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Kinderfonds südliche Kurpfalz

Schirmherren und -frauen unter sich

Kinderhilfsfonds südliche Kurpfalz

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Freuen sich über einen soliden Fonds, der vielfach Hilfe leisten konnte: Hans D. Reinwald (OB Leimen), Dirk Elkemann (OB Wiesloch), Ursula Igel (Diakonie) und Susanne Rohfleisch (Caritas) mit Dr. René Pöltl (OB Schwetzingen), Marcus Zeitler (OB Hockenheim), Dekanin Annemarie Steinebrunner und Dekan Jürgen Grabetz.

Denn anders wie sonst in der Gemeinderatssitzung nahm der Schwetzinger Oberbürgermeister nicht an der Spitze des Ratstisches Platz, sondern ganz bescheiden im Räterund. Neben ihm und gegenüber hatten drei weitere Vertreter seiner Zunft Platz genommen: der OB von Wiesloch, Dirk Elkemann, Hans D. Reinwald, OB der Stadt Leimen und mit Marcus Zeitler ein neues Gesicht in der Runde. Der jüngst ins Amt gekommene Hockenheimer OB bildet mit den drei Vorgenannten das Schirmherrenquartett des Kinderförderfonds südliche Kurpfalz.

Gemeinsam an einem Tisch

Am Ende des Tisches – dort wo sonst OB und Bürgermeister sitzen, hatten an diesem Morgen Ursula Igel von der Diakonie südliche Kurpfalz und Susanne Rohfleisch vom katholischen Pendant, der Caritas Platz genommen. Gemeinsam leiten die beiden kirchlichen Einrichtungen den Kinderförderfonds. Dekan Jürgen Grabetz und Dekanin Annemarie Steinebrunner komplettierten das ökumenische Kleeblatt anlässlich des alljährlichen Treffens der Schirmherren, an dem der Jahresbericht des Fonds vorgestellt wird.

Jubiläum steht an

Susanne Rohfleisch blickte zunächst zurück und auch gleichzeitig ein bisschen in die Zukunft. Denn vor 10 Jahren, im Jahr 2009 war beschlossen worden, der Kinderarmut in der Region etwas entgegen zu setzen. Im Jahr 2010 unterzeichneten die Oberbürgermeister der vier großen Kreisstädte sowie Vertreter von Diakonie und Caritas dann die gemeinsame Vereinbarung zur Einrichtung. Das bedeutet, dass 2020 für den Förderfonds ein besonderes Jahr wird, dann nämlich feiert er sein 10-jähriges Jubiläum. Doch warum gibt es ihn eigentlich?

Armut auf dem Vormarsch

Deutschland zählt zu den führenden Industrienationen und gemessen am wirtschaftlichen Erfolg sollte auch der Wohlstand hierzulande Einzug gehalten haben. Doch weit gefehlt. Viele Menschen sind arm. Das bedeutet in einem reichen Land nicht unbedingt obdachlos zu sein oder Hunger zu leiden. Doch viele Menschen können sich nicht leisten, was für andere normal ist. Das bekommen vor allem die schwächsten Glieder der Gesellschaft zu spüren, also auch Kinder.

Einkommensgrenze

Rund 21 Prozent aller Kinder in Deutschland leben über eine Zeitspanne von mindestens fünf Jahren dauerhaft oder wiederkehrend in Armut, also mit weniger als 50 Prozent des Durchschnittseinkommens, weitere 10 Prozent temporär. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung von 2018 sieht zudem bei Familien die Armutsrisikoquote als besonders hoch an, besonders bei Alleinerziehenden. Im Rhein-Neckar-Kreis lebt jedes elfte Kind von den Hartz IV-Bezügen der Eltern. Besonders Familien, die knapp über der Einkommensgrenze liegen, kommen schnell an ihre Grenzen. Das bedeutet für Kinder nicht nur die Verdrängung in eine Außenseiterrolle, sondern auch schlechte Ernährung, ein höheres Gesundheitsrisiko, mangelhafte Kleidung, ungesunde Wohnbedingungen und von kulturellen Angeboten und Freizeitaktivitäten ausgeschlossen zu sein.

Individuelle Förderung

„Wir haben uns damals gefragt, wie die Situation hier in unserem Einzugsgebiet ist“, erinnert sich Rohfleisch. „Manchmal ist es leichter, in der Ferne zu helfen, uns war es wichtig, in der Nähe zu schauen.“ Mit den Mitteln des Fonds sollen Kinder und Jugendliche individuelle Förderung in den Bereichen Sport, Kultur und Schule erhalten. Der Vorteil: Die Mittel sind eingebunden in den Alltag der Institutionen. „Wir wollen nicht einfach Gelder verteilen, sondern umfassende Beratung bieten“, so Rohfleisch. Die Beraterinnen und Berater von Caritas und Diakonie kennen die Bedürftigkeit, klären, ob staatliche oder sonstige Leistungen zusätzlich oder vorrangig in Anspruch genommen werden können und bieten, wo erforderlich und gewünscht, ergänzende Beratung und Hilfe an.

