Die Botschaft, die Reinhard Mey mal in einen Evergreen gepackt hat, ist zeitlos: Grenzenlose Freiheit gibt es da, wo der Übergang zwischen Himmel und Erde fließend ist, über den Wolken eben.
Wer träumt nicht davon, Menschen mit Flug- oder Höhenangst vielleicht mal ausgenommen, den Alltag und die Sorgen am Boden zurückzulassen, wo sie wie Häuser, Landschaft und der Rest der Welt plötzlich nichtig und klein wirken? Mona Hörig zum Beispiel tut das jeden Tag.

Kindheitstraum

Schon als kleines Mädchen hat sie gerne in die Wolken geschaut: Damals noch im heimischen Garten in Quedlinburg, von wo aus sie die Einflugschneise zum Flugplatz wunderbar sehen konnte. „Da will ich mal mit“, dachte sie sich und bearbeitete ihre Eltern so lange, bis diese ihr den Herzenswunsch erfüllten. Mit 13 saß sie zum ersten Mal in einem Motorsegler. „Da wusste ich gleich, das will ich auch machen.“ Gesagt, getan. Mit 14 Jahren kam der Segelflugschein, mit 16 ging es dann das erste Mal allein in die Luft. So ging es Stück für Stück weiter – bis der Tragschrauber (Gyrocopter) kam, bis heute Hörigs Lieblingsfluggerät.

Fluglehrerin Mona Hörig mit ihrem Ultraleichtmotorflugzeug

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Überfliegerin: Seit 12 Jahren geht Mona Hörig von Mannheim aus in die Luft.

Aber nicht nur das Fliegen wollte sie lernen, sondern auch ihr Wissen an andere weitergeben: Sie setzte alles auf eine Karte, brach die Schule ab und gründete als jüngste Fluglehrerin Deutschlands mit 18 Jahren ihre eigene Tragschrauber-Flugschule. Mit Erfolg: Heute, mehr als 13.000 Flugstunden und über 30.000 Landungen später zählt sie wohl zu den erfahrensten Pilotinnen Deutschlands. Seit 2011 geht es also am Flughafen Mannheim „hoch hinaus“. Aber nicht nur für Profi-Piloten und solche, die es werden wollen: Egal ob Schüler, Familien oder eben Flugbegeisterte, so wie sie selbst auch einmal eine war.

Video: Fliegen mit dem Gyrocopter

Schlossblick mal anders

Das Angebot reicht vom Erlebnisrundflug über die Rhein-Neckar-Region bis zum Firmenevent. Die Tragschrauber sind beheizt und fliegen das ganze Jahr über. Egal, ob einfach nur drinsitzen und die Sehenswürdigkeiten vom Speyerer Dom über den Hockenheimring, den Schwetzinger Schlossgarten oder das  Heidelberger Schloss aus einer ganz neuen Perspektive genießen, oder bei einer Schnupperflugstunde selbst aktiv zum Steuerknüppel greifen – alles ist möglich.

Grenzenlos frei

Die Antwort auf die Frage, was Fliegen für Mona Hörig bedeutet, kommt schnell: „Grenzenlose Freiheit und Unabhängigkeit.“ Losgelöst vom Boden, weg vom Alltagsstress, einzutauchen in die Stille, die nur vom monotonen Summen des Rotors bestimmt wird. „Da hat man einfach Ruhe.“

Heidelberger Schloss von oben bei einem Tragschrauber-Rundflug

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Schlossblick mal anders: Das Heidelberger Schloss haben wohl wenige schon aus dieser Perspektive gesehen.
Rundflug mit dem Tragschrauber über Heidelberg.

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Hoch hinaus: Im Gyrocopter eröffnen sich ganz neue Perspektiven. Dank Panoramasicht fast ohne Grenzen.
Landeanflug auf den Mannheimer Flughafen

Flugschule Mona Hörig

Im Landeanflug: auch ein Rundflug ist irgendwann vorbei, endet aber mit dieser spektakulären Sicht auf den Mannheimer Flughafen
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Liebe auf den ersten Blick

Das kann auch Wolfgang Brandmeier bestätigen: Als der seinen ersten Heißluftballon sah, war es um ihn geschehen. Das war vor über 27 Jahren. „Danach wollten mein Bruder und ich unbedingt mal selbst eine Ballonfahrt machen“, erinnert sich der Nordbadener aus St. Leon-Rot. Eine Ballonschule suchte gelegentlich für Schulungsflüge nach Passagieren – die Brandmeiers fuhren hin, stiegen ein und waren sofort Feuer und (Brenner-)Flamme.
Noch während der ersten Fahrt reifte in Brandmeier der Entschluss, selbst einmal einen Ballon zu lenken. Heute, 29 Jahre später ist er Ballonfahrer aus Leidenschaft. Seinen Regenbogenballon sieht man in der Rhein-Neckar-Region bei gutem Wetter oft am Morgen- oder Abendhimmel.

Hoch hinaus geht es mit dem Regenbogenballon.

pr

Hoch hinaus geht es mit dem Regenbogenballon.

