Merken

„Es werden Zustände geschaffen“

Zahl der Gärten im Außenbereich wächst

In Weinheims Feldflur breiten sich Gärten aus.

cs

In Weinheims Feldflur breiten sich Gärten aus. Dabei werden Regularien wie etwa die Größe der Bebauung oft nicht eingehalten.

Aus der Stadt raus in die Feldflur, in den Garten, ungestört und umringt von Grün – was für viele Weinheimerinnen und Weinheimer das Schönste ist, sorgt bei Landwirten wie bei Lokalpolitikern für Unmut. Der ist nicht unbedingt auf den Garten selbst bezogen, sondern auf die Randerscheinungen.
Nächtliche Partys, Palettenstapel, Alteisensammlung, Abstellplatz für den verrottenden Wohnwagen, Schrauben am eigenen Auto – die Liste dessen, wozu die Gärten in der Feldflur dienen, ist lang und sorgt für Ärger. Das wurde beim Frühschoppen des Bauernverbands deutlich. Der Tenor dabei: Es wird immer schlimmer. „Im Hammelsbrunnen steht Hütte an Hütte, dazu ist alles eingezäunt, was den Wildwechsel behindert. Jetzt geht das in der freien Feldflur weiter“, machte etwa Elisabeth Kramer (GAL) ihrem Ärger Luft. Den Landwirten ist vor allem einer aus den eigenen Reihen ein Dorn im Auge: Er kündigt Pachtflächen auf, um sie in kleinere Parzellen aufzuteilen und an Privat als Gärten zu vermieten. Zuletzt kündigte er einem anwesenden Landwirt ein drei Hektar großes Grundstück. Bauernverbandsvorsitzender Fritz Pfrang spricht von dem Dreifachen an Pacht, die für eine Gartenfläche gezahlt wird – ein lukratives Geschäft also. Die Stadt toleriere das.

„Das Anlegen von Gärten ist sogar erwünscht“

Roland Kern, Weinheims Pressesprecher, macht derweil klar: Das ist erlaubt. „Das Anlegen von Gärten ist sogar erwünscht.“ Dem Handeln des Landwirts kann man daher auch keinen Riegel vorschieben, wie es im Rahmen des Frühschoppens gewünscht wurde. Doch gibt es Grenzen der Legalität. Stabile Zäune etwa dürften nicht errichtet werden, bei Maschendraht wird aber ein Auge zugedrückt. Generell, so sagt es Kern, ist auch eine Hütte zum Aufbewahren von Gartengeräten legal – zumindest bis zu einer Größe von 20 Kubikmeter. „Alles darüber hinaus geht nicht“, so Kern. Das sei alles im Baurecht verankert. Wird etwas widerrechtlich gebaut, werde seitens der Stadt gehandelt. Entsprechend seien in der Vergangenheit Anordnungen über einen Rückbau erfolgt und der Vollzug überprüft worden. Die Umsetzung sei aber nicht immer einfach, macht Kern deutlich. Der Aufforderung folgt eine zweite, dann das Bußgeld. Wenn nichts passiere, müsse man vor Gericht ziehen, erklärt er das Prozedere. Irgendwann stellt sich die Frage der Verhältnismäßigkeit. „Wir haben ein Durchsetzungsproblem“, hatte auch schon Prof. Dr. Rudolf Large (SPD) im Rahmen des Frühschoppens erklärt. Das basiert auch auf fehlenden Ressourcen. „Es wäre gut, wenn die Bauern uns konkrete Hinweise geben könnten“, bittet Roland Kern daher um Hilfe, um Missständen nachgehen zu können.

„Als Landwirt kriegt man alles vorgeschrieben ..."

In den Reihen von Landwirten und Lokalpolitikern meint man eine Resignation seitens der Stadt auszumachen. Das sei aber der falsche Weg. Regularien müssten überall gelten. Das sehen auch die Landwirte so, denen speziell beim Thema Umzäunung und Bebauung der Kragen platzt. „Als Landwirt kriegt man alles vorgeschrieben, aber hier macht die Stadt alle Augen zu“, wetterte einer der Anwesenden beim Frühschoppen. Die Untätigkeit machte aus seiner Sicht den Auswüchsen Tür und Tor auf: „Es werden Zustände geschaffen.“ Da diese Zustände womöglich auch an der Unkenntnis der Pächter liege, die viele als hauptsächlich ausländische Mitbürger ausmachten, plädierte Stella Kirgiane-Efremidou (SPD) für Information im Gespräch mit den Gartenbetreibern. Ein Vorschlag, dem sich auch Fritz Pfrang anschließen konnte, denn „manchmal ist es vielleicht wirklich Unwissenheit“.

Der Garten als Abstellfläche von Sportboot und Wohnwagen ist nicht erlaubt.

cs

Der Garten als Abstellfläche von Sportboot und Wohnwagen - nicht erlaubt, sagt Roland Kern, Pressesprecher der Stadt.