In der heutigen Zeit wird es immer wichtiger, seine Bewerbungen optimal vorzubereiten. Personal- und Organisationsexperte Carsten Schaefer verrät, welche Fehler man heute im Lebenslauf unbedingt vermeiden sollte, um bei Arbeitgebern durchzudringen.

Fehler 1: Aufgabenbeschreibungen statt Erfolge

Viele Lebensläufe bestehen heute aus der Aneinanderreihung von Aufgaben und Zuständigkeiten. Es folgt Bullet-Point auf Bullet-Point. Dabei sagen doch die zugeordneten Verantwortungsbereiche wenig darüber aus, wie verantwortliche man diese auch wahrgenommen hat. Und vor allem: wie erfolgreich man dort war.

Experten-Empfehlung:

Darum empfehle ich Ihnen, Zuständigkeiten nur kurz zu umreißen. Und den zur Verfügung stehenden Platz dafür zu nutzen, die individuellen Erfolge zu dokumentieren. Aus ‚Verantwortung für die Beschaffung von einer Produktgruppe‘ wird dann ‚Senkung der Kosten um 10 Prozent und Erschließung von drei Alternativlieferanten zur Verminderung der Abhängigkeiten‘. Oder aus ‚Leitung des nationalen Controllings‘ wird ‚Einführung digitaler Tools und Erhöhung der Prozesseffizienz um 20 Prozent beim nationalen Controlling‘. Oder aus ‚Führung eines Teams‘ wird ‚Etablierung von SCRUM zur Senkung von Reaktionszeiten um 30 Prozent‘.

Wichtig ist: Es geht nicht darum, sich zu rühmen. Sie sollten auch keine Betriebsgeheimnisse preisgeben. Aber es geht darum zu verdeutlichen, welche Herausforderungen Sie bereits mit welchem Ergebnis gemeistert hat. So ergibt sich plötzlich ein individuelles Profil – und kein austauschbares mehr, wie es bei den Verantwortlichkeiten üblicherweise der Fall ist.

Fehler 2: Start des Lebenslaufs mit einem Job-Statement

Es galt viele Jahre als Avantgarde, den Lebenslauf mit einem Job-Statement zu beginnen, in der Form: ‚Erfahrener Recruiting-Manager mit erster Teamleitungserfahrung, der künftig mehr Führungsverantwortung übernehmen möchte‘. Die Debatte ist durchaus kontrovers, ob man solche Statements noch einsetzen sollte.

Experten-Empfehlung:

Wir raten mittlerweile davon ab. Zum einen wirkt es nicht mehr modern, in dieser Art und Weise für sich zu ‚werben‘. Zum anderen aber lenkt ein solches Statement zu stark davon ab, für welche Aufgaben und Funktionen ein potenzieller Arbeitgeber Sie eigentlich auf Basis bisher gemachter Erfahrungen und erworbener Kompetenzen noch einsetzen könnte. Aufgrund einer Eigenkategorisierung beraubt man sich im schlimmsten Fall des Erkennens eines möglichen Potenzials, auf das man selbst noch gar nicht gekommen ist. In einer Zeit, in der Karrieren aber nicht mehr linear verlaufen, ist dies ein großer Fehler.

Darum: am besten Sie lassen das Statement weg und dem geben Ihrem potenziellen Arbeitgeber die Chance, sich selbst ein Bild zu machen. Tipps zur ansprechenden Gestaltung eines modernen Lebenslaufs finden Sie hier.

Fehler 3: Zu viele Details

Bedenken Sie: Diejenigen, die Ihren CV lesen, haben sehr wenig Zeit – erst Recht, wenn es sich um Führungskräfte handelt, die mit Ihnen die Interviews führen. Je mehr sie also in Ihren Lebenslauf hineinpacken, desto schwieriger wird er ganzheitlich zu erfassen sein. Und desto eher können Sie auch davon ausgehen, dass sich Gesprächspartner beliebig auf Teile Ihres Werdegangs stürzen, die vielleicht gar nicht relevant für Ihr Gespräch sind. Und Ihnen die Zeit rauben werden, um die wirklich wichtigen Dinge zu besprechen.