Wissenschaft für sich

Ballonfahren ist anders als Fliegen im Flugzeug oder Helikopter. Quasi eine Wissenschaft für sich: Bevor der Korb abheben kann, bedarf es genauer Berechnungen, vom Gewicht über die Außentemperatur bis zur Windgeschwindigkeit muss alles berücksichtigt werden. Besonders reizt Wolfgang Brandmeier die präzise Navigation: „Die Beherrschung des Equipments und das Spiel mit dem Wind. Als ich das gelernt hatte, war das ein tolles Gefühl.“

Video: Wolfgang Brandmeier geht in die Luft

Wie die Jungfrau zum Kind

Auch Thomas Grüter kennt das aus dem Effeff. Wie Brandmeier ist er Ballonfahrer aus Leidenschaft. Was bei ihm als jugendliche „Schnapsidee“ begann, entwickelte sich zum erfolgreichen Geschäftsmodell: Heute zählt sein Unternehmen Sunshine Ballooning zu den größten Ballonfahrtenanbietern Süddeutschlands.

„In den 80er Jahren wollte ich studieren, hatte aber eigentlich keine wirkliche Lust. Als ein guter Freund dann zu mir meinte, dass wir einen Flugschein machen sollten, war ich sofort dabei.“ Die beiden machten also ihre Fluglizenz und gaben Kurse in Spanien. Wieder in Deutschland, folgte der Fluglehrerschein und die eigene Flugschule in Oldenburg. Doch so richtig zufrieden gaben die beiden sich noch nicht. „Mein Partner machte damals eine Ballonfahrt. Er steckte mich mit seiner Begeisterung an.“

Heute zählt Grüter 12 Piloten zu seinem Team, das Unternehmen deckt dabei fast komplett Süddeutschland ab. Bis zu 100 Personen könnten gleichzeitig in die Luft gehen. „Wir decken ein sehr großes Gebiet ab, von Stuttgart über Tübingen, hin zum Bodensee bis ins Allgäu.“

Heißluftballons auf einem Feld

Sunshine Ballooning

Sunshine Ballooning verfügt über eine Flotte von insgesamt zehn Heißluftballons.

Sonnenaufgang von oben

Und was macht für Grüter den besonderen Reiz aus? „Das faszinierendste ist es, tief über einem Wald zu fahren. Nur absolute Stille und unberührte Natur. Du riechst, was du siehst.“ Was für ihn nach über 3000 Fahrten nicht Alltag werden wird, sind die Sonnenaufgänge: „Selbst nach so viele Fahrten sind die immer noch das Schönste.“ Wolfgang Brandmeier wiederum erklärt: „Für mich persönlich macht der Reiz das Fahren in niederen Höhen aus. Die Details zu erkennen und die Menschen, die einem winken, das finde ich toll.“

Taufpaten

Man friert selten, denn im Ballon ist es immer absolut windstill. Da er sich mit dem Wind bewegt, hat er immer genau dessen Geschwindigkeit. Zugluft gibt es also nicht. Außerdem strahlt der Brenner auch immer ein wenig Hitze ab. Und wer die Jungfernfahrt erfolgreich bestanden hat, auf den wartet zurück im Schoß von Mutter Erde eine alte Tradition: Mit der Ballonfahrertaufe gelangen alle Passagiere in den Adelsstand der Ballöner.

Fahrgäste im Korb eines Heißluftballons

Sunshine Ballooning

Auf die Fahrgäste des Heißluftballons wartet nach der Landung die traditionelle Ballonfahrertaufe.

Große Vögel fliegen

Und was ist jetzt mit Menschen mit Flugangst? Für die hat Flugschulleiterin Mona Hörig ein besonderes Angebot: Einmal Flugkapitän sein, ohne dafür den sicheren Boden zu verlassen … das geht? Flugsimulatoren machen es möglich. Im originalgetreuen Cockpit einer Boeing 737 oder eines AIRBUS 380 lassen sich die ganz großen Maschinen von über 20.000 Flughäfen aus starten, professionell betreut von echten Piloten, mit individueller Vorbereitung und 180-Grad-Panoramablick.

Flugsimulator der Flugschule Mona Hörig

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Ob Frankfurt, JFK der Los Angeles International - mit dem Flugsimulator kann man von vielen internationalen Flugplätzen aus in die Luft gehen.
Flugsimulator der Flugschule Mona Hörig

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Ready for Take off? Mit dem Flugsimulator lassen sich die ganz großen Vögel fliegen.
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Warum nicht mal in die Luft gehen

Ob Mona Hörig, Wolfgang Brandmeier oder Thomas Grüter. Alle haben einen ganz besonderen Blick auf ihre Heimat, den von oben nämlich. Und sie teilen diesen auch gerne – egal ob im Simulator im Landeanflug auf Stuttgart oder ganz real im Tragschrauber, im Ultraleichtflieger oder im Heißluftballon. Unser Land ist auch von oben eine Augenweide, über dem Odenwald, der Schwäbischen Alb, dem Schwarzwald oder dem Bodensee.