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65 Jahre Freibad in Walldorf

Vom Baggerloch zum Freizeit-Highlight

Badesee in Walldorf Ende der 1950er Jahre

Vereinigung Walldorfer Heimatfreunde (Archiv)

Aus den recht ansehnlichen Wiesen mit ihren Kümmelstauden wurde zunächst Ackerland, das jedoch aufgrund des kieshaltigen Untergrunds keinen großen Ertrag brachte. Wohl auch aus diesem Grund wurde hier, Nahe der Heidelberger Straße, der erste Fußballplatz Walldorfs eingerichtet.

Im Jahr 1950 entstand auf dem schmucklosen Areal die Grube, aus der von einer Heidelberger Firma Kies gebaggert wurde. Schnell entwickelte sich die große Mulde, die sich zusehends mit Grundwasser füllte, zu einem Magnet für kleine und große Wasserratten. So war der künstlich entstandene See bereits vor dem eigentlichen Schwimmbadbau ein beliebtes Ziel. In Walldorf machte man sich aus diesem Grund Gedanken, wie dieses Potenzial zu nutzen und in eine offizielle Form zu bringen sei.
Motoren der anschließenden Verwirklichung eines Walldorfer Schwimmbades waren der damalige Gemeinderat sowie Bürgermeister Wilhelm Schmelcher. Die Planung für das Freizeitgelände wurde den Architekten Lange und Mitzlaff aus Mannheim übertragen. Die landschaftliche Gestaltung lag in der Obhut des Gartenbaudirektors Karl Ockel aus Karlsruhe. Die Bauleitung hatte Gemeinderatsmitglied Eugen Hornig inne.

Planierraupe der US Army 1953 in Walldorf

Vereinigung Walldorfer Heimatfreunde (Archiv)

Pioniere der US-Armee bei der Arbeit mit schwerem Gerät

Mit amerikanischer Hilfe …

Nach Antrag bei der alliierten Militärregierung rückten im November 1952 Soldaten des 45. amerikanischen Pionierbataillons an und halfen dabei, das rund 60.000 Quadratmeter große Gelände vorzubereiten. Die Männer rückten mit drei Planierraupen, zwei Tiefbaggern, zwei Erdhobeln, sechs schweren Lastwagen und einer Walze an. Somit war die Voraussetzung gegeben, dass das große Areal professionell umgestaltet werden konnte. Die US-Soldaten hatten ihre Zelte dabei, in denen sie vor Ort übernachteten. Die Pioniere flachten den westlichen und nördlichen Teil des Baggersees auf etwa 15 Metern Breite und 240 Metern Länge so ab, dass ein Badestrand entstand.
Der Wald wurde begradigt und die Verbindung zwischen Heidelberger Straße und Schwetzinger Straße, die Straße "Am Waldschwimmbad" fertiggestellt. Diese bildet heute die südliche Begrenzung des Freibads.
Nach fünf Tagen waren die Amerikaner mit den Arbeiten fertig und zogen am 21. November wieder ab. Später halfen sie den Walldorfern noch einmal, und zwar beim Bau der alten Astoria-Halle. Hierbei übernahmen die US-Pioniere die notwendigen Erdarbeiten.

Familienausflug am Walldorfer Baggersee

Elke Hemmer

Familien verbrachten schon in den 1950er Jahren den Sommer am heimischen Strand.

„Ungekünstelte Erholungsstätte“

Am 5. Juli 1953 wurde das Waldschwimmbad durch Bürgermeister Schmelcher eingeweiht. „Noch im vergangenen Jahr wagte kaum jemand an die Erfüllung dieses schon seit langer Zeit von der Bevölkerung gehegten Wunsches, ein eigenes Schwimmbad zu besitzen, zu glauben“, schrieb die „Rhein-Neckar-Zeitung“ am 4. Juli 1953. „Durch die Verwendung natürlicher Gegebenheiten, durch das Einbeziehen von Wiesen und herrlichem Mischwald in die Gesamtanlage, deren Mittelpunkt der 15.000 Quadratmeter große Badesee bildet“ sei eine „ungekünstelte Erholungsstätte entstanden“.
In den ersten Jahren kamen an manchen Wochenenden bis zu 10.000 Badegäste pro Tag. Um die Einrichtung attraktiver zu machen wurde 1955 auf dem Freibad-Areal der erste Kinderspielplatz eingerichtet.

