Advent ist die Zeit der Traditionen. In keinem anderen Handwerk geht es so turbulent zu wie im Bäckerhandwerk. In den Wochen vor Weihnachten herrscht in den Backstuben der Deutschen Innungsbäcker Hochbetrieb. Der Stolz vieler Bäcker ist ihr Weihnachtsstollen.

Teig kneten für einen Christstollen

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Jeder Bäcker hat sein eigenes Geheimnis für seinen Christstollen.

Der Stolz des Bäckers: sein Christstollen

„Für Bäcker ist es körperlich erfahrbar, dass Weihnachten naht: Das Backen der Stollen ist körperlich anstrengend - und zugleich eine wunderbare Arbeit. Sie beschert große Glücksgefühle“, verrät Michael Wippler, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks. „Ich bin in einem Bäckerhaushalt aufgewachsen und habe mein ganzes Berufsleben in diesem Handwerk verbracht. Die Stollenzeit ist ein Highlight im Arbeitsjahr. Wenn die Stollen goldbraun aus dem Ofen kommen und mich anlachen, dann ist für mich wieder Kindheit, das ist immer wieder etwas Besonderes." Wippler ist in der Mangelwirtschaft der DDR aufgewachsen. Dort war es immer eine Herausforderung, die Rohstoffe zu organisieren.

Das sei heute natürlich viel einfacher: „Ein Stollen ist ein ehrliches Lebensmittel. Wichtig ist Butter - und davon nicht zu wenig. Den unvergleichlichen Geschmack bringen die Kuchenfrüchte: Orangeat, Zitronat, Mandeln, denn es braucht nicht nur Süße, sondern auch eine bittere Komponente.“ Eier, Margarine, Geschmacksverstärker oder gar synthetische Aromen hätten in einem Stollen nichts zu suchen.

Ein Einheitsrezept gebe es laut dem Experten allerdings nicht. So ein Stollen trage immer auch die Handschrift des Bäckermeisters. „Die Rezeptur variiert, das Know-how kommt dazu und jeder Fachkollege hat seine eigenen Tricks und Kniffe. Ein Stollen ist wie ein Mensch, die sind ja auch nicht alle einheitlich. Jeder Kunde hat seinen Lieblingsbäcker und so soll es auch sein.“ Und wer es selber probieren möchte, findet hier ein Rezept für einen leckeren Marzipanstollen.

Christstollen mit Puderzucker

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Der Klassiker für die Adventskaffeetafel: ein Christsollen mit viel Puderzucker.

Geschichtliches zum Christstollen

Der Stollen kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Im 14. Jahrhundert erstmals namentlich erwähnt, war er ursprünglich ein Gebildbrot. Dieses sollte einen tragenden Pfosten, also den "Stollen", darstellen und das Jesuskind als wichtigen Pfosten des christlichen Glaubens symbolisieren. So begleitet der Stollen seit Jahrhunderten die Winterzeit und erfreut immer wieder alle großen und kleinen Feinschmecker.

Ein Stollen oder eine Stolle (von althochdeutsch "stollo", "Pfosten", "Stütze") ist ein Kuchen aus schwerem Hefefeinteig. Wertgebende Bestandteile sind Fett und Trockenfrüchte (oft Sultaninen) oder andere Füllungen wie etwa Marzipan oder Mohn. Allgemein werden Stollen ganzjährig hergestellt, traditionell jedoch hat sich der Christstollen als beliebter Kuchen in der Adventszeit durchgesetzt.

Michael Wippler weiß: „Die Tradition des Weihnachtsstollens gibt Menschen gerade in unserer schnelllebigen Zeit Halt. Traditionen sind für das Lebensgefühl immens wichtig. Für einen Stollen haben die Menschen früher monatelang die wertvollen Rohstoffe zusammengespart und im Winter sind sie dann zum Bäcker gegangen, der ihnen daraus 'ihren' Stollen gebacken hat. Mit dem Stollen holt man sich die Sehnsucht ins Haus, das fehlende Sonnenlicht im Winter sollte mit dem süßen Genuss ausgeglichen werden. Das ist heute noch so wie vor hundert Jahren.“