Vom seit Jahrhunderten hochfrequentierten Jakobsweg heißt es, er beginne vor der eigenen Haustür. Auch von Baden-Württemberg führen unzählige Zubringer auf den berühmten „Camino“. Darüber hinaus gibt es im Süden aber noch viele weitere Pfade, die zur Besinnung, Entschleunigung und inneren Einkehr einladen.

Pfade der Stille im Jagsttal

Neue Blickwinkel und wohltuende Erfahrungen versprechen die „Pfade der Stille“ im Jagsttal. Sie führen zu fünf Gemeinden mit besonderen Kraftorten. Orten, die mit ihrer meditativen Stille und fühlbaren Spiritualität überraschen und berühren. Darunter Naturdenkmale wie eine 1000 Jahre alte Linde, natürliche Eiskeller und ein See, der nur zeitweise auftaucht. Aber auch Klöster, Kapellen und Wallfahrtsstätten wie die Lourdesgrotte Zaisenhausen. Die Pilger und Wanderer sind dazu aufgerufen, die regionalen Kleinode auf sich wirken zu lassen. Ob bei einer Zeitreise in die Vergangenheit, im Naturerleben oder in stiller Meditation, bleibt dabei jedem selbst überlassen.

Frau sitzt auf schmaler Brücke im Grünen

TMBW/Christoph Düpper

Die Füße und die Seele baumeln lassen in der Natur.

Hugenotten- und Waldenserpfad

Die Europäische Kulturroute „Hugenotten- und Waldenserpfad“ führt auf rund 1.800 Kilometern durch Deutschland, Frankreich, Italien und die Schweiz. Sie folgt dem historischen Fluchtweg der französischen und italienischen Protestanten, um ihr kulturelles Erbe zu würdigen und den europäischen Gemeinschaftsgedanken zu stärken. Denn wer den Weg beschreitet, ist dazu eingeladen, sich mit den Themen Exil, Migration und Integration auseinanderzusetzen und Bewegung mit Begegnung zu verbinden. In Baden-Württemberg verläuft der Fernweg vom Südschwarzwald über den Waldenserort Neuhengstett bei Calw in den Kraichgau und von dort weiter in den Odenwald.

Frau entspannt in der Natur, Wanderschuhe im Vordergrund

TMBW/Christoph Düpper

Kraft tanken in der Natur.

Spirituelle Touren im Nationalpark Schwarzwald

Mit seinen dunklen Tannen, unergründlichen Seen und nebelverhangenen Anhöhen erscheint der Schwarzwald vielen als mystischer Ort. Wer hier gezielt nach spirituellen Angeboten sucht, wird auch schnell fündig. Etwa im Nationalpark: Verschiedene Touren führen zu den Kirchen und Kapellen entlang der Schwarzwaldhochstraße. Zwei „Schöpfungswege“ geben die Möglichkeit, „In himmlischer Ruhe“ und „Dem Himmel nahe“ zu wandern. Oder man begibt sich auf einen geistlichen Rundgang um den Mummelsee. Wer lieber in der Gruppe unterwegs ist, kann sich den Outdoorangeboten des ökumenischen Netzwerks „Kirche im Nationalpark Schwarzwald“ anschließen.

Frau in der Wallfahrskirche Dächingen

TMBW/Udo Bernhart

In Wallfahrtskirchen findet man Stille und Besinnung.

Klosterroute Nordschwarzwald

Gleich drei bedeutende Klosteranlagen des Mittelalters haben in den Tälern des Nordschwarzwaldes die Jahrhunderte überdauert. Neben dem Benediktinerkloster Alpirsbach mit seiner romanischen und gotischen Architektur gehören zur Klosterroute auch die Klöster in Hirsau und Maulbronn. Als einer der frühesten Orte der cluniazensischen Reformbewegung hatte Hirsau großen Einfluss auf die Entwicklung des Mönchtums in Deutschland. In Maulbronn lässt sich eine der am intaktesten erhaltenen Klosteranlagen nördlich der Alpen bewundern, die als idealtypische Anlage des Zisterzienserordens auf der UNESCO-Welterbeliste steht.

Kloster Maulbronn Innenhof

TMBW/Joachim Negwer

Das Kloster Maulbronn ist ein Ort der Besinnlichkeit.

