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„Mobile Impfteams“ in Aktion

Pilotprojekt: Schwetzingen impft seine Senioren

Landrat Stefan Dallinger (2.v.r.) war zum Start der Vor-Ort-Impfungen selbst vor Ort, um sich ein Bild zu machen.

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„Ich freue mich“, hielt Landrat Stefan Dallinger fest, „dass es unser Schwetzingen ist, in dem es losgeht!“ Ja, in der Tat begann im Schwetzinger Lutherhaus jene neue ab jetzt von neun „Mobilen Impfteams“ in alles in allem 40 Kommunen des Rhein-Neckar-Kreises durchgeführte Impfaktion, in deren Mittelpunkt über 80-jährige Mitmenschen stehen. Und um das Fazit vorwegzunehmen: Der Auftakt zu dieser Impfaktion war ein voller Erfolg. Denn an den beiden Tagen fanden sich im Lutherhaus alles in allem 180 Seniorinnen und Senioren ein, um sich gegen das Corona-Virus impfen zu lassen.

Gleich zwei Termine

Jedes „Mobile Impfteam“ besteht aus einem Arzt, zwei medizinischen Fachangestellten und einem Fahrer. Mit von der Partie war auch der 86-jährige Paul Siefert, ein „waschechter“ Schwetzinger, der bis zum Erreichen des Pensionsalters als Versicherungskaufmann gearbeitet hat. Er freute sich nun ganz besonders darüber, dass in dem Einladungsschreiben der Stadt nicht nur sein erster Impftermin am 16. März genannt wurde, sondern auch gleich der zweite, in seinem Fall am 20. April.

Viele Dankesworte

Ein Schreiben der Stadt erhielten laut Ordnungsamtsleiter Pascal Seidel auch alle anderen gut 1400 Schwetzinger Über-80-Jährigen. Doch hätten 600 hiervon die Stadt wissen lassen, dass sie bereits geimpft seien. 180 wiederum hätten Bescheid gegeben, dass sie „hier geimpft werden wollen“. „Wir erfahren“, zog Pascal Seidel nun eine aus seiner Sicht rundum positive Bilanz, „ganz viel Dank von den Seniorinnen und Senioren.“

Ordnungsamtsleiter Pascal Seidel, Pfarrer Steffen Groß und OB Dr. René Pöltl war es ebenso eine große Freude, mit dem frisch geimpften Schwetzinger Ehrenbürger Walter Bährle und dessen Ehefrau Marianne (sitzend) ins Gespräch zu kommen, wie auch Ordnungs- und Gesundheitsdezernentin Doreen Kuss, Landrat Stefan Dallinger und Stadträtin Elfriede Fackel-Kretz-Keller (v.l.).

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Niederschwellig

Ebenfalls im Lutherhaus mit von der Partie war der gleichfalls 86 Jahre alte Walter Bährle. Nun galt die Freude des Schwetzinger Ehrenbürgers nicht zuletzt dem Fakt, dass auch seine Ehefrau Marianne, die demnächst ihren 81. Geburtstag feiern wird, am selben Tag wie er geimpft wurde. Überhaupt herrschte am ersten der beiden Tage der Impfaktion und aller Wahrscheinlichkeit nach auch am zweiten so etwas wie Friede, Freude, Eierkuchen zuhauf im Lutherhaus. So freute sich Oberbürgermeister Dr. René Pöltl darüber, wie „toll die Impfaktion angenommen wird“. Was für ihn auch daran liegen könnte, dass es sich um ein „niederschwelliges Angebot“ handele. Jedenfalls sei die Atmosphäre im Lutherhaus „entspannt und sehr, sehr ruhig“ und somit „fast wie zu Hause“.

Nur Moderna verimpft

Nicht unerwähnt lassen wollte das Stadtoberhaupt, dass man derzeit „noch relativ unkompliziert an Impfstoff“ herankomme. Von Stefan Dallinger war diesbezüglich zu erfahren, dass im Lutherhaus in der Tat der Impfstoff von Moderna zum Einsatz kam. Daher sei man, fuhr er fort, „von der aktuellen Debatte nicht betroffen“. Sprich: von der Debatte um den Astra Zeneca-Impfstoff, die zumindest an den beiden Tagen der Schwetzinger Impfaktion noch sehr heftig geführt wurde.

