Schulabgängerinnen und Schulabgänger in Baden-Württemberg können zahlreiche Angebote zur beruflichen Orientierung in Anspruch nehmen, um einen Ausbildungsplatz zu finden. Das Land unterstützt sowohl Betriebe als auch junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz in Baden-Württemberg. Das ist auch notwendig, denn viele Firmen finden keinen Nachwuchs und etliche junge Menschen haben keine Idee, was sie später einmal werden wollen.

Im Ausbildungsbündnis Baden-Württemberg haben sich das Land, die Kammern und Verbände der Wirtschaft, die Gewerkschaften, die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit und die kommunalen Landesverbände zusammengeschlossen, um die berufliche Ausbildung zu stärken. Politiker und Funktionsträger haben sich am 7. Juli 2022 in Stuttgart zu einem Spitzengespräch zur Ausbildungssituation getroffen.

Berufliche Orientierung in Baden-Württemberg

„Es ist eine gute Nachricht, dass die Betriebe im Land für das kommende Ausbildungsjahr wieder deutlich mehr Ausbildungsstellen bereitstellen. Derzeit sind noch über 38.000 und damit gut die Hälfte der gemeldeten Ausbildungsstellen unbesetzt. Die Chancen für Jugendliche, noch kurzentschlossen einen Ausbildungsplatz zu finden, sind also hervorragend“, sagte Arbeits- und Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut beim Spitzengespräch.

Auszubildendner Einzelhandelskaufmann im Supermarkt

jacoblund/iStock/Getty Images Plus

Eine duale Berufsausbildung eröffnet vielfältige Chancen, Weiterbildungs- und Auftsiegsmöglichkeiten, wie hier beispielsweise im Handel.

Betriebe in Baden-Württemberg suchen Nachwuchskräfte

Gleichzeitig sei die Zahl der Ausbildungsbewerberinnen und -bewerber weiter rückläufig. Damit bestehe erneut die Gefahr, dass viele Ausbildungsstellen unbesetzt blieben, führte die Ministerin weiter aus. Zudem hätten einige junge Menschen Schwierigkeiten, eine berufliche Perspektive für sich zu entwickeln oder einen für sie passenden Ausbildungsplatz zu finden.

„Das werden wir im Ausbildungsbündnis weiter aufarbeiten. Als Sofortmaßnahme haben wir bereits zahlreiche Angebote zur beruflichen Orientierung aufs Gleis gesetzt“, betonte Hoffmeister-Kraut und fügte an: „Wir wollen möglichst viele junge Menschen für eine Ausbildung gewinnen – noch in diesem Jahr und darüber hinaus. Dazu müssen wir die jungen Menschen auf vielen Wegen und möglichst früh mit unseren Betrieben zusammenbringen.“

Ausbildung zum Maurer auf dem Bau

Yuri_Arcurs/iStock/Getty Images Plus

Handwerksberufe bieten eine Vielzahl an Spezialisierungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. Den Einstieg macht man mit einer dualen Berufsausbildung.

Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Baden-Württemberg, Maren Diebel-Ebers, sagte: „Der Ausbildungsmarkt ist von massiven Passungsproblemen bestimmt. Für Ausbildungsinteressierte ist es oft nicht einfach, vor Ort den passenden Ausbildungsplatz zu finden. Wir erwarten, dass mehr Betriebe jungen Menschen eine Chance geben – auch im eigenen Interesse. Viele Schülerinnen und Schüler stehen zudem vor dem Problem, dass sie viele Berufe gar nicht kennen und deswegen keine fundierte Entscheidung treffen können. Deshalb muss die berufliche Orientierung an allen Schularten verstärkt werden. Auch die Betriebe sind gefordert: Die Fachkräfte von morgen bindet nur derjenige an sich, der jungen Menschen gute Startbedingungen ins Arbeitsleben bietet. Wir dürfen nicht vergessen: Die Folgen der Pandemie sind immer noch spürbar. In den nächsten Jahren wird sich voraussichtlich eine nennenswerte Zahl von vorangegangenen Jahrgängen um einen Ausbildungsplatz bemühen – zusätzlich zu den regulären Schulabgängerinnen und Schulabgängern. Um ihnen allen eine Perspektive zu bieten, müssen jetzt wirksame Maßnahmen ergriffen werden.“

Weibliche Fachkraft für Abwassertechnik hält eine Wasserprobe

DSCimage/iStock/Getty Images Plus

Wer sich für Umweltschutz und Technik interessiert, kann sich über den Ausbildungsberuf Fachkraft für Abwassertechnik genauer informieren.

Ausbildungsplatz finden: Mit einem Praktikum starten

Mit den „Praktikumswochen Baden-Württemberg“ unterstützt das Ausbildungsbündnis Jugendliche ab 15 Jahren bei der Suche nach einem Praktikumsplatz. Kern ist die Online-Plattform praktikumswoche.de, die Jugendliche und Betriebe schnell, unkompliziert und passgenau zusammenbringt. Stand Juli 2022 boten 3.000 Betriebe rund 180.000 Praktikumstage an.

„Die Praktikumswoche ist eine tolle Möglichkeit, um in einer kurzen Zeit in viele Berufe reinzuschnuppern“, so Christian Rauch, Leiter der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit. „Begleitend steht unsere Berufsberatung persönlich, telefonisch sowie online zur Verfügung. Darüber hinaus haben wir passgenaue Förderleistungen, die einen erfolgreichen Start in die Ausbildung ermöglichen. Alle Interessierten sollten noch heute einen Termin vereinbaren, um sich einen spannenden und zukunftsorientierten Ausbildungsplatz für September zu sichern.“

Krankenschwester streckt Faust in den Himmel als Zeichen des Erfolgs

CentralITAlliance/iStock/Getty Images Plus

Gerade in Pflegeberufen gibt es einen starken Fachkräftemangel. Wer hier einsteigt, wird dringend gebraucht und weiß, dass er einen Beruf mit Sinn ausübt.

