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Im Wald lernen fürs Leben

„WaldMachtMut!“ wieder zu Gast an der Schimperschule

Leo aus Bulgarien ist erst seit ein paar Monaten in Deutschland. Die Sprache beherrscht er noch kaum. Die drei Tage im Wald brachten ihn der Klasse näher.

Marco Montalbano

Leo aus Bulgarien ist erst seit ein paar Monaten in Deutschland. Die Sprache beherrscht er noch kaum. Die drei Tage im Wald brachten ihn der Klasse näher.

Schon zum dritten Mal nahm Waldpädagoge Frank Hoffmann bei „WaldMachtMut!“ eine Klasse der Schimper-Gemeinschaftsschule von Montag bis Mittwoch mit in den Wald. Dort konnten die Kinder der sechsten Klasse erleben, was Gemeinschaft bedeutet, sich bei pädagogisch durchdachten Spielen, die auch Spaß machen, selbst beweisen, sowie dabei ihre Stärken heraus finden und trainieren. Ebenso entdeckten die jungen Teilnehmer, was Durchhaltevermögen heißt und wie gut es tut, eine Sache „durchzuziehen“ – alles Qualitäten, die sie nicht nur für ihre schulische Laufbahn, sondern für das ganzes Leben gut gebrauchen können. Das „mutmachende“ Programm war 2020 gemeinsam von der Nussbaum Stiftung mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald beim Rotary Club Schwetzingen-Kurpfalz zur Förderung eingereicht worden, gewann den Rotary Award und wurde nun - aufgrund Corona etwas zeitlich versetzt - in drei Aktionen umgesetzt (wir berichteten).

Hausbauen mal anders

Es ist Mittwoch und der letzte Tag, an dem die fast 30 Kinder zusammen mit Klassenlehrerin Jennifer Gromer und Co-Lehrerin Julia Kolb das Klassenzimmer gegen den Oftersheimer Wald getauscht haben. Die Kinder lachen und scherzen, einige schnitzen noch an ihrem „Waldtalisman“, den sie als Erinnerung an die gewonnene Kraft und die gemachten Erfahrungen mit nach Hause nehmen werden. Nils und Luca stehen neben einem „Waldhaus“, das an ein Wigwam erinnert. Lange Äste wurden kunstvoll um einen Baum drapiert und mit einer Außenwand aus Moos verkleidet. Begeistert und zu Recht stolz sagen sie: „Das haben wir gemacht!“.

Lina (l.) und Yvonne fanden "Wald macht Mut" toll.

Marco Montalbano

Lina (l.) und Yvonne fanden "Wald macht Mut" toll.
Nils (l.) und Luca sind tolz auf ihr "Waldhaus".

Marco Montalbano

Nils (l.) und Luca sind tolz auf ihr "Waldhaus".
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Respekt muss man lernen

Pädagoge Frank Hoffmann, der die Gruppe fachkundig anleitet, motiviert, auch mal klare Worte spricht und den Kindern viel Spannendes und Nützliches über den Wald beibringt, ruft die Gruppe zusammen, die sich auf extra als großen Kreis angeordnete Baumstämme niederlässt. Es ist die Abschlussbesprechung. „Was hat euch besonders gefallen? Was weniger?“, will er wissen. Sprechen darf immer der, der den kunstvoll mit Schnitzereien verzierten „Sprechstab“ in Händen hält. Einige unterhalten sich trotzdem weiter. Hoffmann schreitet sofort ein: „Respekt, was ist das? Wenn jemand spricht, höre ich zu. Und wenn ich spreche, während jemand anderes an der Reihe ist, kann ich nicht zuhören. Dem anderen zuzuhören, das ist Respekt.“ Die 6_2 ist still und hält sich nun an die Sprechreihenfolge. „Toll fand ich das Auerhahnspiel“, sagt ein Mädchen. „Das Schnitzen und das Hausbauen“, ein anderer. Auch die „Nightline“, bei der es blind durch den Wald ging, fanden die Kinder gut. Entspannt und voll neuem Lebensmut und Vertrauen in sich selbst gehen die Kinder heim. „Wald machte Mut“, eben dies.

Regenfest

Lehrerin Jennifer Gromer kommentierte begeistert: „Heute ist es trocken, aber gestern hat es in Strömen geregnet. Doch es haben alle durchgehalten. Da bin ich richtig stolz auf sie - und die Kinder, glaube ich, auch auf sich.“ Mit einem Augenzwinkern ergänzt sie: „Beim Regen waren die Mädchen richtig tough. Beschwerden gab es eher bei den Jungs.“ Auch ihre Kollegin Julia Kolb zog eine positive Bilanz: „Wir konnten alle ganz anders kennen lernen. Das war toll. Generell war auch cool, dass die Kids zusammen arbeiten mussten - und dass es so gut geklappt hat.“ Waldpädagoge Frank Hoffmann betonte: „Es sind tolle Kinder. Das Niveau ist aber sehr unterschiedlich. Alle haben von den drei Tagen profitiert, in besonderem Maß die Schwachen, die entdecken konnten, was alles in ihnen steckt. Und sie haben erlebt, dass Regen nichts Gefährliches ist und gelernt, Durchhaltevermögen zu zeigen.“