Martinusweg in der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Sankt Martin gilt als populärster Heiliger Europas. Ihm zu Ehren hat der Europäische Rat im Jahr 2005 die Straße von seinem Geburtsort Szombathely in Ungarn ins französische Tours zur Europäischen Kulturroute erklärt. Sie führt entlang zahlreicher Gedenkstätten für den Bischof auch durch die Diözese Rottenburg-Stuttgart. Hier ist der Martinusweg in verschiedene Tagestouren aufgeteilt, die jeweils in größeren Orten mit Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger enden. Bei der Navigation hilft eine mobile App. Sie ist für den Offline-Betrieb konzipiert und weist daher auch abseits der Städte den rechten Weg.

Wege der Besinnung und Einkehr auf der Ehinger Alb

Dass das Biosphärengebiet Schwäbische Alb viele Möglichkeiten für abwechslungsreiche Wandertouren bietet, hat sich inzwischen herumgesprochen. Dass man im Raum Ehingen nicht nur wandern, sondern auch das „Mehr des Lebens“ entdecken kann, mag dagegen überraschen. Die „Wege der Besinnung und Einkehr der Ehinger Alb“ führen als Rundweg durch eine abwechslungsreiche Landschaft und laden dazu ein, den Alltag Schritt für Schritt zurückzulassen und neue Lebensqualität zu gewinnen. Tafeln am Wegesrand regen dazu an, Altes und Gewohntes zu überdenken, und geben mit „Besinnungsgedanken“ neue Impulse. Ganz nach dem Motto: „Der Weg ist das Ziel“.

Skulptur Engel auf der Ehinger Alb

TMBW/Udo Bernhart

Skulptur "Engel" und weiter Horizont von Martin Burchard auf der Ehinger Alb.

Oberschwäbischer Pilgerweg

Die Region Oberschwaben zwischen Schwäbischer Alb und Bodensee ist seit jeher tief geprägt vom Katholizismus, der ihr einst große kulturelle und religiöse Schätze bescherte. Zahlreiche Orte der Marienverehrung, Wallfahrtskirchen und Klöster laden bis heute zum Pilgern ein. Sie zu vernetzen, hat sich der Verein der Freunde und Förderer des Oberschwäbischen Pilgerwegs zur Aufgabe gemacht und liefert die Formel für eine erfolgreiche Pilgerschaft gleich mit: „Gehen, Beten, zu sich und zu Gott finden“. Was simpel klingt, erweist sich in der Praxis oft als schwierige Übung. Doch wer sich der Herausforderung der religiösen Reise stellt, hat die Möglichkeit, in einer sich immer schneller drehenden Welt Halt und Geborgenheit zu finden.

Prälatenweg von Salem zur Birnau

Früher bildete der Prälatenweg den kürzesten Wirtschaftsweg zwischen dem historisch bedeutsamen Kloster Salem und dem Bodenseeufer. Doch er führte auch an der Wallfahrtskapelle Birnau, einer der ältesten Pilgerstätten in Südschwaben vorbei. Im 14. Jahrhundert erfreuten sich Wallfahrten wachsender Beliebtheit, was die Salemer Zisterziensermönche für sich nutzten, indem sie um die Kapelle herum eine größere Kirche mit mehr Fassungsvermögen errichteten. Damit trugen sie zur verstärkten Nutzung der Strecke als Pilger- und schließlich auch Prozessionsweg bei. Heute ist der Prälatenweg ein beliebter Wander- und Radweg, der es noch immer erlaubt, auf den Spuren der „weißen Mönche“ zu wandeln.

Kirche und Mönch in Bad Schussenried am Oberschwäbischen Pilgerweg

TMBW/Christiane Würtenberger

In Bad Schussenried am Oberschwäbischen Pilgerweg trifft man vielleicht einen Engel...

Übernachtungsmöglichkeiten

An vielen der beschriebenen Routen kann man in normalen Zeiten auch stilecht übernachten. Etwa im Kloster Reute im oberschwäbischen Bad Waldsee oder in der Abtei Lichtenthal in Baden-Baden am Rande des Nationalparks Schwarzwald. Hinweise zu den Eröffnungsterminen, Gruppenangeboten, geltenden Bestimmungen und zum Besucheraufkommen finden Sie auf den Webseiten und Social-Media-Kanälen der lokalen Institutionen. Mehr Informationen gibt die Landesarbeitsgemeinschaft Kirche und Tourismus in Baden-Württemberg: kirche-tourismus-bw.de.