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Viele Tipps für Migrant*innen

VHS-Online-Talk mit Landtagspräsidentin Muhterem Aras

Sie alle lernen Deutsch und besuchten mit Horst Krög (rechts) von der Volkshochschule Bezirk Schwetzingen die Online-Diskussion mit Landtagspräsidentin Muhterem Aras.

vhs

Wann bin ich integriert? Wie können Migrantinnen in Deutschland als Frau erfolgreich sein? Wie lange kann der Staat Geld für Kurzarbeit ausgeben? Welche Tipps gibt es für die ersten Jahre in Deutschland? Einen bunten Strauß an Fragen erhielt Muhterem Aras, Landtagspräsidentin in Baden-Württemberg und Mitglied von Bündnis90/Die Grünen, bei der Online-Diskussion in der Volkshochschule Bezirk Schwetzingen. Vor allem Teilnehmer*innen des Integrationskurses waren der Einladung des Volkshochschulverbandes gefolgt, um mit der Politikerin zu reden. Kompetent und ohne politische Wortblasen beantwortete Aras alle Fragen. Sie zeigte sich sehr interessiert an den jungen Menschen aus Syrien, dem Irak, aus Kroatien, Afghanistan, der Türkei und anderen Staaten.

Einfühlsam

Muhterem Aras kann aufgrund ihrer eigenen Migrationsgeschichte gut nachvollziehen, wie schwer ein Neuanfang in einem fremden Land ist, zumal wenn die Familie weit weg ist, man die Sprache noch nicht kann und in einer unsicheren Situation lebt. Projektleiterin Dr. Katrin Bischl hat die Veranstaltung vor- und nachbereitet. Am Nachmittag machte sie Wortschatztraining und Textarbeit mit den Deutschlernenden. „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten wissen, mit wem sie am Abend sprechen. Auch mussten sie viele neue Wörter lernen, zum Beispiel Landtagspräsidentin.“

Positives Fazit

Nach der Online-Veranstaltung diskutieren sie und Horst Krög, Abteilungsleiter der Volkshochschule Bezirk Schwetzingen, mit den Gästen. Es zeigte sich: Alle zogen ein sehr positives Fazit. Kein Wunder, dass sie gerne länger blieben, um über die Veranstaltung, die deutsche Politik und ihre eigene Situation zu sprechen.

Spannende Einblicke

Sehr interessant und sympathisch fanden viele, dass Muhterem Aras auch Einblicke in ihr Privatleben gewährte. So erzählte sie von ihrer Kindheit in der Türkei und einem Haus voller Leben, da fast 40 Personen zusammenlebten und sich alles teilten. Es war nie langweilig, die Kinder passten aufeinander auf, es gab wenig Platz für Individualität, aber viel gemeinsames Erleben. Viele Gäste dieses Abends fühlten sich an ihre Heimat erinnert, in der sie ähnlich gelebt hatten. Ebenso wie Muhterem Aras mussten sie sich in Deutschland umstellen. Viele leben nun alleine.

Hoffnung

Überrascht waren viele zu hören, dass die Politikerin in ihren ersten Jahren in Deutschland wenig schlechte Erfahrungen gemacht hat. Erst in der letzten Zeit sei sie im Zusammenhang mit Ihrer Funktion im Landtag rassistisch und fremdenfeindlich angegriffen worden; eine Erfahrung, die leider viele Migran*tinnen sowie Flüchtlinge teilen. Hoffnung machte die Politikerin von Bündnis90/Die Grünen den Flüchtlingen in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen. Der neue Koalitionsvertrag in Baden-Württemberg sehe für sie mehr Sicherheit und eine bessere Bleibeperspektive vor. 

Auch Rückfragen

Aras stellte auch Fragen an die Zuhörenden. Beispielsweise fragte sie nach deren Erfahrungen in Deutschland, ihren Wünschen, ob sie Heimweh haben oder schon Freunde gefunden haben. Sie ermutigte alle, auf Deutsche zuzugehen und sie anzusprechen. Für die Teilnehmenden eine neue – und schöne – Erfahrung, dass eine Politikerin „wissen will, wie es uns geht“. Die Online-Veranstaltung war Teil des Projektes „Bring Dich ein – Your Voice Matters!“, das vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und dem Volkshochschulverband Baden-Württemberg getragen wird.