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Wiederaufnahmen im September

Theater analog und ausgezeichnet

Hye-Sung Na als Nedda in »Pagliacci«

Susanne Reichardt

Hye-Sung Na als Nedda in »Pagliacci«

Den Beginn macht das hochgelobte und mehrfach ausgezeichnete Zweipersonenstück »Das weiße Dorf« der Linzer Autorin Teresa Dopler am Mittwoch, 15. September 2021 im Zwinger 1. Die beiden Protagonist*innen, Ruth (Katharina Ley) und Ivan (Friedrich Witte), begegnen sich in der Inszenierung von Ron Zimmering nach vielen Jahren auf einer Kreuzfahrt mitten auf dem Amazonas wieder. Unter dem Mantel der Heiterkeit stellt ihr Porträt falsche Lebensentscheidungen in Frage und berührte die Kritik: Bereits 2019 mit dem deutschsprachigen Autor*innenpreis des Heidelberger Stückemarkts prämiert, sammelte »Das weiße Dorf« zuletzt im Jahrbuch der Fachzeitung »Theater heute« 2021 zahlreiche Nennungen.

Spiel mit den Masken

Der wiederaufgenommene Opernkrimi »Pagliacci (Der Bajazzo)« bringt ab Donnerstag, 16. September 2021 die zeitgemäße Frage auf die Bühne zurück, der sich die Gesellschaft seit rund einem Jahr stellen: welche Persönlichkeit und welche Gefühle verstecken sich wohl hinter der Maske (Kostümbild Alexandre Corazzola)?. Der kompakte Opernklassiker von Ruggero Leoncavallo wurde Ende des 19. Jahrhunderts in Mailand uraufgeführt und erscheint thematisch heute in ganz neuer Aktualität. Erzählt wird die Geschichte der schönen Nedda (Hye-Sung Na), die mit der Commedia-dell’arte-Truppe ihres Mannes, dem Clown Canio (Chaz'men Williams-Ali) durch Italien reist. Hinter der Maske des glücklichen Clowns verbergen sich jedoch ganz andere Gefühle und auch Nedda führt ein heimliches Doppelleben, sie verliebt sich in den Bauern Silvio (Ipča Ramanović) und löst damit ein Eifersuchtsdrama aus. Regisseurin Andrea Schwalbach und Bühnenbildnerin Anne Neuser gestalten in der soeben begonnenen Spielzeit 2021|22 auch die Neuinszenierung von Vincenzo Bellinis lyrischer Tragödie »I Capuleti e i Montecchi« (Premiere am 28. November 2021).

Meerschweinchen, die auf Bühnen starren

In der deutschsprachigen Erstaufführung von »Schimmerndes Wasser« sind die beiden Hauptfiguren Manisha und Ally alles andere als »alle anderen«: Sie haben keine Freunde, seltsame Interessen und sind, so könnte man sagen, ziemlich düster. Als das über alles geliebte Meerschweinchen der Lehrerin aus dem Klassenzimmer verschwindet, verdächtigt sie sofort die beiden Mädchen. Die beiden fliehen in den Wald, wo schwarzes funkelndes Wasser schimmert. Hier erkennen sie ihre Ängste, finden zu sich selbst und zueinander. Autorin Johanna Emanuelsson zeichnet mit ihrer kraftvollen und gleichzeitig feinen Sprache ehrliche und eigenwillige Figuren, die auf wunderbar schräge Weise von Verlust, Sehnsucht und dem Leben selbst erzählen. Regisseur Andreas Weinmann entwickelte diese Inszenierung im Rahmen seines Regiestudiums. Sie entsteht in Kooperation mit der Hessischen Theaterakademie HTA und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main. Bisher nur einmalig und digital gezeigt, präsentiert das Junge Theater Heidelberg mit »Schimmerndes Wasser« für Kinder ab 12 Jahren am Freitag, 24. September 2021 nach »Und außerdem sind Borsten schön« bereits die zweite Premiere in der neuen Saison. 

 

Weitere Informationen sowie Karten unter www.theaterheidelberg.de oder an der Theaterkasse, Theaterstraße 10; 06221 | 5820.000; tickets@theater.heidelberg.de