Fesch sieht der ältere Herr in der blauen Uniform aus. Wie ein freundlicher, neugieriger Vogel schaut er unter der Kappe zu den Leuten. Großes Lächeln. „Steiget ein!“, ruft er und klettert in den Waggon. „Suchet euch ein schön’s Plätzel!“, schwäbelt er.

Schönes Plätzchen? Hier gibt es keine gepolsterten Sitze. Holzklasse. Von irgendwo zieht es herein.  Ach herrje, der Zug steht ja immer noch. Doch dann, endlich, bewegt er sich.

Idyllischer Titisee im Schwarzwald

Jigal Fichtner

Wie eine Postkarte: Die Dreiseenbahn hat ihren Namen von den drei Seen Schluchsee, Windgfällweiher und Titisee, der im Bild zu sehen ist.

Sitzen in der Holzklasse der Dreiseenbahn

Kein Luxus. Nirgends. Die Passagiere sitzen in der Holzklasse, die es tatsächlich vor langer, langer Zeit gab. Es zieht immer noch, aber niemand stört sich daran. Heute sitzt man in Abteilen, deren Fenster nie aufgehen werden. Hier aber kann man sie selber kippen, dafür gibt es Hebel. Die Heizung könnte auch von Hand bewegt werden, in drei Stufen von gar nicht über mittel bis volle Pulle. Alte Emailleschilder zeigen, wo’s langgeht. Der „Abort“ ist das Klo. Ganz groß steht über der Tür „Nichtraucher“.  

Züge wie dieser waren nicht nur Fahrzeuge zur Sommerfrische oder Arbeit. Bauern setzten einen Korb Eier oder einen Topf Meerrettich hinein, der dann in Freiburg von Markthändlern aus dem Zug geholt wurde. Auch Zeitungen wurden mit Zügen transportiert. Die Nebenstrecke von Titisee nach Seebrugg wurde vergleichsweise spät gebaut. Ab 1924 war die „Ewigkeitsbahn“ in Betrieb.

Dampf von der Dampflok der Dreiseenbahn Schwarzwald

Jigal Fichtner

Überall dampft es. Anderthalb Stunden vor der Fahrt muss die Lok schon unter Dampf stehen.

Die einspurige Bahnstrecke Seebrugg–Titisee verkehrt nur dank Horst Jeschke und anderen Helden der Freizeit. 2008 sollte der Nebenbahnendbahnhof mit seinen Verladeanlagen abgerissen werden. Dann hätte Deutschland den letzten Bahnhof dieser Art für immer verloren. Das rief Eisenbahnfreunde auf den Plan, die eine Interessengemeinschaft gründeten und es schafften, dass dieser Bahnhof zum Museum wurde. Um die 140 Leute aller Alters- und Berufsklassen packen an und schaffen am Wochenende und ermöglichen Sonderfahrten wie diese.

Ganz viele ihrer Geschichten beginnen in der Kindheit. Man ist selber mitgefahren und kann sich noch an die Gerüche erinnern oder an die Bilder, „wenn man durch den Zug bis zur Lokomotive schauen konnte“, wie ein mittelalter Mann sagt, der die Bahn noch aus der Kindheit kennt, als er im Hochschwarzwald mit den Eltern Urlaub machte.

Dreiseen-Bahn Lokführer Kurt

Jigal Fichtner

Kurt steuert den Zug als Lokführer.

Viele hatten als Kind kleine Eisenbahnen und große Träume, die sich dann im Erwachsenenalter verflüchtigt haben, wie der schwarze Rauch im blauen Himmel. Erst als Horst, Kurt, Uwe und andere in Rente waren, kam die Zeit, um den Kindheitstraum Wirklichkeit werden zu lassen.

Der eine ist Schaffner geworden, ein anderer glüht vor Leidenschaft und Hitze als Heizer an der Ofenluke, wieder ein anderer steuert den 70 Tonnen schweren Koloss (1180 PS!) mit den Waggons. Die Strecke Seebrugg–Titisee ist eine relative junge Strecke, denn als sie 1924 fertiggestellt wurde, waren die großen Projekte wie Schwarzwaldbahn und Höllentalbahn schon längst gebaut.

Philipp, Uwe und Kurt - das Team der Dreiseenbahn Schwarzwald

Jigal Fichtner

Philipp schippt Kohle, Uwe ist der Schaffner und Kurt der Lokführer (von links).

Wir haben das Aha-Erlebnis

Der leutselige Schaffner erzählt den Mitreisenden beim Halt im Weiler Aha seinen obligatorischen Aha-Witz. Einige lachen. Angeblich wurde hier angehalten, damit Bauern Speck und Eier verkaufen können. Der Zug zuckelt weiter, links ist der Windgfällweiher und man sieht ein paar Leute am See hocken und spazieren. Das Wasser glitzert. „Gugge mol“, staunt jemand. Der Titisee kommt bald ins Blickfeld. 

Kohleschaufel in der Dampflok der Dreiseenbahn Schwarzwald

Jigal Fichtner

Philipp, der als echter Lokführer arbeitet, schaufelt zum Ausgleich gerne Kohle bei der Dreiseenbahn.

Einer, der im echten Leben Lokomotivführer ist, schaufelt in der Freizeit Kohle. Philipp (23) mag den Knochenjob. „Das ist 100 Jahre alt und es funktioniert immer noch. Ein schöner Kontrast zum Computerzeitalter“, sagt er und wuchtet eine Schaufel Steinkohle ins Feuer. Sechs bis sieben Kilo sind das. Mit jeder Schaufel...

Die Lok muss anderthalb Stunden vorher unter Dampf stehen, bis sie überhaupt mal ein bisschen vom Fleck kommt.

Schaffner Uwe schaut aus der Dreiseenbahn

Jigal Fichtner

Schaffner Uwe behält den Überblick über die Passagiere, begrüßt sie freundlich und erzählt auch mal einen Witz.

Ganz großer Bahnhof in Titisee

Nach 45 Minuten fährt der Zug in Titisee ein, wird langsamer und der Fahrtwind lässt nach. Fotoapparate und Handys werden gezückt, es ist mal wieder ein „großer Bahnhof“ für die 1920 gebaute Lokomotive Preußen P8 (das P steht für Personen), die einem Sammler gehört. Die Lok wird umgesetzt, Zeit genug für eine Führung durch den Bahnhof.

Dann heißt es wieder: „Steiget ein!“ und „Suchet euch ein schön’s Plätzel!“

Ausflugsziele am Titisee:

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