Merken

Jungtiere sind bedroht

Tummelplatz für Mauereidechsen bietet nicht genügend Platz

Felsen für Mauereidechsen im Hummelberg bei Güglingen

Ines Schmiedl

Entlang eines markanten Felsbandes oberhalb des Gewanns Hummelberg finden sich viele Eidechsen.

Der weite Ausblick über die Landschaft interessiert die Reptilien nicht, eher schon die für sie gemütlichen Felsen und die Mauerritzen, in denen sie sich fluchtartig verstecken können.

Idealer Tummelplatz für Mauereidechsen

„Die sonnenexponierte Lage ist ideal für Eidechsen und in diesem Jahr ist die Population besonders groß“, sagt der Sprecher der BUND-Gruppe Zabergäu Dr. Wilhelm Stark. Den wunderbaren Felsaufschluss im Hummelberg, der weithin sichtbar ist, findet Stark schöner als die Felsen im Zweifelberg in Brackenheim. Das Felsband auf Güglinger Gemarkung, das vor zwei Jahren bei einem kreisweiten Landschaftspflegetag in Zusammenarbeit mit dem Landschaftserhaltungsverband Heilbronn und vielen Helfern von Gebüsch und Gestrüpp freigeschnitten wurde, könnte mit wenigen Mitteln in beide Richtungen erweitert werden. Schon der freigeschnittene Bereich bedarf einiger Pflege: Mindestens zwei Mal im Jahr schneidet Wilhelm Stark die Brombeeren zurück, damit das Felsband nicht wieder verbuscht.

Starks Beobachtungen zufolge entwickeln sich die Eidechsen am Hummelberg prächtig, doch das bringt das nächste Problem mit sich. Mauereidechsen verteidigen ihr Revier, für die eigenen Jungtiere ist nicht genug Platz, befürchtet der Naturschützer. Allenfalls können sie in die benachbarten Weinberge abwandern. „Doch das ist suboptimal“, so Stark. Viel besser wäre es, weitere Teile des am Hummelberg vorhandenen Felsens freizuschneiden und so den Lebensraum der Eidechsen zu erweitern, damit Jungtiere eigene Reviere bekommen. Uli Peter, der Vorsitzende des Zabergäuvereins, findet diese Idee ebenfalls gut: „Wir könnten einen Aufruf starten und Unterstützer suchen“, so sein Ansatz. Einen ersten Erfolg können die beiden schon verbuchen, ein ortsansässiger Unternehmer würde die Arbeit unterstützen. Auch die Beschilderung könnte verbessert werden, finden Stark und Peter: Auf dem vorhandenen Schild wird auf Zauneidechsen hingewiesen, die am Hummelberg gar nicht zu finden sind. Denn auch sie werden von den Mauereidechsen verdrängt.

Biotop für viele Tierarten

Aufgrund der hohen Eidechsenpopulation könnte sich jedoch ein anderes Tier ansiedeln, das in der Region sehr selten ist: „Schlingnattern ernähren sich von Eidechsen“, so Stark. Das scheue Tier wird bis zu 60 Zentimeter lang und würde sich in den Weinbergmauern und Felsen ebenfalls wohlfühlen. „Wäre noch eine Schicht auf der Trockenmauer obenauf, wäre es noch besser für die Schlingnattern“, so der BUND-Sprecher. Und nicht nur das, die sonnenverwöhnte Lage würden auch Tagfalter wie der Mauerfuchs mögen. Diesen gibt es bereits wieder am Zweifelberg, am Hummelberg wurde er noch nicht gesichtet. Der felsige, blumenreiche Hang würde sich für einen weiteren Schmetterling eignen: „Der Apollofalter gilt in Baden-Württemberg als ausgestorben, aber für den wäre der Lebensraum am Hummelberg ebenfalls ideal“, so Stark. „Wir haben hier ein Kleinod mit speziellen geologischen und geografischen Besonderheiten für Flora und Fauna. Wir sollten an dem Bereich viel mehr bewegen“, so auch Uli Peter vom Zabergäuverein. Das Gelände um den der Württembergischen Weinkönigin von 2010 bis 2011 Karolin Harsch gewidmeten Platz gehört der Stadt Güglingen.

Mit den Römern eingereist

Mauereidechsen sind ursprünglich nicht heimisch in unserer Region, leben aber schon sehr lange hier. Sie wurden von den Römern durch den Weinbau eingeschleppt und fühlten sich schnell wohl an sonnenbeschienenen, möglichst felsigen Hängen. In ihrem Erscheinungsbild ist sie sehr variationsreich mit flachem Kopf, leicht abgeflachtem Körper und langem, in eine feine Spitze auslaufenden Schwanz. Die Grundfärbung des Rückens ist grau oder braun in verschiedenen Tönungen, manchmal grünlich. Mauereidechsen ernähren sich von Insekten und können gut klettern.