Die Eintrittspreise im Eröffnungsjahr des Waldschwimmbads

Kinder und Kriegsbeschädigte über 50 Prozent mit Garderobe: 20 Pfennige
Erwachsene: 50 Pfennige
Jahreskarte Kinder: 4,00 DM
Jahreskarte Erwachsene: 8,00 DM
Jahreskarten für Einheimische über 60 Jahre: 2,00 DM


Auszüge aus der Badeordnung

Der Besuch des Bades war von 7.00 Uhr bis 21.00 Uhr gestattet. Schulkinder durften allerdings nur bis 18.00 Uhr bleiben.

Das Schwimmen und Baden war nur in Badeanzügen und Badehosen gestattet.
„Lärmen, Raufen und grobes, unverträgliches verhalten gegenüber anderen Badegästen sind nicht erlaubt“, hieß es in der Badeordnung.
Menschen mit „ansteckenden oder ekelerregenden Krankheiten“ waren vom Schwimmbadbesuch ausgeschlossen.
Zudem war das Ballspielen auf dem Gelände verboten.

Vorbildfunktion und Erweiterungen

Dass das Bad in dieser Zeit seinesgleichen suchte, sprach sich offenbar auch europaweit herum. Im Juni 1955 reiste eine Delegation aus den Niederlanden eigens nach Walldorf, um die Erholungsanlage in Augenschein zu nehmen. Das Waldschwimmbad sollte als Anregung für eine Naturbadanlage am Slotersee bei Amsterdam dienen.
In den Jahrzehnten danach gab es immer wieder Veränderungen, teils auch größere. In den ersten Jahren waren diese vor allem auch durch den allmählichen Rückgang des Grundwasserspiegels bedingt. So wurde 1964 die Wassertiefe des Sees durch Baggermaßnahmen vergrößert auf nunmehr 14 Meter. In den Jahren 1965 und 66 kamen zunächst das Nichtschwimmerbecken, dann das Sportbecken - von den Walldorfern „Olympia-Becken“ genannt - hinzu. Ergänzend wurden die entsprechenden Wasseraufbereitungsanlagen eingerichtet. Das Kinderplanschbecken im Südwesten des Geländes ist seit 1968 ein nicht mehr wegzudenkender Teil des Freibads.

Sprunganlage im Waldschwimmbad Walldorf

Vereinigung Walldorfer Heimatfreude (Archiv)

Die Sprunganlage war bis Ende der 1960er Jahre etwas für ganz Mutige.

Gemeinderäte als Kartenabreißer

Der Besucherandrang war teilweise so stark, dass sogar Gemeinderatsmitglieder eingespannt wurden, um beispielsweise Eintrittskarten zu kontrollieren. So hatte der damalige Bürgermeister Wilhelm Willinger im Jahr 1967 die gewählten Vertreter gebeten, ehrenamtlichen Dienst im Schwimmbad zu leisten. Schließlich handelte es sich beim Waldschwimmbad um eine städtische Einrichtung.
Im November 1971 kam, nach rund zweijähriger Bauzeit, das Hallenbad hinzu und ermöglichte damit Badevergnügen auch in den kälteren Monaten.

Postkarte des Waldschwimmbads (nach 1971)

Vereinigung Walldorfer Heimatfreunde (Archiv)

Ende 1971 wurde das Badevergnügen mit dem Hallenbad (im Hintergrund) komplett.

Sanierung und Umgestaltung

Anfang der 1980er Jahre ging man unter Bürgermeister Dr. Jürgen Criegee von Seiten der Stadt die Neugestaltung des Eingangsbereichs an. Im Zuge dieser Baumaßnahmen wurden ein neuer Kassenbereich, ein Restaurant mit Schwimmbadkiosk sowie neuen Umkleidekabinen und Sanitäreinrichtungen geschaffen. Zudem wurde das Hallenbad mittels eines überdachten Stegs mit dem neuen Baukörper verbunden. Im Mai 1983 wurde der Eingangsbereich eingeweiht.
Bei einer umfangreichen Sanierung in den Jahren 1996 und 97 wurde das Freibad auf den aktuellen Stand der Technik gebracht.
Durch solche ständigen Erneuerungen und Erweiterungen stieg die Attraktivität des Waldschwimmbads weiter und es baute seine Position als Besuchermagnet aus – bis heute.

