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Bebauungspläne, Baumaßnahmen

Wenig erfreuliche Kostensteigerungen

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Die Kosten für die Sanierung des Auguste-Pattberg-Gymnasiums verdoppeln sich. Das schmeckt nicht jedem.

Mit Zustimmung zur Änderung von Flächennutzungsplänen machten die Räte den Weg frei für die Um- und Ansiedlung von Lebensmittelmärkten in den Nachbargemeinden Dallau und Obrigheim.
Bebauungsplanänderungen mit einem Aufstellungs- und Satzungsbeschluss auf dem Gelände der Johannes-Diakonie bringen den Bau einer Augenklinik bzw. des Seniorenzentrums auf den Weg.

Bäume

Erst beim Bebauungsplan „Rote Äcker“, bei dem es um neun Bauplätze auf Reichenbucher Gemarkung ging, kam dann Leben in die Versammlung. Elisabeth Laade (AL) hatte nachgefragt inwieweit Grundstückseigentümer verpflichtet seien Walnussbäume, die jeweils recht stattlich als Einzelexemplare auf diesen Bauplätzen stünden, erhalten müssten. Ferner wollte sie wissen, ob die Möglichkeit bestehe, die Baufenster  einfach  zu verschieben. Oberbürgermeister Michael Jann wies daraufhin, dass der Bebauungsplan stehen würde und die Bäume zu entfernen seien. Im Gegenzug würden ökologische Ausgleichsmaßnahmen diese Fällungen kompensieren.

Für eine Verschiebung der Baufenster müsste man verfahrensmäßig wieder alles ganz von vorne aufrollen, so das Stadtoberhaupt. Daraufhin kamen prompt Reaktionen der beiden Reichenbucher Heike Roth (CDU) und von Ortsvorsteher Jürgen Brauch. Schließlich warte man dort seit 14 Jahren auf Bauplätze, nun bekomme man neun für 20 Interessenten, so Brauch. Außerdem erwähnte Roth, dass es vor dem Gemeinderatsbeschluss zum Bebauungsplan Ortsbegehungen gegeben hätte. Dabei hätte man die Bedenken jederzeit geltend machen können, was jedoch unterblieben sei. Sie verstehe deshalb die Einwendungen zum jetzigen Zeitpunkt, zudem das Verfahren schon weit fortgeschritten ist, nicht. Mit einstimmigem Votum passierte dieser Tagesordnungspunkt das Gremium.

 

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Schieflage bei den Sanierungskosten für das APG.

Kanäle

Ebenfalls einstimmig winkte der Gemeinderat die Auftragsvergabe für die Kanalsanierungsarbeiten in Reichenbuch durch. Die Kanalsanierungen, bei denen auch innovative Verfahren beispielsweise mittels Schlauchlinern durchgeführt werden, kosten insgesamt rd. 530.000 Euro; das sind über 200.000 Euro weniger als geplant. Geld sparen und Baustellen vermeiden, diese Aussicht ist natürlich sehr erfreulich. Nur in der Lindenbrunnenstraße muss tatsächlich aufgegraben werden.

Kostensteigerungen

Dagegen kosten die Umbaumaßnahmen am Auguste-Pattberg-Gymnasium fast doppelt so viel wie veranschlagt. Ausgegangen war man von einer Summe von 675.000 Euro. Aktuell ist von 1,2 Mio. Euro die Rede. Das „ist keine erfreuliche Tatsache“, gab Jann zu. Die Mehrkosten seien nicht nur der Baupreiserhöhung geschuldet, so Jann weiter, sondern auch der Tatsache, dass es statt um eine Fläche von rd. 660 Quadratmetern jetzt um 860 Quadratmeter gehe. Das konnte Reinhold Schulz (Freie Wähler) nicht recht nachvollziehen.

Er rechnete vor, dass sich die Fläche um rd. ein Drittel erhöht habe, die Baukosten sich aber nahezu verdoppeln würden und wollte wissen, ob es am Planungsprozess selbst gelegen wäre. In diesem Zusammenhang räumte Juliane Knapp, Leiterin des Hochbauamtes, ein dass man aus dem aktuellen Verfahrensablauf Lehren ziehen werde. Sie versprach durch eine frühere Beteiligung der Fachplaner  künftig mehr Kostensicherheit zu erreichen.

Erläuterung

Zuvor hatte sie erläutert wie es zu den Kostensteigerungen hatte kommen können. Ursächlich seien neben der Flächenerhöhung auch eine Reihe von ergänzenden Maßnahmen gewesen, wie etwa eine komplett neue Elektro- und EDV-Installation. Auch habe die Be- und Entlüftung von Innenräumen, die nicht wie ursprünglich gedacht realisiert werden können.

SPD-Stadtrat Hartmut Landhäußer zielte in seiner Kritik weniger auf die Kostensteigerungen als solche, sondern mehr auf die späte Information über diese Entwicklung durch die Verwaltung. Die Stadt bleibt wohl auf den Mehrkosten sitzen, denn Aussichten für Regressansprüche an Dritte oder einen erhöhten Förderrahmen sieht die Verwaltung nicht. OB Jann appellierte mit Blick auf „99 Prozent der Maßnahmen, die super laufen und stillschweigend zur Kenntnis genommen werden“, auch eine „gewisse Fehlerkultur“ zuzulassen.

 

Ausgaben

Auch für die Pestalozzi-Realschule hatte der Gemeinderat „überplanmäßige Ausgaben“ zu genehmigen. So war es bei der auf insgesamt 1,7 Mio. Euro veranschlagten Dachsanierung zunächst zu Verzögerungen gekommen, die aber „aufgeholt“ wurden. Zusätzlich seien mehr schadstoffhaltige Materialien zu beseitigen gewesen als gedacht. Die  überplanmäßigen Ausgaben belaufen sich bei diesem Objekt auf 1,2 Mio. Euro. Erfreulicherweise kostet die Auftragsvergabe für die Erstellung eines Masterplans zum Glasfaserausbau die Stadt nichts. Denn die Kosten von 50.000 Euro sind durch eine  einhundertprozentige Förderung des Bundes gedeckt.