Eltern helfen bei der Berufswahl: „Ja zur Ausbildung“

Die Elternkampagne „Ja zur Ausbildung“ spricht im Netz und in den sozialen Medien Eltern als die wichtigsten Ratgeber bei der Berufswahlentscheidung der Jugendlichen direkt an. Seit 2022 werden neben den Berufen der Industrie- und Handelskammer (IHK) auch Handwerksberufe und freie Berufe in die Eltern-Kampagne einbezogen.

Auch Senior-Ausbildungsbotschafter kommen zu Wort und berichten von ihrer „Karriere mit Lehre“. Zudem wurde der Orientierungstest um Ausbildungsberufe ergänzt. Er unterstützt junge Menschen nun optimal bei der Suche nach einem passenden Studium oder Beruf und hebt damit auch die Gleichwertigkeit von Ausbildung und Studium hervor.

Welcher Beruf passt zu dir? Infos & Links zu kostenlosen Tests

AusbildungsSCOUT

Was soll ich werden? Welche Berufe gibt es? Wie finde ich einen Ausbildungsplatz und wie bewerbe ich mich richtig?

► Viele Links und Tipps gibt’s hier im Ausbildungsscout

Kultusministerin Theresa Schopper sagte: „Durch die pandemiebedingten Einschränkungen konnte die berufliche Orientierung in den vergangenen Schuljahren nicht wie gewohnt stattfinden. Trotz kreativer Aktionen von Schulen und Betrieben konnte nicht alles aufgefangen werden. Mit den Praktikumswochen und mit unserer ‚Initiative BO durchstarten!‘, zu der wir eine gelungene Auftaktveranstaltung hatten, legen wir deshalb jetzt gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium noch einmal einen Fokus auf die zahlreichen Angebote der beruflichen Orientierung, welche an den Schulen vorhanden sind. Wir wollen mit unseren Initiativen Schwung erzeugen und den Jugendlichen zeigen, dass es noch viele lohnenswerte offene Stellen gibt, auf die sie sich bewerben können.“

Eine besondere Bedeutung komme der Zusammenarbeit und Kooperation mit außerschulischen Partnern wie Unternehmen und Hochschulen zu. Daher solle die Initiative „BO durchstarten!“ dabei helfen, die Netzwerke wieder zu stärken und auch auszubauen. Zum Beispiel solle etwa das Tandem Lehrkraft und Berufsberatung wieder verstärkt zum Einsatz kommen, um jungen Menschen durch Praxiserfahrungen vielfältige Einblicke in die Arbeitswelt zu geben und sie so für einen passenden Beruf zu interessieren, so die Kultusministerin weiter.

Sozialpädagogische Assistentin im Kindergarten

svetikd/E+/Getty Images

Für jeden und jede gibt es den Traumberuf - man muss sich nur informieren. Wer mit Kindern arbeiten möchte, hat gute Chancen, eine Ausbildung zu finden, denn auch hier macht sich der Fachkräftemangel immer stärker bemerkbar.

Gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz in Baden-Württemberg

Das Spitzengespräch wurde auch für die Bilanzierung des vergangenen Ausbildungsjahres genutzt. „Die Ausbildungsbilanz 2021 zeigt mit knapp 66.000 neuen Ausbildungsverträgen zum 30. September 2021 ein Minus von 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das war das Resultat einer generellen Unsicherheit auf dem Ausbildungsmarkt. Deshalb bin ich sehr erleichtert, dass die Betriebe im Land für das kommende Ausbildungsjahr wieder mehr Ausbildungsstellen anbieten. Das Plus von über neun Prozent führt uns wieder an das Vorkrisenniveau heran“, erläuterte Hoffmeister-Kraut mit Blick auf das Jahr 2022/23.

Vor diesem Hintergrund brauche es eine für Baden-Württemberg passende Ausbildungsgarantie, die die Entwicklungen auf dem hiesigen Ausbildungsmarkt ebenso wie die Pläne der Bundesregierung mitberücksichtigt. Das Wirtschaftsministerium habe vorsorglich betriebsnahe Maßnahmen ergriffen. Dazu gehöre beispielsweise die Verdoppelung der Förderung der Verbundausbildung, was vor allem der Ausbildung in kleinen und mittleren Unternehmen helfe. Die weiteren Schritte würden derzeit im Bündnis ausgelotet.

„Aktuell ist das Wichtigste, den Jugendlichen zu vermitteln, dass sie derzeit sehr gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben, dass wir sie bei der Berufswahlentscheidung nicht alleine lassen und dass die Perspektiven mit einer Ausbildung hervorragend sind. Nachdem die Beschränkungen durch die Corona-Pandemie aufgehoben sind, gibt es wieder eine Vielzahl und Vielfalt an bewährten, neuen oder erweiterten Angeboten zur beruflichen Orientierung in Baden-Württemberg, um sich selbst ein Bild zu machen“, so die Ministerin.

Zahlen zur aktuellen Ausbildungsmarktsituation

  • Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber für Ausbildungsstellen ist im Vorjahresvergleich um 2,2 Prozent (1.038) auf 45.338 gesunken.
  • Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ist im Vorjahresvergleich um 9,2 Prozent (6.188) auf 73.502 gestiegen.
  • Die Stellen-Bewerber-Relation liegt bei 1,6 und damit höher als im Vergleich zum Vorjahresmonat (1,44). Der Grund dafür ist, dass die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber zurückging und die Zahl der Ausbildungsstellen gestiegen ist.

Stand: Juli 2022