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Was gehört zu einer „ganzheitlichen Betrachtung“?

Fotostudio Sonnenschein

Wie OB Roland Klenk in seinem „persönlichen“ Statement (Amtsblatt Nr. 50/2021) über die Entwicklungsmöglichkeiten durch eine Verlegung der Goldwiesenschule (GWS) ausführt, geht es ihm um eine „ganzheitliche Betrachtung“. „Ganzheitlich“ bezieht sich anscheinend auf die ganze Stadt und ihre Bürgerschaft: Weniger muss ein OB auch nicht im Auge haben.

Wie soll aber eine einzelne Grundschule dieses Gewicht bekommen? Also geht es nicht um die „ganzheitliche Betrachtung“ der Grundschulsituation.

„Ganzheitlich“ könnte sich auch auf die Integration des Verkehrs beziehen, hier wohl der Schüler*innen und der Eltern und Lehrkräfte. Da wo sich Radwege, Straßen und Fußwege und eine Stadtbahntrasse kreuzen, muss ja etwas Ganzheitliches hin: ein Verkehrsknoten, auch noch mit „ruhendem Verkehr“, also mit Parkplätzen. Aber wenn zuerst die Parkplätze kommen, die man dort in ausreichender Zahl - auf der grünen Wiese! - schaffen kann, weil man andere Parkplätze überbauen will, wirkt das aus der Zeit gefallen. Eine sinnlosere Flächenversiegelung als für Parkplätze gibt es nicht!

Was der OB schreibt wirkt logisch und führt zu einer Win-Win-Win-Situation: Neuer zentrumsnaher Wohnraum in Echterdingen auf dem Gelände der GWS, ein neues kostenloses Verkehrsmittel, viele Parkplätze am neuen und größeren Schulzentrum PMHG – und eine unterbrechungsfreie Schul- und Hortversorgung, weil erst umgezogen wird, wenn die neue Schule steht. Die Ideen aus dieser „ganzheitlichen Betrachtung“ sind alle schon lange in der Stadtpolitik der letzten Jahrzehnte diskutiert worden.

Ich nenne aber aus Sicht der GRÜNEN drei Punkte, was hier zu einer echten „Ganzheitlichkeit“ noch fehlt:

1) Klimaschutz und Klimaneutralität - „Ganzheitliche Betrachtung“ ohne Klimaschutz geht seit 2021 gar nicht mehr, es klingt sogar wie Hohn vor der erst im Nov. abgeschlossenen Weltklimakonferenz in Glasgow!

2) Landschaft erhalten - Integration der Landschaft in jegliches Nutzungskonzept und keine Versiegelung durch Parkplätze auf der grünen Wiese, womöglich noch als Vorbereitung der Nord-Süd-Straße („Erschließungsstraße in Nord-Süd-Richtung“).

3) ÖPNV ausbauen - Auf der alten Trasse mit dem bekannten und integrierten Verkehrsmittel „Stadtbahn“ (elektrisch), um sie endlich wieder dort fahren zu lassen, wo sie bis 1991 fuhr.

Entweder machen‘s wir weniger „ganzheitlich“ und reden über das Problem Schulneubau, oder wir machen‘s richtig „ganzheitlich“, das wäre mein (frommer) Wunsch für 2022.

Dr. Matthias Hutzel