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„Woinemer Lokalrunde“ feierte Premiere

Weinheims Zukunft in Kabaretthänden

ie „Woinemer Lokalrunde“ feierte die Premiere ihres neuen Programms.

cs

Die „Woinemer Lokalrunde“ feierte die Premiere ihres neuen Programms „Just in time – Let‘s fetz!“.

So sieht Weinheim 2023 aus, glaubt man dem Programm der „Woinemer Lokalrunde“. Die haben sich mit „Just in time - Let’s fetz!“ ganz der Rettung Weinheims Schicksals verschrieben. Und wie ginge das besser als unter dem Motto „Zurück in die Zukunftswerkstatt“.
Eine Zeitreise muss her, um Weinheim vor Stillstand zu bewahren. Davon gibt es dank Baustellen eh genug, was Wolfgang Kunze als „Meckerer“ gerne aufnimmt. „Wollt ihr den totalen Stau?“ ist dabei seine bissigste aller Bemerkungen gen gut gefülltem Keller der „Woinemer Hausbrauerei“.
Das Verkehrsthema – OB-Wahl hin oder her – findet sich natürlich wieder bei der Kabarettgruppe, wenn sie sich mit ihrem achten Programm den Stadtthemen widmet. Auch besser, wenn man im eigenen Süppchen rührt, statt in die Welt zu schauen. Da gehen dem Kabarett schließlich angesichts „Bavaria One“ von „Space Söder“ und Trumps fabulierter Weltraumarmee die Pointen aus, weil die Politik sich ihrer selbst bedient.

OB-Wahl und Gewerbegebiete

Also zurück zur Basis, zurück nach Weinheim, um das Schicksal der Stadt in die richtige Richtung zu biegen. Eine Zeitreise in Videosequenzen muss her. Ausgelöst von Wolfgang Kunze als schräge „Doc Brown“-Parodie aus den „Zurück in die Zukunft“-Filmen begleitet sie als wiederkehrendes Element den Abend. Wiederkehrend auch die OB-Wahl, die ein 2018-Dauerthema darstellte, da Manuel Just laut Holger Mattenklott einfach „lieber in Hirschberg bleibt, als in Weinheim zu verwesen“. Und noch eine Wiederkehr: Gewerbegebiete auf Kosten der Landwirtschaft. „Habt ihr vergessen, Geld kann man nicht fressen“ heißt es dazu seitens der grotesk-ulkig aufspielenden Barbara Heinrich als Bauersfrau in einer deutschen Version („Feld ist nicht da“) des Hits „Felicitas“ von Al Bano und Romina Power.

Gesangseinlagen als Stärken

Insgesamt sind die Gesangseinlagen wieder eine der Stärken des Programms, was zum einen an Gesang und Darbietung der Damenriege der Lokalrunde liegt, zum anderen aber auch an den Texten. Ob sich Sabine Wunder „Emanuela“ von Fettes Brot als Anti-Fridi-Miller-Hymne vornimmt („Lass die Finger von – eh! – Manuels Wahl“), oder sich die Hirschberger Heulsusen zum Kollektiven „Manuel Goodbye“ und die Weinheimer zum „Lied von Manuel“ treffen – Wunder hat die Gabe, in Zeilen zu reimen, was Wahrheit und zugleich Unterhaltung ist. Etwas mehr Bissigkeit hätte es da auch bei den kabarettistischen Szenen – ebenfalls aus Wunders Feder - sein dürfen.
Während man bei „Mausi und Bärchen“ alias Katja Hoger und Holger Mattenklott wenig Tiefgang bei ihrem Kampf mit künstlicher Intelligenz erwartet, hätte der Gemeinderat noch etwas mehr Haare auf den Zähnen haben dürfen, ist aber dieses Mal auf Lachkultur – allen voran Wunder als indische IT-Beraterin Golobarakrishna – geeicht. Dafür wird hier wie auch in anderen Szenen extrem auf Schauspiel gesetzt. Allerdings wäre manchmal weniger wesentlich mehr, um Themen und Wort, das wovon Kabarett im ureigentlichen Sinne lebt, zu transportieren und nicht zu sehr ins komödiantische zu verfallen. So ist vielleicht eben jene Szene, in denen das Ensemble über Politik in Bayern wie den USA, #Metoo und „Absaufen“-skandierende Teilnehmer einer Pegida-Veranstaltung zu einem ernsten Punkt kommt, ein - im übertragenen Sinn - leiser Höhepunkt, weil es verstärkt um das scharfe Wort geht.

Mehr „alles“ als nett

„Wir sind alles, nur nicht nett“, hat Katja Hoger in einer beherzt spitzen bösen Einleitung der „Woinemer Lokalrunde“ zu Beginn gesungen. Ein bisschen mehr dieses „alles“ im Programmverlauf darf es beim nächsten Mal gerne wieder sein. Dass sie das können, weiß man von der Lokalrunde, die aber ohne Wenn und Aber von ihrem Publikum im gut gefüllten Keller der „Woinemer Hausbrauerei“ verdient gefeiert wird.

Mausi und Bärchen im Kampf mit Amazons „Alexa“.

cs

Mausi und Bärchen gaben sich als leicht gestricktes Pärchen im Kampf mit Amazons „Alexa“.