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Kulturhaus Pumpwerk

Unterhaltsamer Appell für die Mundart

Arnim Töpel

Dominic Manuel

Arnim Töpel

Töpel ist begeisterter und begeisternder Vertreter von musikalischem Kabarett in Mundart. Das stellte er bei seinem Auftritt in Hockenheim wieder einmal unter Beweis. Im ausverkauften Haus bekundete er, dass es gar nicht so selbstverständlich sei, dass er heute so ein leidenschaftlicher Dialekt-Sprecher ist. Was in seiner Biographie begründet ist: Geboren in Heidelberg und aufgewachsen in Walldorf ist er zwar seit Geburt in der Kurpfalz verwurzelt, seine Eltern kommen allerdings aus Berlin. Gesprochen wurde zu Hause nur hochdeutsch. In seiner Kindheit und Jugend fiel er mangels Dialektkenntnisse also eher auf („Wieso sprisch du so komisch?“) und musste da erst einmal reinwachsen.

"Hot sie Äcker?!

Inzwischen beherrscht er die sprachlichen Gepflogenheiten der Region bestens. Er kann genau unterscheiden, ob man in dem einen Dorf einen bestimmten Laut so oder so betont. Und worauf es ankommt bei den Frauen hat er früh gelernt: „Hot sie Äcker?“ Wie ein wandelndes Vokabular für Kurpfälzer Dialekte führte er so die Gäste im Pumpwerk genüsslich durch sein Programm „Masterbabbler“.
Das Publikum nahm hörbar amüsiert an der Erörterung hiesiger Sprachmerkmale teil. Was ist die wichtigste Frage wollte Töpel vom Publikum wissen. Die Antwort kam unvermittelt im Chor: „Wem ghörsch‘n Du?“ Im Dialekt klingt vieles einfach schöner, findet Arnim Töpel. Und das beweist er auch musikalisch. Bei seinem Auftritt im Pumpwerk wechselte er für seine Lieder zwischen Klavier und Keyboard. Einmal holte er auch einen Bass hervor.

Körper wird Schlagzeug

Arnim Töpel kann sich aber auch ohne Instrumente begleiten. Er schlug sich einfach rhythmisch auf die Backen oder die Brust und machte seinen Körper so zum Schlagzeug. In seinen Liedern thematisierte Töpel ebenfalls die regionalen Gepflogenheiten, schlug aber auch mal den Bogen zu den großen Themen, indem er die Leistungsgesellschaft oder die Patchworkfamilien aufs Korn nahm. Auch die Energiewende oder die Gleichberechtigung finden in seinen Songs Platz. Letztendlich steht die Mundart aber immer im Vordergrund. Wer nicht ganz so fit darin gewesen sein sollte – kein Problem. Töpel übersetzte immer wieder das Gesagte.

Helf ma mol

Die Hockenheimer Geschichte kam an diesem unterhaltsamen Abend ebenfalls nicht zu kurz. Arnim Töpel las mehrmals historische Fakten vor und verarbeitete sie in seinem Programm. So widmete er etwa das Lied „Helf ma mol“ dem wohlhabenden Bürger Johann Georg Fuchs, der vor rund 200 Jahren in Hockenheim für seine Wohltaten bekannt war. Musikalisch machte Töpel auch einen Ausflug in seine eigene Vergangenheit, indem er seinen ersten für einen Auftritt komponierten Titel spielte.

Für den Dialekt

Außerdem gab es das Lied zu hören, das er für die Landesgartenschau geschrieben hatte. Auch wenn er, wie er zugab, es nicht mehr ganz genau hinkriegte – beim Publikum kam es bestens an. Da Dialekte laut Töpel inzwischen ins Hintertreffen geraten, möchte er dem entgegenwirken. Dialekte stehen für Heimat, Identität und Verwurzelung. Er sei ein Verfechter von allen Dialekten, so Töpel. Wer es bis dahin noch nicht war, der dürfte es spätestens nach seinem Auftritt ebenfalls sein.