Das Waldschwimmbad wird zum AQWA

Von der riesigen, doch aus heutiger Sicht eher eintönigen Wasserlandschaft des alten Baggerlochs mit Kiesstrand ist heute nichts mehr zu spüren. Seit den 1960er Jahren hat sich auf den „Kümmelwiesen“ am Waldrand so einiges getan.
Im Jahr 1999 übernahm der städtische Eigenbetrieb für die Wasser- und Stromversorgung, die Stadtwerke Walldorf, den Betrieb von Waldschwimmbad, Hallenbad und Sauna.
In den Neubau des Hallenbads mit Saunalandschaft sowie in Umbaumaßnahmen und die aufwändige Sanierung des Freibads haben die Stadtwerke Walldorf - mittlerweile eine GmbH - insgesamt rund elf Millionen Euro gesteckt. Seit Oktober 2011 steht das neue Hallenbad den Besuchern offen.

Rutsche im AQWA Freibad

Stadtwerke Walldorf

Attraktionen wie die Riesenrutsche sorgen heute für viel Spaß im und am Wasser.

Ansprechende Freizeitlandschaft

Mit dem immer noch bestehenden Badesee, dem Hallenbad, dem Sauna- und Wellnessbereich sowie zahlreichen Sportmöglichkeiten hat sich der AQWA Bäder- und Saunapark zu einer Freizeitanlage entwickelt, bei der nicht nur das Schwimmen und Planschen im Vordergrund stehen. Die drei beheizten Becken - Kinderbecken, Nichtschwimmerbecken und Olympia-Becken - laden zu Aktivitäten und Vergnügen rund ums Wasser ein. Daneben findet sich beim Kinderbecken die „Pirateninsel“, ein großer Spielbereich mit Abenteuergarantie für alle kleinen Schwimmbadbesucher.

Bewegen und Entspannen

Im Freibad laden die großen Rasenflächen und der Sandstrand am See zum Relaxen und Sonnenbaden ein. Wer es lieber schattig möchte, findet im Wald unter Eichen das passende Plätzchen. Und von den kleinen grasbewachsenen Hügeln am nördlichen Seeufer hat man einen schönen Ausblick über das gesamte Freibadgelände. Im kleinen Wäldchen finden sich auch Sitzgelegenheiten zum Picknicken. Neben dem Sportbecken können alle Besucher mit Spaß an Bewegung Beachvolleyball, Basketball oder Tischtennis spielen. Auch Freunde des runden Leders finden dort ausreichend Platz zum Kicken.

AQWA ist mehr als Baden

Mit Beginn der Freibadsaison gibt es rund um den Badesee noch mehr zu erleben, als den Badespaß. Wer abwechslungsreiche Musikevents unter freiem Himmel mag, ist im Walldorfer Freibad ebenfalls bestens aufgehoben. Den Auftakt machte bereits am Pfingstwochenende das „Seastage Rockin“ im Rahmen des diesjährigen „Rock'n'Roll Weekender“ und führte die Gäste in die 1950er Jahre. Über den Sommer gibt es dann mal Reggae mal Klassik auf der Seebühne – eben für jeden Liebhaber von Live-Musik etwas.

Besuchermagnet für Badefans

In der Walldorfer Bäderlandschaft finden heute sowohl Sportbegeisterte als auch Sonnen- oder Erholungshungrige und Familien mit Kindern eine Freizeiteinrichtung, die in der Umgebung ihresgleichen sucht.
Das ehemalige wassergefüllte und schmucklose Baggerloch hat sich zum Waldschwimmbad und weiter zum AQWA Bäderpark entwickelt. Walldorf wurde hierdurch um eine Attraktion zur Freizeitgestaltung und sportlichen Aktivität reicher. Das Freibad ist heute ein Freizeit-Highlight für die gesamte Umgebung.