Experten-Empfehlung:

Mein Tipp ist darum: Fassen Sie sich so kurz wie möglich ohne Relevantes weg zu lassen. Versetzen Sie sich in die Perspektive desjenigen, der Ihren Lebenslauf bekommen wird: Welche Informationen sind für ihn essenziell? Über welche Stationen in Ihrem Werdegang könnte er besonders gern mit Ihnen sprechen wollen? Wo würde er nach Stärken und Schwächen suchen? Schreiben Sie Ihren CV nicht aus Ihrer, sondern aus der Perspektive desjenigen, der ihn erhält. ‚Der Wurm muss dem Angler schmecken‘ gilt bei Lebensläufen umso mehr.

Und um noch einmal die Länge aufzugreifen: Mehr als drei Seiten benötigt niemand – auch, wenn Sie sich als Geschäftsführer bewerben. Eher im Gegenteil: Zu Beginn sind die Lebensläufe kurz, dann werden sie im Mittelbau länger. Und dann wieder automatisch kürzer. Denn je hochrangiger diejenigen, mit denen Sie sprechen, desto eher sollten Sie darauf achten, ihnen kurz und prägnant das zu vermitteln, auf das es wirklich ankommt.

Fehler 4: Stets den gleichen Lebenslauf nutzen

Selbstverständlich bleibt Ihr Werdegang Ihr Werdegang. Der verschriftlichte Lebenslauf ist ein Marketing-Instrument, diesen in ansprechender Art und Weise darzustellen. Und in einer Zeit des gezielten 1:1-Marketings, sollten auch Sie berücksichtigen: Während Ihr Lebenslauf an der einen Stelle der richtige sein mag, so wie Sie ihn erstellt haben, ist er an der anderen vielleicht deplatziert.

Experten-Empfehlung:

Folgend meiner bereits dargelegten Hinweise: Nehmen Sie den Perspektivwechsel ernst. Er variiert von Arbeitgeber zu Arbeitgeber, von Führungsebene zu Führungsebene, von Abteilung zu Abteilung. Versuchen Sie im Vorfeld möglichst viel über die für Sie relevanten Personen heraus zu bekommen. Nehmen Sie deren Perspektive ein und gestalten Sie Ihren Lebenslauf so, dass Sie diese Menschen erreichen können.

Im Extremfall bedeutet das: Nicht nur jedes Anschreiben ist anders – auch jeder Lebenslauf sollte ganz individuell erstellt werden. Betrachten Sie jede einzelne Bewerbung als relevante Opportunity. Und bereiten Sie diese mit Akribie vor. Sie werden sehen, dass sich diese Investition mit einer deutlich besseren Rückmelderate und fokussierteren Job-Interviews auszahlen wird.

Fehler 5: Sich zu sehr auf den Lebenslauf verlassen

In einem Artikel, in dem wir über Ihren CV sprechen, habe ich eine bittere Nachricht für Sie: Er ist notwendig, aber nicht hinreichend. Verlassen Sie sich nicht auf dieses – und sei es digitale – Papier. Es gäbe nicht den Direktvertrieb und das Business Development, wenn exzellente Marketing-Materialien ausreichen würden, um Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen. Und genau das Gleiche gilt auch für Sie, wenn Sie sich um einen neuen Job bemühen: Sie sind dann Marketing- und Vertriebsbeauftragter für sich selbst zugleich.

Experten-Empfehlung:

Ihr Marketing ist wichtig, so viel steht fest. Aber Vertrieb bedeutet: Rufen Sie an. Nutzen Sie Netzwerke. Treten Sie persönlich in Kontakt. Das kann in Zeiten von Corona auch über soziale Medien oder Videokonferenzen geschehen. Platzieren Sie gezielt Fragen in Online-Konferenzen, um bei der Kontaktaufnahme später darauf zu referenzieren. Verfassen Sie Fragen und Kommentare auf LinkedIn oder Twitter.

Und vor allem: Nutzen Sie das Telefon. Es mag altmodisch sein: Aber den ein oder anderen können Sie heute damit beeindrucken, dass Sie eben nicht den Online-Kontakt wählen, sondern sich mit Ihrer Stimme melden. Wie las ich vor einiger Zeit: ‚Be brave – call!‘ Das möchte auch Ihnen raten.