Merken

Farbige Zeichen gegen Gewalt an Frauen

„Wir müssen die Stimme erheben und ‚Nein‘ sagen“

Frauen, die häusliche Gewalt erfahren, werden nicht alleine gelassen, wenn sie ihre Stimme erheben.

m-gucci/iStock/Thinkstock

Frauen, die häusliche Gewalt erfahren, werden nicht alleine gelassen, wenn sie ihre Stimme erheben.

Leben von Frauen, die durch Gewalt von Partnern oder Ex-Partnern 2017 starben. Ruth Syren steht am Morgen mit ihren Mitstreiterinnen des ZONTA-Clubs an der Reiterin für ihre jetzt zum dritten Mal durchgeführte Aktion. Es ist kalt. Und es ist noch kälter, als der Blick auf die vielen Paar roter Schuhe fällt. Sie verteilen sich auf dem Podest der Reiterin und eine Leiter hoch. Jedes Paar dieser Schuhe steht für eine Frau, die 2017 durch Partnerschaftsgewalt starb. Das sind laut kürzlich vorgestellter Polizeilicher Kriminalstatistik 147. Sie fließen ein in den Punkt „Mord und Totschlag“. Familienministerin Franziska Giffey nennt die Zahl „in einem modernen Land wie Deutschland eine unvorstellbare Größenordnung“. Sie verspricht Hilfe. Ein Runder Tisch zum Thema hat in Berlin bereits seine Arbeit aufgenommen.

Ein gutes Zeichen

„Es ist ein gutes Zeichen, dass jetzt darüber geredet wird“, sagt Ruth Syren. Sie ist Leiterin eines Frauenhauses, kennt nur zu gut die Probleme, mit denen sie und ihre Mitarbeiter zu tun haben. Die Finanzen sind dabei ein Thema. „Wir kämpfen seit 40 Jahren darum, dass wir ein Budget und entsprechend Personal bekommen“, sagt sie. 40 Jahre – das ist der Zeitraum, seitdem es Frauenhäuser in Deutschland gibt. Ruth Syren ist froh, dass das Thema jetzt in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückt. Auch wenn es eigentlich einfach nur traurig ist.
Der Aktion der ZONTA-Frauen tut die Aufmerksamkeit auch gut. Die Aktivistinnen sprechen Menschen an; die bleiben stehen, hören zu, sprechen. Viele sind durch die Berichterstattung sensibilisiert für das Thema, Geschäftsleute nehmen Flyer mit, um sie auszulegen. Auch die Übersicht der Anlaufstellen für betroffene Frauen geht in den Umlauf, „weil man es vielleicht nicht alleine schafft“, sagt Syren. Und wenn man es schafft – dann ist noch längst nicht alles gut.

Kein Platz für Krisenintervention

Frauenhäuser müssen Hilfesuchende immer wieder abweisen – weil sie keinen Platz haben. Ruth Syren kennt das: „Die Frauen bleiben oft viel länger bei uns, weil wir für sie keinen Wohnraum finden.“ Für die Frauenhausleiterin eine doppelte Abstrafung, denn „die Frauen verlassen ihr Heim und finden dann kein neues“. Durch den viel zu lange belegten Platz ist dann oft keine Krisenintervention möglich für diejenigen, die sie brauchen. Für die ZONTA-Aktiven ist daher ein Ziel klar: Jede Frau, die Gewalt erlebt, soll einen sichern Platz haben. Ruth Syren ist noch etwas wichtig: „Ich will keine Frau fragen, wie sie finanziert ist.“ Hier geht es um Leistungen, die von mittellosen Frauen in Anspruch genommen werden können – wenn sie ein Anrecht haben. Und dann geht es wieder um das Geld.
30 Mio. Euro Investitionen hat Familienministerin Giffey im Jahr 2020 für den Ausbau der Frauenhäuser angekündigt. Geld bräuchte es aber auch für Prävention. Ruth Syrer sagt, hier mache man schon einiges, aber „mit entsprechender Finanzierung könnten wir mehr machen“. Glaubt sie, dass sich nun etwas ändert? Die Aufmerksamkeit sei der Anfang. „Mein Wunsch ist, dass das Thema jetzt nicht in den Fokus gestellt wird, um darüber zu reden, sondern dass die Politik auch etwas tut.“

UN-Kampagne in Orange

Am Abend sehen die Menschen keine roten Schuhe mehr, sie lesen keine Flyer. Sie sehen nur das Alte Rathaus in orangem Licht. Es ist der Beitrag Weinheims im Rahmen der internationalen UN-Kampagne zur Beendigung von Gewalt gegen Frauen. Die Kampagne stand in diesem Jahr unter dem Credo „#Hearmetoo“. Städte in etlichen Ländern der Welt beteiligten sich durch das Anstrahlen von Brücken und Bauwerken. Die Farbe Orange ist dabei angelehnt an die Organisation „UN Women“. Es geht darum, betroffene Frauen zu hören - und für sie sprechen. Oder wie Ruth Syren sagt: „Wir müssen unsere Stimme erheben und
‚Nein‘ sagen.“

Das Alte Rathaus erstrahlte in Orange

oe

Das Alte Rathaus erstrahlte am Abend in Orange - als Beitrag zu einer weltweiten UN-Kampagne, die sich für das Ende von Gewalt gegen Frauen einsetzt.