Dank an die Freiwilligen

Wichtig war Dallinger aber auch, ebenso wie Dr. Pöltl dem Verwaltungsteam, das sich im Lutherhaus einbrachte, nachdrücklich zu danken. Doch dankte er nicht nur diesem, sondern auch den „fantastischen Freiwilligen“, die „ganz viel ehrenamtliches Engagement“ an den Tag legen würden. Jedenfalls stehe die Impfaktion „anderen Impfzentren in nichts nach“, sie sei mithin „vorbildlich bei der Ausstattung, der Beratung und der Hygiene“. Also wirklich alles Friede, Freude, Eierkuchen?

Impfstation im Schwetzinger Lutherhaus

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An mehreren Stationen durchlaufen die Impflinge die verschiedenen Teilbereiche der Impfaktion - Patientengespräch, Impfung und Nachsorge

Noch nicht vorbei

Das nun aber doch nicht, denn Stefan Dallinger gab mit Blick auf die Gesamtsituation im Rhein-Neckar-Kreis zu bedenken, dass „wir noch nicht durch sind“. Oder in anderen Worten: „Das Virus ist noch da!“ Dass die „Zahlen wieder nach oben gehen“, nahm er zum Anlass für folgenden Appell: „Es liegt an uns allen, noch ein bisschen Maß zu halten, wir müssen immer noch vorsichtig sein.“ Konkret bedeute dies, Kontakte zu vermeiden, Infektionsketten zu unterbinden und die „AHA-Regeln“ einzuhalten. Auf keinen Fall dürfe man sich jedoch „irre machen lassen“ und etwa Angst vor einer Impfung haben. Vielmehr werde auch diese Maßnahme, also die Impfaktion, greifen. Weshalb er zu dem Schluss komme, dass „auch in dieser Krise eine Chance war“.

Freude auf Fortschritt

So wie der Landrat und der OB sprach auch Doreen Kuss, die im Landratsamt das Ordnungs- und Gesundheitsdezernat leitet, davon, dass sie Freude empfinde. Und zwar „Freude auf die nächsten Wochen“. Hierzu würden auch die „Mobilen Impfteams“ einen wesentlichen Beitrag leisten, die letztendlich 9000 Impfungen vornehmen würden.

Gruß vom Hausherr

Als Hausherr des Lutherhauses ließ es sich Pfarrer Steffen Groß nicht nehmen, seinen Gästen diese optimistischen Worte mit auf den Weg zu geben: „Die Pandemie ist nicht vorbei, aber seien Sie gewiss, wir schaffen das!“ Er sieht in der Impfaktion sowohl einen „ganz wichtigen Beitrag“, als auch den Versuch, „wirklich Gutes zu tun und Nächstenliebe zu üben“.

Imfpstraßen

Beim abschließenden Rundgang durch das Lutherhaus konnten die vier Stationen der Impfaktion in Augenschein genommen werden. Als da waren die Anmeldungs- und Registrierungsstation im Foyer sowie die fünf „Impfstraßen“, die aus jeweils drei Stationen bestanden. Eine für das Aufklärungsgespräch mit einem Arzt, eine für die Impfung sowie eine, in der die frisch Geimpften eine Ruhepause einzulegen hatten. Klappte alles wie vorgesehen, dürfte in der Regel kaum eine halbe Stunde vom Eintreffen im Lutherhaus bis zum Verlassen des Lutherhauses vergangen sein. So betrachtet lagen wohl alle, die für die Impfaktion ausschließlich Worte des Lobes gefunden hatten, goldrichtig. Doch weshalb sprach Stefan Dallinger eigentlich von „unser Schwetzingen“. Ganz einfach, er war von 1999 bis 2006 Erster Bürgermeister der Stadt Schwetzingen.

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Impfaktion für Senioren im Schwetzinger Lutherhaus

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Wer geimpft werden wollte, begann seinen Weg durchs Lutherhaus an der Anmeldungs- und Registrierungsstation im Foyer, an der es stets freundlich und aufmerksam zuging