Hilfe, die ankommt

Die Mittel aus dem Förderfonds kommen unmittelbar den Kindern zugute. Die Zuwendungen sind immer Zuschüsse, das heißt, die Eltern zahlen immer einen Teil dazu. Aber nicht nur Freizeitaktivitäten wie Musik und Sport, Kleidung und Schulbildungsmittel, sondern auch Hilfen für einen Schullandheimaufenthalt, die Kosten einer Fahrradreparatur oder eines Klassenausfluges übernimmt der Fonds, wenn es seitens des Elternhauses schwierig wird.

 

Zum Beispiel im Fall von Familie L. Die Schulklasse der Tochter plante eine London-Reise, an der sie gerne teilgenommen hätte. Aus finanzieller Sicht unmöglich, die Familie erhält Leistungen nach SGB II. Ein Zuschuss aus dem Kinderförderfonds sorgte schließlich dafür, dass das Kind mit der Klassenfahrt ein ganz besonderes Erlebnis hatte, das die Eltern sonst nicht hätten finanzieren können. Oder bei der Tochter von Herrn G.: Die 11-Jährige träumt davon Profifußballerin zu werden, ihr Trainer fördert sie nach Kräften. Durch den Kinderförderfonds konnte die Mitgliedschaft im Fußballverein ein  weiteres Jahr verlängert werden und so kann das Mädchen weiter seinen Traum verfolgen. Es sind unzählige kleine Beispiele, wie der Fonds schnell und unbürokratisch helfen kann.

Kleidung gefragt

Besonders bei Kleidung muss der Fonds Eltern oft finanziell unter die Arme greifen. „Mich hat die hohe Nachfrage nach Kleidung immer überrascht“, meint Ursula Igel. Aber die Erfahrung zeige, dass Menschen in einer finanziellen Schieflage in der Regel kein Netzwerk haben, das sie unterstützt: Keine Oma, die mal Schuhe spendiert oder einen Nachbarn, der Babyklamotten übrig hat. Dazu kommt der Zwang, preiswert einzukaufen. „Ein T-Shirt für zwei Euro überlebt eben keine drei Kinder“, so Igel. Kritisch sehen die beiden die Tendenz, dass die Altkleider, die heute in den Kleiderstuben landen, oftmals nicht mehr tragbar sind. Das Verständnis, dass auch Menschen, die bedürftig sind, Kleidung haben müssen, die sie auf der Straße tragen können, herrsche heute oft nicht mehr, so Rohfleisch und Marcus Zeitler merkt an, dass in Zeiten digitaler Kleinanzeigen Kleidung oftmals noch auf diesem Wege verkauft wird.

 

Für den aktuellen Berichtszeitraum konnte man sich auf ein Spendeneinkommen von 27.200 Euro 2017 und 20.000 Euro im Jahr 2018 berufen. Rund 20.000 Euro an Fördergeldern wurden davon jährlich in zusammengenommen 382 Maßnahmen ausgeschüttet, darunter Zuschüsse zu Kleidung, Hort- und Kindergartengebühren und zur Freizeitgestaltung. 500 Euro beträgt dabei die Obergrenze pro Jahr und Familie. Da die Verwaltungskosten von den beiden Kirchen getragen werden, entstehen keinerlei Kosten, d.h. das gesamte Spendenaufkommen kommt ungeschmälert da an, wo es benötigt wird. Die Verwaltungsarbeit erledigen die Diakonie-Mitarbeitenden ohne Kostenersatz.

Kommt bald Besuch?

Einzelspender können anlässlich von Geburtstagen, Jubiläen, Hochzeiten oder „einfach auch so“ ihren Teil beitragen, und nicht zuletzt sind es Aktionen der Service Clubs, wie das Benefizkonzert des Rotary Clubs Schwetzingen – Kurpfalz im Rokokothater oder das Kindergarten-Starter-Set, das der Rotary Club Schwetzingen – Walldorf im Vorjahr unterstützt hat, die dazu beitragen, dass die Mittel des Fonds stabil bleiben. Sicher auch im kommenden Jubiläumsjahr, für das der Fonds die Mittel auf 26.000 Euro aufgestockt hat. Dann wird das Thema Kinderarmut auch Schwerpunktthema im Sozialministerium Baden-Württemberg sein. Vielleicht kommt zu diesem Anlass ja auch Sozialminister Manne Lucha einmal zu Besuch um sich ein Bild von der Arbeit des Fonds zu machen? Zu wünschen wäre es der vorbildlichen Arbeit der Institution.