Die Jugendarbeitslosigkeit steigt saisonbedingt an. Es gibt auf der anderen Seite noch viele freie Ausbildungsplätze.

Im Juli 2022 waren in Baden-Württemberg 226.881 Menschen arbeitslos gemeldet, 7.914 und damit 3,6 Prozent mehr als im Juni. Damit steigt die Arbeitslosenquote insgesamt auf 3,6 Prozent, bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf 2,7 Prozent.

„Der Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg bleibt auch zu Beginn der Sommerferien stabil. Die geringe Zunahme der Arbeitslosigkeit ist hauptsächlich auf Geflüchtete aus der Ukraine, die neu in der Statistik erscheinen, sowie auf saisonale Gründe zurückzuführen. Der Arbeitsmarkt steht dennoch weiterhin deutlich besser da als noch im Vorjahr“, erklärte Wirtschafts- und Arbeitsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut am 29. Juli 2022 anlässlich der Veröffentlichung der neuen Arbeitsmarktdaten für Baden-Württemberg.

Im Vormonatsvergleich ist ein Anstieg um 0,1 Prozentpunkte zu verzeichnen. Der Vorjahreswert von 3,8 Prozent wird weiter unterschritten, wenn auch nicht mehr so deutlich wie in den Monaten zuvor. Im Juli 2019 hatten wir 32.984 Arbeitslose weniger und eine Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent. Die Arbeitslosenquote der Ausländer steigt von 8,2 Prozent im Juni 2022 auf 8,7 Prozent im Juli 2022. Bei den Frauen steigt die Quote im gleichen Zeitraum von 3,5 Prozent auf 3,7 Prozent.

Die Arbeitslosenquote in BW im Juli nach Kreisen (aufsteigend)

Kreis Quote
Biberach 2,0%
Alb-Donau-Kreis 2,3%
Ravensburg 2,4%
Emmendingen 2,6%
Rottweil 2,7%
Main-Tauber-Kreis 2,8%
Enzkreis 2,8%
Tübingen 2,8%
Bodenseekreis 2,8%
Ludwigsburg 2,9%
Heilbronn 2,9%
Hohenlohekreis 3,0%
Schwäbisch Hall 3,0%
Breisgau-Hochschwarzwald 3,0%
Ostalbkreis 3,1%
Sigmaringen 3,1%
Böblingen 3,2%
Ortenaukreis 3,2%
Freudenstadt 3,3%
Karlsruhe 3,4%
Neckar-Odenwald-Kreis 3,4%
Esslingen 3,5%
Konstanz 3,5%
Ulm, Universitätsstadt 3,5%
Baden-Württemberg 3,6%
Rems-Murr-Kreis 3,6%
Calw 3,6%
Tuttlingen 3,7%
Waldshut 3,7%
Heidenheim 3,8%
Rastatt 3,8%
Schwarzwald-Baar-Kreis 3,8%
Reutlingen 3,8%
Zollernalbkreis 3,9%
Rhein-Neckar-Kreis 4,0%
Göppingen 4,2%
Karlsruhe, Stadt 4,3%
Lörrach 4,3%
Stuttgart, Landeshauptstadt 4,6%
Heidelberg, Stadt 4,7%
Heilbronn, Universitätsstadt 4,9%
Freiburg im Breisgau, Stadt 5,0%
Pforzheim, Stadt 6,0%
Baden-Baden, Stadt 6,3%
Mannheim, Universitätsstadt 7,1%

Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Arbeitskräftenachfrage steigt weiter

Christian Rauch, Leiter der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit, erkärt: „In diesem Monat lassen sich unterschiedliche Effekte beobachten, die zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit führen: Zum einen ist die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat durch die weitere Übernahme von ukrainischen Geflüchteten in die Grundsicherung gestiegen. Zum anderen lässt sich der Anstieg in der Arbeitslosenversicherung auf die bestehenden Unsicherheiten in der Wirtschaft zurückzuführen.“

Erfreulich bleibt, dass die Arbeitskräftenachfrage weiter steigt. Im Juli 2022 waren 116.715 offene Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet, 22.301 Stellen mehr als noch vor einem Jahr. Gegenüber dem Vormonat sind weitere 135 ausgeschriebene Stellen dazugekommen. Hoffmeister-Kraut: „Die Aussichten für Arbeits- und vor allem für Fachkräfte sind in Baden-Württemberg weiterhin sehr gut. Wir sprechen also immer noch auf der Angebotsseite von einem Mangel an Fach- und Arbeitskräften. Ein akuter Risikofaktor auf der Nachfrageseite für den Arbeitsmarkt ist eine mögliche Verschärfung der Gasmangellage. Sollte es soweit kommen, müssen wir mit einem massiven Einschnitt auf dem Arbeitsmarkt rechnen. Um diesen dann zu stabilisieren muss die Bundesregierung rechtzeitig beim Kurzarbeitergeld nachjustieren. Die Erleichterungen, die bei der Corona-Krise sehr gut funktioniert haben, müssen wieder aufgelegt werden.“

Jugendarbeitslosigkeit steigt saisonbedingt an

Zusätzlich zu den Geflüchteten macht sich im Juli 2022 ein saisonbedingter Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit insbesondere durch das Ende von schulischen und beruflichen Ausbildungsgängen bemerkbar. Bei den Jüngeren unter 25 Jahren steigt die Arbeitslosenquote von 2,4 auf 2,7 Prozent.

Die demografische Entwicklung zeigt auf dem Ausbildungsmarkt Wirkung. Die Zahl der jungen Menschen, die sich auf einen Ausbildungsplatz bewerben, ist weiter rückläufig: Die Zahl der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber ist im Vergleich zum Vorjahr um 3,1 Prozent (1.492) auf 47.171 gesunken. Bereits im vergangenen Jahr haben sich deutlich weniger Bewerberinnen und Bewerber gemeldet als noch die Jahre zuvor. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ist im Vorjahresvergleich um 7,8 Prozent (5.461) auf 75.192 gestiegen. Derzeit sind 35.912 gemeldete Berufsausbildungsstellen unbesetzt.

Praktikumswoche und freie Ausbildungsplätze

Christian Rauch betont: „Passend zum Ferienbeginn, der für viele auch das Ende ihres letzten Schuljahres ist, nochmal der Hinweis: Es gibt noch freie Ausbildungsplätze für diesen September. Für alle, die noch auf der Suche sind – eine Bewerbung lohnt sich auch jetzt noch!

Die Praktikumswoche ist eine tolle Möglichkeit, um in einer kurzen Zeit in viele Berufe reinzuschnuppern. Die Sommerferien können dazu genutzt werden. Begleitend steht unsere Berufsberatung persönlich, telefonisch sowie online zur Verfügung.“

► Der Arbeitsmarkt im Juli 2022 (PDF zum Herunterladen)

► Der Arbeitsmarkt im Juni 2022 (PDF zum Herunterladen)

► Der Arbeitsmarkt im Mai 2022 (PDF zum Herunterladen)

► Arbeitsmarktreport, Monatszahlen für Baden-Württemberg im April 2022 (PDF)

► Bundesagentur für Arbeit, Pressemitteilung: Positive Arbeitsmarktentwicklung nimmt alle Personengruppen mit (PDF)

KOMMUNALE ARBEITGEBER

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