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169 Familien nahmen Hilfe in Anspruch

Sieben Jahre „wellcome“-Projekt bei der Diakonie

Harriet Rappmund blickt auf sieben Jahre „wellcome“-Projekt.

cs

Harriet Rappmund blickte mit ehrenamtlichen Helferinnen auf sieben Jahre „wellcome“-Projekt.

Sie erhalten Hilfe bei der Kinderbetreuung – oder auch einfach Zeit geschenkt. Dafür stehen die ehrenamtlichen Helferinnen, die zusammen mit der Diakonie-Projektbeauftragten Harriet Rappmund einen Rückblick auf sieben Jahre warfen. Elf Frauen sind es derzeit, die Familien und Alleinerziehende nach der Geburt eines Kindes unterstützen. Das können Spaziergänge sein, damit Mama oder Papa mal Luft holen können, das kann die Betreuung des älteren Geschwisterkinds sein, das kann der Arztbesuch zusammen mit dem kranken Kind sein – und manchmal auch einfach nur das Dasein und die ermutigenden Worte, um zu zeigen, dass die Eltern mit den Herausforderungen, die Kinder mit sich bringen, nicht alleine sein. Das Spektrum der Hilfe bei „wellcome“ ist groß, nur eines ist klar, wie Harriet Rappmund sagt: „Im Fokus steht das Kind.“ Hausputz und Einkauf sind nicht Aufgabe der Frauen, die einmal pro Woche für ca. drei Stunden ihre Zeit schenken.

Niederschwelliger Ansatz

Einzige Voraussetzung um diese Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist, dass ein Kind im ersten Lebensjahr im Haushalt lebt. Dann reicht ein Anruf samt Gespräch bei Harriet Rappmund, die dann den Kontakt zwischen Familie und Ehrenamtlicher herstellt. 2018 waren das laut Information des Diakonischen Werks Weinheim 27 Familien. Fünf Euro zahlen die Familien pro Stunde – wenn sie es können. „Am Geld scheitert die Hilfe aber nicht“, verdeutlicht Rappmund. Das Geld wird zur Erstattung möglicher Fahrtkosten der ehrenamtlichen Helferinnen verwendet. Mehr bekommen sie auf finanzieller Ebene nicht. Aber für Herz und Seele. Froh und dankbar seien die Familien, sagt eine der an diesem Morgen anwesenden Helferinnen. Davon sprechen auch die gemalten Bilder der Kinder zum Abschied nach Monaten, in denen man sie und ihre Eltern begleitet hat. Und manchmal halten sich die Kontakte auch weit über die Monate des „wellcome“-Projekts hinaus. „Es kommt vor, dass Menschen sich treffen, die sich verstehen“, sagt Harriet Rappmund – und lacht.

Warteliste eingerichtet

Das Projekt erlebt eine steigende Anfrage. Wobei sich viele – vor allem alleinerziehende – Mütter oft nicht trauen. Der eigene Anspruch steht der Hilfe im Weg. „Die Mütter meinen, dass sie es alleine schaffen müssen“, erklärt Harriet Rappmund. Auch Familien mit Migrationshintergrund sind selten. Hier gibt es die kulturellen Unterschiede samt des Gedankens, dass die Familie die Kinderversorgung übernimmt. Selbst wenn das durch etwa Flucht wegbreche, bleibe der Gedanke im Kopf.
Mittlerweile gibt es in Weinheim dennoch eine Warteliste – auch, weil Weinheim im größeren Umkreis die einzige Stadt ist, die das Projekt, das in Hamburg gegründet wurde, übernommen hat. In Heidelberg oder Mannheim gibt es das nicht. Doch es fehlen die Kräfte, um die Nachfrage zu bedienen. Dabei bringe man sich für eine gewisse Zeit ein und könne dann auch wieder Pause machen, erklärt Rappmund die Arbeit der „Wellcome“-Ehrenamtlichen. Ein wieder eintretender Abstand, den die anwesenden Frauen zu schätzen wissen. Ebenso wie das Wissen um die Rückendeckung durch Harriet Rappmund, bei der sie sich gut aufgehoben fühlen. Und manchmal auch unter den Händen von Erich Prosche von „bewell“. Wie geschrieben gibt es kein Geld für die Hilfe – aber Prosche sorgte vergangenes Jahr im Kreis der Ehrenamtlichen für Entspannung, als er den Frauen eine wohltuende Massage als Dank für ihr Engagement verpasste.