Die Tour nimmt klettersteigartige Züge an, und das ganz ohne Drahtseilsicherungen und Tritthilfen – ein Ausflug für Schwindelfreie mit festem Schuhwerk.

Am besten fangen wir ganz von vorne an. Denn es wäre schade, an diesem Premiumwanderweg irgendetwas auszulassen, etwa das schmucke Mühlendorf Ottenhöfen (327 m) im Achertal zwischen der Badischen Weinstraße und der Schwarzwaldhochstraße, die reizvollen Seitentäler, die zahlreichen Weiler, die typischen Schwarzwälder Bauernhöfe oder das gastronomische Angebot.
Der Ausgangspunkt unserer Wanderung liegt bei Ottenhöfen. Es trägt seinen Beinamen „Mühlendorf“ wegen mehrerer restaurierter Mühlen, die an einem Rundweg liegen. In Ottenhöfen zweigen wir beim Hotel-Restaurant Sternen von der Ruhesteinstraße zum Betriebsgelände des WIBO Schotter- und Edelsplittwerks ab. Kurz danach erreichen wir einen kleinen Wanderparkplatz beim ehemaligen Waldhotel Edelfrauengrab, das ganz offensichtlich schon bessere Zeiten gesehen hat. An den Wochenenden kann bei gutem Wetter der Andrang so groß sein, dass man das Auto auf dem Betriebsgelände abstellen muss.

Edelfrauengrab-Wasserfall

Mein Ländle / Peter Haller

Trotz seiner schaurigen Geschichte ein prickelnder Anblick: der Edelfrauengrab-Wasserfall

Edelfrauengrab: Des Ritters treuloses Weib

Wir folgen zunächst der gelben Raute und kommen entlang des Gottschlägbachs zu den idyllischen Wasserfällen mit dem sogenannten Edelfrauengrab. So heißt eine Auskolkungshöhle, also ein Strudelloch. Diese Bezeichnung geht auf eine Sage zurück, wonach der Ritter Wolf von Bosenstein seine untreue Ehefrau dort einmauern und ertränken ließ, wie auf einer Tafel am Fels zu lesen ist. Glücklicherweise handelt es sich hierbei nur um eine Sage, sodass der Wanderer trotz dieser schaurigen Geschichte den Weiterweg sorglos genießen kann: durch das wildromantische Gottschlägtal über zahlreiche Holzbrücken und Steintreppen, vorbei an der „Romantischen Brücke“ (Achtung, sie liegt etwas versteckt rechts vom Weg). Nach zwei Kilometern kann man am oberen Ende des breiter gewordenen Tals in der Nähe des Schmälzlehofs seinen Durst an einem Getränkebrunnen löschen – gegen Bezahlung natürlich.

Felsen sorgen für Kletter-Einheiten auf dem Wanderweg

Mein Ländle/Peter Haller

Karlsruher Grat

Mein Ländle / Peter Haller

Brücke im Gottschlägtal

Mein Ländle / Peter Haller

Ein idyllisches Plätzchen im Gottschlägtal: die „Romantische Brücke“
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Klettereinlagen und Umwege

Der Weg zweigt hier nach links bergauf ab und erreicht nach circa zehn Minuten die erste Felskanzel, den Herrenschrofen etwas abseits des Wegs. Kurz darauf (etwa eine Stunde ab Parkplatz) erreichen wir den rund 400 Meter langen Felsgrat, ein Quarzporphyr-Rücken, den es mit mehreren Klettereinlagen unter Zuhilfenahme der Hände zu überwinden gilt. Er liegt eingebettet in Mischwald mit Fichte, Edelkastanie, Eiche und Buche. Aber auch Ginster, Heidekraut, Felsenbirne, Eberesche und Mehlbeere säumen den Weg. An den sonnigen Südhängen fühlen sich zudem zahlreiche Insekten wie der Steppengrashüpfer und Schmetterlinge zuhause.

Es gibt hier wohlgemerkt keine Markierungen. Man muss sich seinen Weg über die Felsen schon selber suchen. Für viele ist das das reinste Vergnügen, zumal immer wieder beeindruckende Aussichtspunkte auftauchen. Für die weniger Mutigen und nicht Schwindelfreien gibt es jedoch einen harmlosen Umgehungsweg über den Dreierschrofen (ab hier der blauen Raute folgen), sodass sich Gruppen oder Paare am Beginn des Karlsruher Grats manchmal aufteilen, um einige Zeit später an seinem Ausläufer wieder zusammenzufinden.

Wissenswertes zur Geologie

Der Karlsruher Grat im Naturschutzgebiet Gottschlägtal-Karlsruher Grat ist ein Quarzporphyr-Rücken, der im Zeitalter des Perm, also vor rund 290 bis 250 Millionen Jahren entstand, als Magma in eine vier Kilometer lange und rund 750 Meter tiefe Gesteinsspalte eindrang und erkaltete. Der widerstandsfähigere, härtere Porphyr bildete sich durch Erosion des um­geben­den Gesteins als markanter Grat heraus. Fließspuren lassen sich noch heute an manchen Stellen entdecken. Der mächtige Porphyrstock sitzt auf einem Grundgebirge aus Granit, am Bosensteiner Eck verschwindet er jedoch unter dem später aufgelagerten Deckgebirge aus Buntsandstein.

Die Bezeichnung „Karlsruher Grat“ soll übrigens daher rühren, dass der Grat, dessen Gewannname eigentlich „Eichhaldenfirst“ ist, in den 1920er-Jahren ein beliebtes Ausflugsziel von Wanderern aus der Karlsruher Region war. Hierzu trug insbesondere der Aufschwung im Ottenhöfener Fremdenverkehr durch die 1898 fertiggestellte Achertalbahn bei.

Das Finale: Einkehr und Ausblicke

Dort wo Kletterer und „Umgeher“ wieder zusammentreffen, führt der Weg weiter zum Bosensteiner Eck (823 m), wo gleich zwei Einkehrmöglichkeiten warten: zum einen das Gasthaus Bosenstein (mittwochs Ruhetag) mit einer gemütlichen Schwarzwaldstube und einem herrlichen Ausblick ins Seebachtal und auf die Hornisgrinde, zum anderen das Berggasthaus Kernhof (dienstags Ruhetag) aus dem Jahre 1638. Von hier aus führt der Weg an Weidekoppeln entlang über den Grenzweg zum Aussichtsfelsen Brennter Schrofen und steiler abwärts über den Aussichtspunkt Kleineck zurück nach Ottenhöfen.

Karlsruher Grat

Start und Ziel: Ottenhöfen
Strecke: ca. 12 km
Gehzeit: 4–5 Stdn.
Höhenunterschied: 500 m
Schwierigkeit: Gratüberschreitung erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, ansonsten unschwierig

Grat-Wanderung Ortenaukreis Wanderkarte

Mein Ländle