Auch mit Philosophie und Poesie beschäftigte sich der angehende Pfarrer weiterhin.

Vielseitiges Engagement

Albert Knapp verfasste im Laufe seines Lebens rund 1.200 weltliche und geistliche Gedichte. Ihre Sprache orientierte sich an der Bibel, an Martin Luther und Paul Gerhardt, einem der bedeutendsten deutschsprachigen Kirchenlieddichter. Viele von Knapp verfasste Kirchenlieder wurden in Gesangbücher übernommen – noch heute enthält das evangelische Gesangbuch einige von Knapps Werken. Der Theologe Wilhelm Nelle bezeichnete Knapp als den „geistlichen Klopstock des 19. Jahrhunderts“. Außerdem engagierte sich Albert Knapp im Tierschutz: Seiner Meinung war der Schutz von Tieren ein zutiefst christliches Anliegen. Im Juni 1837 gründete er in Stuttgart den ersten deutschen Tierschutzverein – den zweiten weltweit – und ein Tierheim.

Staufertumba

Ulrich Rund / ssg

Staufertumba im Kloster Lorch

Die Grablege in der Dichtung

Zwei Jahre später, 1839, erschien die Gedichtsammlung „Hohenstaufen. Ein Cyklus von Liedern und Gedichten“ von Albert Knapp mit dem Gedicht über die Staufertumba, das Hochgrab, in der Klosterkirche:

 

„Urvater Staufens! In der Mitte hier

Der Kirche, die Du gläubig auferbaut,

Ruhst Du, gehüllet in des Glaubens Zier,

Mit Agnes, deiner kaiserlichen Braut:

Wie still ist’s hier! O dieser Sarkophag,

Mög’ er bestehen bis zum Jüngsten Tag!“

 

An einer weiteren Stelle im Gedichtband heißt es:

 

"Inmitten steht ein alter Sarkophag,

er muss des Stifters Sterbgebein umschließen.

Ein Adler, drüber schwebend, ach er mag

Nicht mehr empor in Sonnenlüfte schießen.

Drei Löwen drunter, scharf zum Lauf gestreckt,

Wie löwenartig sonst gerannt die Staufen.

Doch wenn ihr nicht die Staufen auferweckt,

So werden auch die Löwen nimmer laufen!"

 

Die Staufertumba im Mittelschiff

Im spätgotischen Sarkophag sind die prominenten Toten der Klosterkirche gebettet: Abt Nikolaus Schenk von Arberg war es, der 1475 alle Gräber öffnen ließ und die vorhandenen Überreste der Staufer in der Tumba im Mittelschiff sammelte. Zwei der vier Eckfiguren tragen ein Kirchenmodell – es handelt sich entweder um die Stifter des Klosters, Herzog Friedrich und Agnes von Waiblingen oder um deren Sohn, König Konrad III., und seine Frau Gertrud. Die Grabplatte zeigt das Staufer-Wappen mit den berühmten drei Löwen, heute noch Teil des Landeswappens von Baden-Württemberg. Das Hochgrab stammt von einem Bildhauer aus Göppingen. 25 Jahre nach der Veröffentlichung des Gedichts über die Staufertumba starb Albert Knapp am 18. Juni 1864 in Stuttgart, im Alter von 65 Jahren.